Sonntag 4. Januar 2026
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Kritik an Spekulation und Gier der Banken

(13.5.2012) Rudolf Messner über den großen österreichischen Sozialethiker Johannes Messner.

„Die bleibende Bedeutung der Sozialethik Messners ist darin zu sehen,  dass er, inspiriert durch den englischen Empirismus, seine  christlich begründete naturrechtliche Position  zu einer universellen, für alle Menschen und Kulturen gültigen  Lehre weiterentwickelt hat“, sagt Johannes Messners Neffe, Prof. Rudolf Messner, im Gespräch mit dem „Sonntag“.  Damit nahm Messner „die allgemeinen  Menschenrechte der UNO-Deklaration von 1948 vorweg“.

 

Das „Naturrecht“ von Johannes Messner sei „durch seine differenzierte Ausführung von  sachbezogenen Ordnungs- und Gestaltungsgedanken für Staat, Gesellschaft und Wirtschaft, vom Familienleben bis zur Lohngerechtigkeit, noch immer aktuell“.

Ethik des Bankwesens

Seine besondere Stärke lag in der Lösung der „Sozialen Frage“. Messner: „Auch wenn sich die Themen und Probleme der Sozialethik erweitert und ,globalisiert‘ haben, berühren gerade heute die Ausführungen, die Johannes Messner schon 1960 etwa zur Ethik des Bankwesens gemacht hat.“ Der Sozialethiker weise darauf hin, „dass es wirtschaftlich notwendige Formen der Spekulation zur Stärkung tüchtiger Unternehmen gibt“.

 

Andererseits verurteilte er „die von tatsächlichen Werten abgelöste,  der Gewinngier dienende Spekulation als ethisch verwerflich“. Messner, der seine Lebens- und Arbeitskraft für eine sozialwissenschaftlich fundierte christliche Ethik voll einsetzte, war in seiner demütig-bescheidenen Lebensweise und seinem liebevoll den Menschen zugewandten Wirken „ein überzeugender Priester mit charismatischer Ausstrahlung“.

Motto aus „Fidelio"

„Johannes Messner war geprägt durch den tiefverwurzelten Glauben, dass das Christentum den Menschen den Weg zu einer über das irdische Leben hinausreichenden Vervollkommnung weisen könne“, sagt Rudolf Messner: „Die lebensgestaltende Kraft christlicher Ideen sollte  aber nicht auf das Jenseits verschoben werden. Sie musste sich nach Johannes Messner als Vorschein einer höheren göttlichen Ordnung schon im irdischen Leben erweisen.“

 

Er erkannte, dass dazu nicht die Verkündung moralischer Prinzipien genügte. Messner: „Orientierung konnte nur gegeben werden, wenn er sich der gewaltigen, nie abzuschließenden sozialreformerischen Aufgabe stellte, die Sachverhältnisse eines sittlich guten Lebens aufzuklären.“ 

 

Entsprechend seiner Begabung sah Johannes Messner  seine Lebensaufgabe darin, „auf realwissenschaftlicher Grundlage das Wissen um eine gerechte, sittlich gute Gestaltung von Staat, Wirtschaft und gesellschaftlichem Zusammenleben zu erarbeiten.“ Leitmotiv dieses gewaltigen Bemühens war es, „die Grundlagen für ein sinnvolles und glückliches Leben zu schaffen. In diesem gottgewollten Dienst an den Menschen sah Messner  die ihm gemäße Verwirklichung seines Priestertums“. Rudolf Messner: „Sein gesamtes Leben ist geprägt gewesen von großem Gottvertrauen und dem geheimen Leitwort seines Lebens – ,Die Liebe wird’s erreichen‘ aus Beethovens Oper ,Fidelio‘.“

Seligsprechung

Der Seligsprechungsprozess für Johannes Messner ist wieder aufgenommen worden. Nach der zeitweiligen Sistierung sei man derzeit intensiv „mit der Befragung von Zeitzeugen zum Leben von Messner“ befasst, erläutert der seit November 2011 neu ernannte Postulator des Verfahrens, Militärsuperior Harald Tripp. Dabei gehe es vor allem um Belege für den geforderten „heroischen Tugendgrad“ von Johannes Messner. Weiters soll geklärt  werden, inwiefern Messner „im Ruf der Heiligkeit stand und steht“  und ob es Hinweise auf ein erforderliches Wunder gebe.  Das Verfahren wurde 2002 eröffnet.     

 

Kron


 

USA bis Japan: „Das Naturrecht"

 

Johannes Messner wurde am 16. Februar 1891 in Schwaz/ Tirol geboren. Er war nach Priesterausbildung, Tätigkeit als Kooperator,  staatsrechtlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Studien an den Universitäten Innsbruck und München von 1935 bis 1938 und von 1949 bis 1971 Professor für Ethik und Sozialwissenschaften an der Universität Wien. Messner hat u. a. maßgeblich am 1925 erschienenen Sozialhirtenbrief der österreichischen Bischöfe mitgearbeitet.

 

Die Jahre von 1938 bis 1949 verbrachte er nach der Flucht vor den Nazis im englischen Exil im Oratory in Birmingham. Dort verfasste er sein Hauptwerk in englischer Sprache „Social Ethics“ (deutsch: „Das Naturrecht“). Am 12. Februar 1984 ist er in Wien gestorben. Als Lebensleistung liegt ein mehrere tausend Seiten umfassendes sozialethisches Werk vor, das bis nach Japan und in den USA verbreitet ist.

 

Die nach seinem Tod in Wien gegründete „Johannes-Messner-Gesellschaft“ (http://www.univie.ac.at/messner-gesellschaft/) widmet sich dem Werk und Andenken des bedeutenden katholischen Sozialethikers.

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