
Was sind Reliquien? |
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Seit wann werden Reliquien verehrt? |
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Einige bekannte Reliquien in der Erzdiözese Wien |
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Wie viele Reliquien gibt es in unseren Kirchen? |
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Was sind Reliquien eigentlich? Der Experte der Erzdiözese Wien, Andreas Lotz, gibt die Antwort:
„Eine Reliquie ist etwas, was von einer faszinierenden religiösen Persönlichkeit der Kirche zurückgelassen wurde. Es kann sich dabei um Körperteile – Knochen, Blut, Haare oder Zahn – handeln, es können aber auch Kleidungsstücke sein. Oder Berührungsreliquien, die von originalen Reliquien berührt wurden.“
Die Reliquienverehrung begann schon in der frühen Zeit der Kirche. Die erste bekannte Verehrung galt den Reliquien des heiligen Polykarp von Smyrna, der als Märtyrer im zweiten Jahrhundert verstarb. „Seine Reliquien sind wertvoller als Gold und Edelsteine“, so heißt es in einem Bericht aus dem Jahr 156.
Unser kirchlicher Fachmann bestätigt, dass Reliquien historisch noch viel wichtiger waren als heutzutage. „Vor allem der mittelalterliche Mensch hatte das ganz große Bedürfnis im wahrsten Sinne des Wortes Handfestes angreifen zu können, was die Beziehung zu Gott möglich macht. Daher war gerade im Hochmittelalter ein starker Reliquienkult verbreitet.
Es ging auch darum, eine große Ansammlung von Reliquien zu schaffen. So gibt es heute noch in vielen Domkirchen, auch bei uns in St. Stephan, einen Reliquienschatz“, sagt Andreas Lotz. Die Gläubigen erhoffen sich bei der Verehrung der Reliquien Hilfe und Segen, indem der Heilige oder Selige bei Gott Fürsprache hält.
Für Andreas Lotz ist das Wort „Verehrung“ in diesem Zusammenhang immens wichtig: „Eine gläubige Verehrung ist durchaus etwas Zulässiges. Im Gegensatz dazu bedeutet Anbetung, dass ein unerlaubter Kult, ein magisches Verständnis in den Vordergrund tritt, und das sehe ich als eine große Gefahr an.“ Alle Reliquienverehrung dient immer der Verehrung Gottes selbst.
In fast jeder Kirche unserer Diözese befindet sich eine Reliquie im Altar. „In früheren Zeiten standen die Märtyrer, die ihr Leben für die Glauben hingegeben hatten, im Vordergrund. In sehr vielen älteren Kirchen wurden über deren Gräber Altäre errichtet, wo die Eucharistie gefeiert wurde. Heute gibt es nur kleine Bereiche im Altar, wo Reliquien eingesetzt sind“, sagt Andreas Lotz.
Bis heute steht im Kirchenrecht ganz klar, die alte Tradition ist beizubehalten, unter einem feststehenden Altar Reliquien von Märtyrern oder Heiligen beizusetzen.
Sind die Reliquien in unseren Kirchen wirklich alle echt? Das lässt sich nicht so genau sagen, ein Nachweis nach vielen Jahrhunderten ist schwierig. In erster Linie ist nicht die Frage nach der Echtheit maßgeblich, sondern die Bedeutung, die sie für die Gläubigen haben.
„Im Rahmen eines Seligsprechungsverfahrens gibt es in einem letzten Verfahrensschritt eine medizinische Untersuchung, die sogenannte Recognitio. Die sterblichen Überreste eines Kandidaten werden nach forensisch-medizinischen Kriterien erhoben“, berichtet der Verantwortliche in unserer Diözese für ein solches Verfahren, Andreas Lotz. „Bei dieser Gelegenheit werden in einem bescheidenen Rahmen Reliquien für die Zeit nach der Selig- oder Heiligsprechung gesichert. Und eine klare Zuordnung ist gegeben.“
Reliquien von Seligen und Heiligen dürfen nur dann öffentlich zur Verehrung ausgestellt werden, wenn die kirchlich Verantwortlichen dies genehmigt haben und ihre Echtheit garantieren.
Es liegt im Aufgabenbereich des zuständigen Ortsbischofs, in unserer Diözese von Kardinal Christoph Schönborn, ein Echtheitszertifikat auszustellen. Experte Lotz: „Mit Reliquien wird heutzutage sehr sorgsam umgegangen. Mittels eines gut geführten Verzeichnisses kann nachgewiesen werden, wer welche authentischen Reliquien erhalten hat.
So sind die Abläufe gut nachvollziehbar und der Reliquienhandel, den es in vergangenen Jahrhunderten gegeben hat, soll damit verhindert werden.“ Denn bis zum heutigen Tag verbietet das Kirchenrecht den Verkauf und den Handel von Reliquien.