Mittwoch 25. Februar 2026
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Handeln wie Jesus

(23.3.2014) Interview mit Raphaela Pallin über „Zur größeren Ehre Gottes".

Ist die Rede von der „Ehre Gottes“ heute noch verständlich? Was ist damit gemeint?

Pallin: Viele haben heute den Eindruck: Es kommt nicht auf meinen Einsatz und konstruktiven Beitrag an, sondern darauf, wie ich mich präsentiere, Ansehen gewinne. Zählt mehr der äußere Schein als die innere Qualität, entsteht ein immer größerer Präsentationszwang – oft mit innerer Leere und Erschöpfung bezahlt. Dagegen ist es befreiend, erkennen zu dürfen: Ich bin von Gott aus Liebe gedacht und ins Leben gerufen, bin „geschaffen darauf hin, Gott zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und zu dienen“, und darin Heil zu finden auf ewig (vgl. Exerzitien 23). Wesentlich ist: Primär gibt nicht der Mensch Gott die Ehre, sondern Gott selbst in seiner souveränen „Freigebigkeit“ wirkt, erweist seine Ehre, lässt sie aufscheinen – in der Schöpfung, in der Erschaffung des Menschen, jedes Einzelnen: „Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch“ (Irenäus von Lyon).

Was sollen wir dann tun?

Pallin: Wir begegnen in unserem Leben, in der Welt auch der Gebrochenheit, dem Leid, dem Versagen, dem Schuldigwerden. Wollen wir nicht in Verweigerung oder Verzweiflung steckenbleiben, so muss diese Erfahrung in die Sehnsucht, ja in den Schrei nach Erlösung, nach der Wiederherstellung der „Ehre Gottes“, nach dem endgültigen Offenbarwerden seiner Herrlichkeit münden.


„Jesus Christus ist die Wiederherstellung von allem (vgl. Eph 1,10) und zugleich die Vollendung aller Dinge in Gott: Vollendung, die Gottes Herrlichkeit ist. Die auf Jesus Christus gegründete Religion ist die Religion der Herrlichkeit, sie ist ein Sein in einem neuen Leben ‚zum Lob der Herrlichkeit‘ (Eph 1,12)“ – (Joh. Paul II., Tertio Millennio Adveniente 6). Mit der Annahme dieser Erlösung ergibt sich dann auch das antwortende Mitwirken in Liebe, auf dass diese „Ehre Gottes“ offenbar werde, und somit die Hinwendung im Dienst für die Menschen und in der Bewahrung der Schöpfung.

Alles geschehe „zur größeren Ehre Gottes“: Ist dieser ignatianische Impuls nicht eine Überforderung des Menschen?

Pallin: Er ist einerseits eine Überforderung – aber eine, die zunächst hilft, die vielen Gebundenheiten und Versklavungen im eigenen Leben aufzudecken, um immer mehr frei zu werden; das Mühen um Freiwerden und „Indifferenz“ kostet Anstrengung. Andererseits ist er eine befreiende Einladung, das Geschenk des immer größeren Vertrauens in die liebende Vorsehung Gottes anzunehmen, das eigene Leben ganz für die Vollendung in Gottes Herrlichkeit zu öffnen. Gerade das kann dann über die „natürlichen“ Begrenztheiten hinausführen.

Was fasziniert Sie persönlich am „Ad maiorem Dei gloriam – zur größeren Ehre Gottes“? Wie kann man das leben?

Pallin: Die „größere Ehre Gottes“ ist das Ziel, das Gott in uns angelegt hat. Wir dürfen darauf hinleben und darin mitwirken. Damit ist aber kein Perfektionismus angestoßen, sondern der demütige, auf Gottes Vorsehung vertrauende selbstlose Dienst, in dem – in kleinen wie in großen Entscheidungen – die größtmögliche Nähe zur Lebensweise Jesu Kriterium ist und die unterscheidende, kluge Liebe den Ausschlag gibt. Wobei diese „kluge Liebe“ ihre Vorgabe in der „Torheit“ der Liebe Gottes hat.

 Interview: Stefan Kronthaler


Univ.-Ass. MMag. Lic. Dr. Raphaela Pallin,

Institut für Historische Theologie/Theologie der Spiritualität, Uni Wien.

 

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