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Sixtinische Kapelle Deckenfresko
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27.01.2026
Kirchenlexikon

Was ist das Quicumque?

Das Quicumque, benannt nach seinem lateinischen Anfang “Quicumque vult salvus esse” („Wer immer gerettet werden will“), ist eines der bedeutendsten und zugleich theologisch anspruchsvollsten Bekenntnisse der christlichen Tradition.

Obwohl es traditionell Athanasius von Alexandria zugeschrieben wurde, gilt diese Zuschreibung heute als historisch nicht haltbar. Die moderne Forschung datiert seine Entstehung in das 5. oder frühe 6. Jahrhundert, wahrscheinlich im westlichen, lateinischsprachigen Teil der Kirche. Trotz seiner ungewissen Herkunft repräsentiert das Quicumque einen Höhepunkt trinitarischer Reflexion und eine präzise Zusammenfassung der christologischen Dogmen der Alten Kirche.

 

Seine besondere Bedeutung liegt in der außergewöhnlichen Klarheit und Strenge, mit der die Dreifaltigkeit und die beiden Naturen Christi formuliert werden. Während das Apostolische und das Nicäno-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis knappe, liturgisch geprägte Bekenntnistexte sind, ist das Quicumque fast ein lehrhaft-dogmatisches Kompendium. Es entfaltet die trinitarische Lehre in bemerkenswerter Systematik: Der Vater ist ungeschaffen, der Sohn ist ungeschaffen, und der Heilige Geist ist ungeschaffen – und doch gibt es nicht drei Ungeschaffene, sondern einen einzigen Ungeschaffenen. Das Gleiche gilt für Allmacht, Ewigkeit und Gottheit. Diese bewusst wiederholte und logisch zugespitzte Form dient der Abgrenzung gegen trinitarische Irrlehren, die in der Spätantike weit verbreitet waren, insbesondere arianische, sabellianische und andere subordinationistische Auffassungen.

 

Im zweiten Teil des Bekenntnisses folgt eine ausführliche Christologie. Hier wird das Chalcedonense (451) in knapper, schematischer Form wiedergegeben: Christus ist „Gott aus der Substanz des Vaters, Mensch aus der Substanz der Mutter“, vollkommen Gott und vollkommen Mensch, eine Person in zwei Naturen, „nicht zwei, sondern ein Christus“. Damit betont das Quicumque sowohl die volle Gottheit als auch die volle Menschheit Jesu und grenzt sich von Nestorianismus und Monophysitismus ab. Seine Sprache wirkt bisweilen schroff oder unerbittlich, doch sie reflektiert das ernste Ringen der frühen Kirche um die Wahrung des rechten Glaubens.

 

Liturgiegeschichtlich spielte das Quicumque besonders in der lateinischen Kirche eine Rolle. Es wurde seit dem frühen Mittelalter im Stundengebet verwendet, vor allem in der Prim des Sonntags. In der römisch-katholischen Kirche blieb es bis zur Liturgiereform des 20. Jahrhunderts fester Bestandteil des Stundengebetes; danach wurde es zwar nicht abgeschafft, aber seine regelmäßige Verwendung entfiel. Heute ist es nur selten in der liturgischen Praxis zu hören, doch behält es seinen Platz im Corpus der traditionellen Glaubensbekenntnisse.

 

Trotz seiner geringeren liturgischen Präsenz bleibt das Quicumque kirchengeschichtlich höchst bedeutsam. Es zeigt in eindrucksvoller Weise, wie intensiv die Alte Kirche den Versuch unternahm, das Geheimnis des dreifaltigen Gottes sprachlich zu fassen, ohne in Widersprüche zu geraten oder in Häresien abzugleiten. In seiner dichten, fast katechetischen Sprache bietet es bis heute eine präzise Zusammenfassung zentraler Glaubenssätze, die theologisch Interessierten wie auch Historikern einen tiefen Einblick in die dogmatische Entwicklung des Christentums ermöglicht.

 

Zum Text

Quicumque salvus vult esse...
Wer immer das Heil erlangen will,
der halte fest am wahren und katholischen Glauben.

Wer ihn nicht rein und unversehrt bewahrt,
wird das ewige Leben verfehlen.

 

Der Glaube der Kirche ist dieser:

Wir verehren den einen Gott,
in der Dreifaltigkeit,
und die Dreifaltigkeit
in der vollkommenen Einheit.

Wir vermischen nicht die Personen,
und wir trennen nicht das göttliche Wesen.

Anders ist die Person des Vaters,
anders die Person des Sohnes,
anders die Person des Heiligen Geistes;
doch Vater, Sohn und Heiliger Geist
sind ein Gott,
in gleicher Herrlichkeit,
in ewiger Majestät.

Wie der Vater ist, so ist der Sohn,
so ist der Heilige Geist:
unerschaffen,
unermesslich,
ewig.

Und doch sind es nicht drei Ewige,
sondern ein Ewiger.

Nicht drei Unerschaffene,
nicht drei Unermessliche,
sondern ein Unerschaffener,
ein Unermesslicher.

So ist der Vater allmächtig,
der Sohn allmächtig,
der Heilige Geist allmächtig;
und doch sind es nicht drei Allmächtige,
sondern ein Allmächtiger.

So ist der Vater Gott,
der Sohn Gott,
der Heilige Geist Gott;
und doch nicht drei Götter,
sondern ein Gott.

Wie uns der Glaube drängt,
jede Person als Gott und Herrn zu bekennen,
so verbietet uns die Wahrheit,
drei Götter oder drei Herren auszurufen.

Der Vater ist von niemandem:
nicht geschaffen, nicht gezeugt.

Der Sohn ist vom Vater:
gezeugt, nicht geschaffen.

Der Heilige Geist geht hervor
vom Vater und vom Sohn:
nicht geschaffen, nicht gezeugt,
sondern hervorgegangen.

In dieser heiligen Dreifaltigkeit
ist nichts früher und nichts später,
nichts größer und nichts kleiner;
sondern drei Personen,
ewig und gleich.

So verehren wir in allem
die Einheit in der Dreifaltigkeit
und die Dreifaltigkeit in der Einheit.

 

Und der rechte Glaube spricht weiter:

Unser Herr Jesus Christus,
der Sohn Gottes,
ist ganz Gott
und ganz Mensch.

Gott,
aus des Vaters Wesen vor aller Zeit;
Mensch,
aus dem Wesen der Mutter in der Zeit geboren.

Vollkommener Gott
und vollkommener Mensch,
bestehend aus Seele und Fleisch.

Dem Vater gleich seiner Gottheit nach,
geringer als der Vater seiner Menschheit nach.

Und doch ist er nicht zwei,
sondern ein Christus:
einer Person nach,
ohne Vermischung der Naturen.

Wie Seele und Leib ein Mensch sind,
so sind Gott und Mensch ein Christus.

Für unser Heil hat er gelitten,
ist hinabgestiegen zu den Toten,
am dritten Tage auferstanden,
aufgefahren in den Himmel
und sitzt zur Rechten des Vaters.

Er wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Alle Menschen werden auferstehen,
und Rechenschaft über ihr Leben geben.

Die Gutes getan haben,
werden eingehen in das ewige Leben;
die aber im Bösen verharrten,
in das ewige Gericht.

Dies ist der Glaube der Kirche.
Wer ihn treu und fest im Herzen trägt,
wird das Heil finden.

 

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