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01.04.2019 · Österreich & Weltkirche · Kunst&Kultur

Maximilian, der letzte Ritter

Bildnis des Kaisers Maximilian von Albrecht Dürer (links). Idealbild des Kaisers von Rubens (jüngste Forschungen meinen, es handle sich hier um Maximilians Sohn Philipp).

Er begründete das Weltreich der Habsburger und somit des Hauses Österreich durch eine geschickte Heiratspolitik, aber auch durch Kriege: Kaiser Maximilian I. starb vor 500 Jahren in der Welser Burg. Die Historikerin Sabine Weiss beleuchtet sein facettenreiches Leben und Wirken in einem spannenden Buch und gibt Auskunft über die vielen Seiten von Habsburgs faszinierendem Kaiser.

 

 

Das Jahr 2019 steht in Österreich ganz im Zeichen Kaiser Maximilians I. Ausstellungen, Bücher, Symposien und Themenwanderwege erinnern landauf, landab an den legendenumwobenen Herrscher. Ist soviel Gedenken – von Klosterneuburg bis Stams – nach einem halben Jahrtausend gerechtfertigt? „Ja“, meint die Historikerin Sabine Weiss.

 

„Maximilian war eine faszinierende Persönlichkeit, stets voller Ideen und Pläne, mit ritterlichen Idealen, ein arbeitsamer Herrscher, schriftstellerisch tätig, ein Liebhaber der Frauen und der Natur, mutig bis zur Waghalsigkeit, aber auch kriegslüstern, ehr- und ruhmsüchtig“, charakterisiert Sabine Weiss die schillernde Persönlichkeit Maximilians in ihrem lesenswerten Buch „Maximilian I. Habsburgs faszinierender Kaiser“.


Maximilian – Aktionsradius seiner Macht

Kaiser Maximilian I., geboren am 22. März 1459 in Wiener Neustadt, wird gern als „letzter Ritter“ bezeichnet – in seine Regentschaft fällt die Zeitenwende vom Mittelalter zur Renaissance. Als er am 12. Jänner 1519 starb, war Amerika entdeckt, der Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden und neue humanistische Ideen hatten sich in seinem Reich verbreitet.


Unbestritten ist die enorme territoriale Ausweitung der Herrschaft der Habsburger im Zuge seiner Regentschaft. Bei seiner Geburt regierte sein Vater Friedrich III. ein Gebiet, das kleiner war als das heutige Österreich. Zum Zeitpunkt seines Todes herrschte Maximilians Enkel Karl V. über ein Weltreich, das von Amerika über Europa bis nach Südostasien reichte.


„Viele seiner Maßnahmen wirkten jahrhundertelang nach, einige bis heute“, erläutert Sabine Weiss. Zukunftsweisend wirkte Maximilian in vielerlei Hinsicht: durch die Weite des Horizonts über Österreich hinaus, die Begründung der Donaumonarchie bis nach Südosteuropa und die jahrhundertelange Verknüpfung Österreichs mit dem Kaisertum des Hauses Habsburg.

 

Letztere machte Wien zur Kaiserstadt und ist noch heute für den Tourismus von großer Bedeutung. „Maximilian agierte europaweit und dachte weltweit“, schildert die Historikerin: „Als weltliches Oberhaupt der Christenheit besaß er einen weiten Aktionsradius und betrachtete die gesamte christliche Welt, soweit sie ihm bekannt war, als sein Einflussgebiet.“  


Maximilian als Papst?

Wer war dieser außergewöhnliche Herrscher und was bedeuteten für ihn Glaube und Religion? „Wesensmäßig glich er seiner portugiesischen Mutter (Eleonore von Portugal), deren Temperament und geistige Regsamkeit er geerbt hatte.

 

Seinem habsburgischen Vater (Friedrich III.) verdankte er dagegen seinen kräftigen Körperbau, sein markantes Antlitz mit einer signifikanten Adlernase sowie sein welliges Blondhaar“, beschreibt Sabine Weiss Wesen und Aussehen Maximilians, der von Kindesbeinen an als Thronerbe eine Sonderstellung einnahm und sich dieser auch bewusst war. Bis auf seine geliebte Schwester Kunigunde hatte keines seiner Geschwister das Erwachsenenalter erreicht.

 

Maximilian interessierte sich wie sein Vater für Astrologie und meinte unter einem ungünstigen Stern geboren worden zu sein. Durch die besondere Gnade Gottes aber sah er sich vor dessen negativen Auswirkungen bewahrt.

 

„Maximilian wusste, dass sein Leben in Gottes Hand war“, berichtet Maximilian-Expertin Sabine Weiss: „Die Religion nahm einen zentralen Platz in seinem Leben ein. Bereits als Kind lernte er die christlichen Glaubenswahrheiten und die wichtigsten Gebete kennen, im ritterlichen Sankt Georg sah er seinen persönlichen Schutzpatron.“

 

Maximilian suchte den Schutz vieler Heiliger und besuchte täglich den Gottesdienst. Stand kein Gotteshaus zur Verfügung, ließ er sich die Messe von einem Priester auf einem Tragaltar lesen. Auch an Reliquien wie dem „Heiligen Rock von Trier“ war der Herrscher sehr interessiert.

 

In der Karwoche zog er sich nach Möglichkeit in ein Kloster zurück, um der Leiden Christi zu gedenken. Bisweilen hatte er den Wunsch, der Welt zu entsagen und in ein Kloster zu gehen. Sabine Weiss: „Noch auffallender war seine Ankündigung im Jahr 1511, Papst werden zu wollen. Doch dieser Plan des gerade verwitweten Kaisers sollte ihm vor allem den Zugriff auf kirchliche Gelder ermöglichen.“


Maximilian und die Frauen    

„Frauen spielten in Maximilians Leben eine wichtige Rolle, sowohl politisch als auch privat“, erklärt Sabine Weiss. Seine Mutter Eleonore von Portugal starb, als er acht Jahre alt war. „Er hat ihr zeitlebens ein ehrendes Andenken bewahrt und sie wie eine Heilige verehrt“, schildert die Historikerin.

 

Auch zu seiner Schwester Kunigunde pflegte Maximilian eine gute, aufgrund der geografischen Entfernung jedoch meist punktuelle Beziehung. Seine Jugendliebe Rosina von Kraig aus dem Hofstaat seiner Schwester in Wiener Neustadt musste Maximilian 1477 schweren Herzens verlassen, um in die Niederlande zu ziehen und Maria von Burgund, einzige Tochter Karls des Kühnen und reiche Alleinerbin, zu ehelichen.

 

Aus der als glücklich beschriebenen Ehe gingen die zwei Kinder Philipp der Schöne und Margarete von Österreich hervor. Maria von Burgund, die als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit galt, starb aber bereits 1481 infolge eines Reitunfalls bei der Falkenjagd. Ihr untröstlicher Gatte war zu diesem Zeitpunkt erst 23 Jahre alt.


1493 heiratete Maximilian die Mailänder Herzogstochter Bianca Maria Sforza (1472-1510) aus machtstrategischen und wohl auch finanziellen Gründen. Die Ehe war nicht glücklich und blieb kinderlos, war aber letztlich ein Gewinn für das Haus Habsburg, da das Mailänder Herzogtum nach dem Aussterben der Sforzas in habsburgische Hände überging.

 

Maximilian hatte zudem „überraschend viele“ (Sabine Weiss) Konkubinen und aus diesen Verbindungen zahlreiche Kinder, die vom Hof versorgt wurden. Das habsburgische Weltreich begründete Maximilian durch Kriege und Erbschaften, vor allem aber durch eine aktive Heiratspolitik bei der Verheiratung seiner Kinder und Enkelkinder. Die von seinem Vater als Eigentumsvermerk verwendeten Vokale „a e i o u“ konnten damit als Weltherrschaft des Hauses Österreich gedeutet werden: „Alles Erdreich ist Oesterreich untertan.“

 

Maximilian starb am 12. Jänner 1519 auf der beschwerlichen Reise von Innsbruck nach Linz in der Burg von Wels und wurde in der St. Georgs-Kathedrale der Militärakademie von Wiener Neustadt bestattet. An seinem Nachruhm hatte er zu Lebzeiten durch autobiografische Schriften aktiv gearbeitet.


Das habsburgische Weltreich ist längst vergangen. Sabine Weiss resümiert: „Maximilian lebt fort, wie er es sich gewünscht hat. Er wollte nicht ,mit dem Glockenton’ vergessen werden, sondern im Gedächtnis der Nachwelt weiterleben, durch seine Taten und durch seine künstlerischen Werke. Das ist ihm in erstaunlichem Ausmaß geglückt.“ 

erstellt von: Der SONNTAG / Agathe Lauber-Gansterer
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Weitere Informationen:

Buchtipp:

 

Eintauchen in Maximilians Welt

Historikerin Sabine Weiss liefert mit „Maximilian I. Habsburgs faszinierender Kaiser“ die passende Lektüre zum Maximiliansjahr. Spannend und wissenschaftlich fundiert lässt sie den Herrscher und seine Zeit lebendig werden. Alle Geschichtsinteressierten werden dieses Buch lieben und verschlingen. 

 
Sabine Weiss

Maximilian I.

Habsburgs faszinierender Herrscher.
Tyrolia. 400 Seiten.

ISBN: 978-3-7022-3709-7.

 

Ausstellungen

Im „Maximiliansjahr 2019“ sind dem einflussreichen Herrscher zahlreiche Sonderausstellungen gewidmet. 

    
Klosterneuburg

Seit wenigen Tagen ist die Ausstellung „Des Kaisers neuer Heiliger“ im Stift Klosterneuburg geöffnet (bis 17.11.).

 

Gezeigt wird, welche Rolle Klosterneuburg zur Zeit Maximilians spielte, warum Stiftsgründer Leopold III. (1073-1136) von Maximilian I. verehrt wurde, und wie Maximilian die neue Methode des Buchdrucks nutzte.


Wiener Neustadt

Seine letzte Ruhestätte fand Maximilian in der St.-Georgs-Kathedrale, wo im Jänner der vom Künstlerduo Martin und Werner Feiersinger neu gestaltete Altar geweiht wurde.

 

Im Zuge der Landesausstellung „Welt in Bewegung!“ widmet sich die Theresianische Militärakademie ab 30. März Leben und Wirken des Kaisers.

 

Wien

Sehenswert ist die  Ausstellung „Kaiser Maximilian I. Ein großer Habsburger“ im Prunksaal der Nationalbibliothek. Gezeigt wird u. a. das Stundenbuch der Maria von Burgund. Bis 3. 11.

 


weitere Informationen zu

 

Der SONNTAG
die Zeitung der Erzdiözese Wien
Stephansplatz 4/VI/DG
1010 Wien
T +43 (1) 512 60 63
F +43 (1) 512 60 63-3970

E-Mail-Adresse: redaktion@dersonntag.at

 

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Dieser Tage erhielt Papst Leo XIV. aus den Händen von Regionalvikar P. Dominic Sadrawetz aus dem Augustinerorden die jüngste CD der berühmten Wiener Augustiner-Kirchenmusik. Die CD enthält unter anderem Mozarts Piccolomini-Messe und seine Große Credo-Messe. 

Orgelweihe mit Kardinal Schönborn

Feierliche Orgelweihe in Höflein

Am Sonntag, dem 21. September 2025, hat Kardinal Christoph Schönborn in Höflein die neue Orgel geweiht – ein Projekt, das ohne das beeindruckende Engagement der Bevölkerung so nicht möglich gewesen wäre.

Kirche Alservorstadt

„Tag des Denkmals“: Stifte und Klöster öffnen ihre Pforten

Unter dem Motto „DENKMAL bewahren, DIGITAL erfahren“ findet am 28. September 2025 wieder der „Tag des Denkmals“ statt.

Dom Museum-Direktorin Schwanberg im Voting für "Austria 25"-Award

Die Kunst- und Literaturwissenschafterin ist in der Kategorie "Kulturerbe" nominiert.

Thomas Dolezal

Wiener Dommusiker Thomas Dolezal 60

Vielseitiger Organist und Chorleiter prägt das kirchenmusikalische Leben in der Erzdiözese seit Jahrzehnten.

Buckow-Orgel Maria Treu

Die neue Orgeldatenbank der Erzdiözese Wien

Nach jahrelanger Bestandserhebung ist die neue Orgeldatenbank der Erzdiözese Wien nun online. Alle Instrumente des Stadtvikariats sind darin erfasst. Nord- und Südvikariat werden in den nächsten Jahren folgen. 

„In aller Freundschaft“: Wenn Museen zu Begegnungsräumen werden

„In aller Freundschaft“: Wenn Museen zu Begegnungsräumen werden

Die Workshop-Reihe der NACHBARINNEN im Dom Museum Wien war mehr als ein Bildungsprojekt – sie war ein Brückenschlag. Frauen führten muttersprachlich durch die Ausstellung, wuchsen über sich hinaus und nahmen ihre Familien mit auf eine Reise in die kulturelle Mitte der Stadt.

Tanzpaar vor Kapelle

Sommernachtsball am Kahlenberg

Beliebter Ball im Schönstattzentrum findet heuer bereits zum elften Mal statt. Live-Musik, Weinviertler Weine, Cocktailbar, Tombola und mehr erwarten die Gäste.

Fundraising-Award für 'radio klassik Stephansdom'

Fundraising-Award für "radio klassik Stephansdom"

Kultursender ruft weiterhin zur Unterstützung auf.

Stephansdom

Ein Marienlied vereint die Republik

Dieser Tage gedenkt die Republik Österreich des Endes des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren sowie des Erreichens des Österreichischen Staatsvertrags vor 70 Jahren.

Andrea Lentner

Das Wiener Diözesankonservatorium für Kirchenmusik: Eine erstklassige Ausbildung für zukünftige Kirchenmusiker

Am 25. Juni und 29. August gibt es am Wiener Diözesankonservatorium für Kirchenmusik wieder Aufnahmeprüfungen.

Vor nicht langer Zeit, zu Allerheiligen, war Kardinal Prevost, der nunmehrige Papst Leo, zu Gast in Wien.

Papst Leo, Mozart & Bruckner

Vor nicht langer Zeit, zu Allerheiligen, war Kardinal Prevost, der nunmehrige Papst Leo, zu Gast in Wien. Er folgte der Einladung seiner Mitbrüder im Augustinerorden zur Teilnahme an den Feierlichkeiten anlässlich des Weihejubiläums der Augustinerkirche in der Inneren Stadt.

Orgelklänge für Juristen: Kultureller Austausch im Diözesankonservatorium

Orgelklänge für Juristen: Kultureller Austausch im Diözesankonservatorium

In einer bemerkenswerten Verbindung von Recht und Musik öffnete das Diözesankonservatorium für Kirchenmusik seine Türen für Teilnehmer des renommierten Willem C Vis International Commercial Arbitration Moot Court.

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