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Kathedrale Notre-Dame de Paris – Ansicht aus dem Jahr 1776
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27.01.2026
Kirchenlexikon

Was bedeutet Quasimodo?

Was hat der Glöckner von Notre Dame mit Ostern zu tun?

An einem kühlen Morgen des Jahres 1467, erzählt Victor Hugo drängten sich die Menschen auf dem Parvis von Notre‑Dame de Paris. Es war der Sonntag nach Ostern, der im Mittelalter „Quasimodogeniti“ genannt wurde, nach den ersten Worten des Introitus der Messe. Unter den Armen, Bettlern und Pilgern bemerkte man ein merkwürdig gewundenes Bündel, das nahe beim Portal abgelegt worden war.

 

Als ein Mesner neugierig in die Tücher blickte, zuckte er zurück: ein Säugling, entstellt, kaum zuzuordnen, halb bemitleidenswert, halb furchteinflößend. Man brachte das Kind zu den Domklerikern, die an diesem Tag nicht nur vom Evangelium, sondern auch vom Schicksal überrascht wurden.

Der Erzdiakon Claude Frollo, selbst geprägt von Einsamkeit und eigenwilliger Frömmigkeit, nahm das Findelkind schließlich an sich. Seine Begründung war so schlicht wie liturgisch: „Wir nennen ihn Quasimodo – nach dem Tag, an dem er gefunden wurde.“

 

Damit verwob Victor Hugo den Namen des berühmtesten Glöckners der Literatur nicht mit einer örtlichen Sage, sondern tief mit der Liturgie eines bestimmten Sonntags. Dieser Name trägt zugleich Trost und Ironie: Wie neugeboren sollte dieses Kind sein – und doch war es von Geburt an gezeichnet. 

 

Entstehung des Introitus „Quasi modo geniti“

Der Introitus „Quasi modo geniti infantes“ stammt aus dem 1. Petrusbrief (2,2) und entwickelte sich im Kontext der frühchristlichen Taufpraxis. In der Antike und Spätantike wurden Taufen fast ausschließlich in der Osternacht gefeiert. Die frisch Getauften – die „Neugeborenen“ – trugen eine Woche lang ihre weißen Gewänder und wurden in der Osteroktav mit besonderen Texten begleitet, die ihre neue geistliche Existenz betonten. Zwischen dem 5. und 6. Jahrhundert wurde dieser Vers zum Eröffnungsvers der Messe am Sonntag nach Ostern, der daher bis heute „Quasimodogeniti“ heißt. Der gregorianische Choral, wie wir ihn kennen, entstand im 8.–9. Jahrhundert in klösterlichen Skriptorien des Frankenreichs, wo die Melodien systematisiert und erstmals einheitlich notiert wurden.

 

Bedeutung des Introitus

Der Introitus ruft die Gemeinde dazu auf, wie „neugeborene Kinder“ nach der „lauteren, vernünftigen Milch“ des Glaubens zu verlangen. Das ist zugleich zärtlich und streng. Die „Milch ohne Trug“ (sine dolo) weist darauf hin, dass der Mensch sich oft in geistigen oder moralischen Schlingen verheddert – aus Bequemlichkeit, aus Stolz, gelegentlich auch aus jener stillen List, die Hugo seinen Figuren gern unterschob. Der Text will also keine naive Reinheit, sondern eine bewusste Lauterkeit: ein ehrlicher Beginn, obwohl man das Leben bereits kennt. Die Kirche rät: Werde neu, obwohl du alt bist; werde klar, obwohl du die Welt und ihre Tücken längst gesehen hast.

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