Mehr darüber zu erfahren, wieviele Schwangerschaftsabbrüche es pro Jahr in Österreich gibt und welche Gründe Frauen ein „Ja“ zum Kind erschweren, hilft Abtreibungen zu verhindern. Davon ist die aktion leben österreich überzeugt.
Rund 100.000 Schwangerschaftsabbrüche werden in Deutschland pro Jahr durchgeführt; die Schweiz berichtet über 10.000 Abtreibungen pro Jahr, Frankreich spricht von 220.000. Und in Österreich? In Österreich gibt es keine Zahlen über Schwangerschaftsabbrüche. Seit Jahren geistern Schätzungen durch die Medien; Schätzungen, die jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehren.
Für den Wiener Sozialrechtler Wolfgang Mazal ein unhaltbarer und unverständlicher Zustand. In Österreich würde doch eigentlich alles gezählt, Bienen, Hühner, ja selbst Hühnereier. Aber bei Schwangerschaftsabbrüchen sei die Politik offenbar nicht interessiert daran, sich den Fakten zu stellen. Dabei wären doch gerade diese Zahlen auch hilfreich, Schwangerschaftsabbrüche in Zukunft zu verhindern. Nur wer wisse, was die Gründe dafür sind, dass Frauen das „Ja“ zum Kind schwer fällt, könne maßgeschneiderte und passgenaue Präventionsmaßnahmen überlegen.
Bei einer hochkarätig besetzten Fachtagung der aktion leben österreich Ende März, die unter dem Titel „Fakten helfen. Wie wir mehr erfahren über Schwangerschaftsabbrüche“ stand, forderte er deshalb mehr Mut zur Wahrheit: „Der moderne Mensch sollte sich nicht damit zufrieden geben, etwas nicht zu wissen, sondern danach trachten, begründet zu wissen, um auf Basis dieses begründeten Wissens verantwortungsvoll handeln zu können."
Eine bundesweite Erhebung der Daten rund um Schwangerschaftsabbrüche in Österreich würde auch zu einer Enttabuisierung des Themas beitragen, ist Gertraude Steindl, Präsidentin der aktion leben österreich überzeugt: „Eine Enttabuisierung würde bedeuten, dass wir eine gesellschaftliche Auseinandersetzung und Anteilnahme erreichen könnten und so dann auch den betroffenen Frauen und Familien wirksame Hilfe zukommen lassen könnten.“
Das Ziel, auch in Österreich jährliche anonyme Erhebungen von Abtreibungszahlen und eine regelmäßige Erforschung der Motive für Schwangerschaftsabbrüche einzuführen, will die aktion leben österreich mit einer parlamentarischen Bürgerinitiative mit dem Titel „Fakten helfen“ erreichen. Auch Österreichs Bischöfe unterstützen die Forderung der Bürgerinitiative. Sie äußerten sich sehr dankbar dafür, „dass es in Österreich viele kirchliche, kirchennahe und gesellschaftliche Initiativen gibt, die schwangeren Frauen und Müttern Hilfe und Beratung bei ihrem Ja zum Leben anbieten“. Diese Angebote könnten noch besser und zielgerichteter sein, wenn es in Österreich – so wie in den allermeisten europäischen Ländern – genaue Zahlen und gesicherte Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen gebe.
Wie fundierte Erhebungen rund um das Thema Schwangerschaft konkret gestaltet sein können und was sie im Hinblick auf die Verhinderung von Schwangerschaftsabbrüchen wirklich bringen, schilderte bei der Fachtagung der aktion leben österreich die Freiburger Sozialwissenschaftlerin Cornelia Helferich am Beispiel Deutschlands. Deutsche Studien beleuchten nicht nur Zahlen und Motive jener ungewollten Schwangerschaften, die abgebrochen, sondern auch jener, die ausgetragen werden – laut Helferich immerhin jede zweite.
Die Ergebnisse der vergangenen Jahre zeigen deutlich: Wirksame Prävention „beginnt nicht erst, wenn eine Frau schwanger wird“, sondern beginnt schon bei guter Sexualerziehung und gezielter Information zum Thema Empfängnisregelung. Deutschland versucht seit Jahren genau hier anzusetzen. Das Ergebnis: Seit einigen Jahren ist ein Rückgang der Schwangerschaftsabbrüche zu verzeichnen.
aha
Informationen und Unterstützungserklärungen für die Bürgerinitiative „Fakten helfen“ auf www.fakten-helfen.at.