Mag. Elisabeth und Dr. Klaus Pollheimer wohnen in Mödling, sie sind seit vierzig Jahren verheiratet, drei Kinder. Langjährige Tätigkeit in der diözesanen Ehevorbereitung und in der Ehebegleitung u.a. im Kardinal-König-Haus. Das „Marriage Encounter"-„Wochenende" haben sie vor dreißig Jahren besucht und engagieren sich seither in ME; derzeit sind sie für ME im Vikariat Süd und im Burgenland „zuständig“ („Regionalverantwortliche“).
Die Bewegung „Marriage Encounter“ („Begegnung in der Ehe“) ist eine Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils. Was will sie?
Elisabeth und Klaus Pollheimer: Die Pastoralkonstitution „Gaudium et spes (GS)“ betont, dass alle Glieder der Kirche mit besonderen Charismen ausgestattet sind. Im Besonderen wird die Bedeutung der liebenden Gemeinschaft zwischen den Ehepartnern hervorgehoben (GS 48, 49).
Kardinal Suenens, wesentlich an der Mitgestaltung der Pastoralkonstitution beteiligt, setzte sich für deren Akzeptanz im alltäglichen Leben der Eheleute ein. Dieses Anliegen fand Eingang in die Bewegung „Marriage Encounter“ (ME), zunächst in Nordamerika, 1972 auf Initiative von Kardinal Suenens auch in Europa. Parallel zur Aussage über die Beziehung von Christus zu seiner Kirche (GS 48) lautet ein zentraler Gedanke von ME „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“ (Joh 15, 12). Die Aussagen des Konzils und ihre Grundlagen in der Bibel sind Kerninhalte des ME-Wochenendes.
Ist die Ehelehre des Konzils bei den Ehepaaren „angekommen"?
Elisabeth und Klaus Pollheimer: Für Ehepaare, die ihre Beziehung aus dem Glauben gestalten wollen, bedeutet der Text von GS mit seiner wertschätzenden Haltung Ehepaaren gegenüber eine Ermutigung, konkret Verantwortung für ihre Ehe zu übernehmen. Er spricht die ureigenste Sehnsucht der Paare nach lebenslanger Treue und inniger personaler Gemeinschaft aus. Dass dieses Verständnis der Sakramentalität des Ehelebens bei den Paaren ankommt, dafür leistet ME einen wertvollen Dienst: Jedes Jahr nehmen weltweit mehr als 30.000 Paare an einem der rund 2100 ME-„Wochenenden“ teil und hören dort die Leben gebende Botschaft Jesu.
Vor welchen Herausforderungen steht eine Ehespiritualität, die auf die Zeichen der Zeit achtet?
Elisabeth und Klaus Pollheimer: Herausforderungen sind: Zu wenig Zeit füreinander – Beruf, Aus- und Weiterbildung, Familie, Kinder, Freundeskreis, Freizeit. Als Faktoren zeitlicher Belastung erschweren diese die intensive eheliche Kommunikation, der Alltag erschöpft sich oft im Tun und lässt kaum ein Sein zu.
Dazu kommt die Säkularisierung, „Entkirchlichung“ unserer Welt. Wie können Paare sich angesprochen fühlen, die zwar große Sehnsucht nach Vertiefung haben, aber keine religiöse oder kirchliche Verwurzelung (er-)leben? Es geht auch darum, gegebenen gesellschaftlichen Druck in Frage zu stellen und der Besinnung auf mich, auf uns als Paar und der Beziehung zu Gott mehr Raum zu geben.
ME will Anregungen bieten, wie Paare ihre gegenseitige Anziehungskraft, ihre Freude aneinander und ihre Kommunikation wieder neu beleben können – „Entdecke die Liebe neu“ lautet unsere Einladung!
Welche Chancen bietet Marriage Encounter, welche Hilfe(n)?
Elisabeth und Klaus Pollheimer: Die Vision von Marriage Encounter geht weit über die eigene Beziehung hinaus. Wenn wir unsere Paarbeziehung ehrlich und vertrauensvoll leben, so strahlen wir Gottes Liebe in die Welt aus, vor allem auch für unsere Kinder! Unsere Erfahrung ist: Lieben ist eine bewusste Entscheidung, die auch durch Tiefen und Schwierigkeiten trägt.
Das ME-„Wochenende“ ermutigt, trotz Enttäuschungen immer wieder neu aufeinander zuzugehen und miteinander weiterzugehen. Es soll helfen, Sprachlosigkeit und Einsamkeit zu überwinden und dem Zuhören neues Gewicht zu geben. Es geht um eine offene und ehrliche Kommunikation im Paar und innerhalb der Kirche, denn ME lädt auch Priester und Ordenschristen zum Wochenende ein – es geht um „Leben in Fülle“. Ehe- und Weihesakrament als „Beziehungssakramente“ bilden ja die Basis der Kirche.
Wir wollen einen Lebensstil der Beziehung leben – Zeichen der Liebe Christi zu seiner Kirche.
Interview: Stefan Kronthaler
Ein ME-„Wochenende“ (Freitagabend bis Sonntagnachmittag) ist eine Zeit zum Nachdenken und zum vertrauensvollen Gespräch im Paar, eine Gelegenheit, die gemeinsame Gegenwart und Zukunft anzuschauen, einander neu zu entdecken und die gegenseitige Beziehung in den Mittelpunkt zu stellen, kein gruppendynamisches Seminar und keine Therapie für schwere Krisensituationen.
Das ME-„Wochenende“ bietet den Teilnehmern die Gelegenheit, in angenehmer Umgebung ohne die Belastungen und Ablenkungen des Alltags sich selbst, dem Partner und Gott näher zu kommen.
Die nächsten ME-„Wochenenden“ in Ostösterreich finden zu folgenden Terminen statt
(jeweils Freitag 17 Uhr bis Sonntag ca. 16.30 Uhr):
9. bis 11. November in Wolkersdorf,
16. bis 18. November in Eisenstadt,
26. bis 28. April 2013 in Wolkersdorf.
Informationen und Anmeldung zum ME-Wochenende: Tel. 02236/27237 oder
E-Mail: elisabeth.pollheimer@utanet.at oder Internet: www.marriage-encounter.at