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Quatember
Erzdiözese Wien / Quatember
27.01.2026
Kirchenlexikon

Was ist Quatember?

Herkunft, Bedeutung und zeitliche Einordnung eines alten katholischen Brauchs

Die Quatember (lateinisch quattuor tempora – „vier Zeiten“) bezeichnen vier mehrtägige Gebets‑ und Fastenzeiten im Verlauf des Kirchenjahres. Sie gehören zu den ältesten liturgischen Bräuchen der Kirche und verbinden Dankbarkeit für die Gaben der Natur mit der geistlichen Erneuerung der Gläubigen. Gleichzeitig markieren sie Übergänge im Jahreslauf und im kirchlichen Leben. Ihr Charakter ist geprägt von Fasten, Gebet, Besinnung, Buße und Bitte um Gottes Segen für Mensch und Schöpfung.

 

Entstehung und historische Entwicklung

Die Wurzeln der Quatember reichen bis in die ersten Jahrhunderte der Kirche zurück. Bereits im 4. Jahrhundert sind sie in Rom belegt; manche Forscher vermuten sogar ältere, vorchristliche Ursprungsschichten, insbesondere in römischen Ernte‑ und Dankriten. Die frühe Kirche deutete diese natürlichen Übergangszeiten jedoch bewusst christlich um: Nicht mehr heidnische Gottheiten sollten gefeiert werden, sondern Gott selbst, der Schöpfer aller Früchte der Erde. Bis ins Mittelalter entwickelten sich die Quatember zu festen Bestandteilen des Kirchenjahres. Papst Gregor der Große († 604) trug wesentlich zu ihrer Verbreitung bei. Später übernahm die gesamte westliche Kirche diese vier Bußzeiten. Die Reform des Zweiten Vatikanums reduzierte ihre allgemeine Verbindlichkeit, doch bis heute bleiben sie in vielen Diözesen lebendig – besonders dort, wo liturgische Tradition und Naturkreislauf bewusst verbunden werden.

 

Zeitliche Einordnung

Die Quatember sind jahreszeitlich gegliedert. Sie finden jeweils an einem Mittwoch, Freitag und Samstag statt und folgen einem festen Rhythmus:

 

  • Frühjahrs‑Quatember: nach dem ersten Fastensonntag
  • Sommer‑Quatember: nach Pfingsten
  • Herbst‑Quatember: in der Woche nach dem Fest Kreuzerhöhung (14. September)
  • Winter‑Quatember: nach dem dritten Adventssonntag

 

Damit markieren sie Übergänge – von der Saat zur Ernte, von der Fülle des Sommers zur Stille des Winters, aber auch geistliche Übergänge im Kirchenjahr.

 

Bedeutung und spirituelle Dimension

Die Quatember verbinden drei zentrale Themen:

 

Dank und Bitte um Segen

Sie richten den Blick auf die Abhängigkeit des Menschen von Gottes Gaben. Durch Gebet und Fasten soll Dankbarkeit wachsen, zugleich bittet die Kirche um Segen für Landwirtschaft, Arbeit und menschliches Tun.

 

Buße und Erneuerung

Die Quatember bieten kurze, konzentrierte Zeiten der inneren Einkehr. Sie sind Mini‑Fastenzeiten im Jahreslauf – spirituelle Atempausen, die helfen sollen, das eigene Leben neu auszurichten.

 

Gebet für Berufungen und Weihen

Traditionell wurden an Quatembertagen die Weihen für Diakone, Priester und Bischöfe gespendet. Bis heute ruft die Kirche in diesen Wochen besonders intensiv um neue geistliche Berufungen.

 

Quatember heute

Auch wenn ihre frühere Verbindlichkeit abgeschwächt wurde, behalten die Quatember in vielen Gemeinden und Diözesen eine wichtige Rolle. Sie laden zu achtsamer Spiritualität, zur Wertschätzung der Schöpfung und zu innerer Ruhe inmitten eines oft hektischen Jahresrhythmus ein. Damit bleiben sie ein wertvolles Erbe der kirchlichen Tradition – ein geistlicher Kompass, der Gläubige durch das Jahr und durch das Leben begleitet.

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