Erzbischof Grünwidl: Bischof Maximilian wusste,"wo der Schuh drückt."
Der emeritierte Linzer Bischof Maximilian Aichern ist am 31. Jänner 2026 im 94. Lebensjahr verstorben. Der gebürtige Wiener leitete die Diözese Linz fast 24 Jahre lang und erlangte als Sozialbischof sowie als Vermittler zwischen Kirche und Gesellschaft überregionale Anerkennung.
Josef Grünwidl würdigte den Verstorbenen als einen bedeutenden Sohn der Erzdiözese Wien. Er erinnerte daran, dass Aicherns Herkunft aus der Wiener Reindlgasse und seine Ausbildung im elterlichen Fleischereibetrieb sein gesamtes späteres Wirken fundierten. Laut Grünwidl habe Aichern durch diesen Hintergrund genau gewusst, was harte Arbeit bedeutet und wo den Menschen im Alltag der Schuh drückt. Er habe eine bodenständige benediktinische Spiritualität gelebt, die Gebet und sozialen Einsatz untrennbar miteinander verband. Für Grünwidl bleibt Aichern ein Hirte, der die Menschen suchte und verstand und dessen Gespür für Gerechtigkeit ihn zu einer weit beachteten Stimme machte.
Maximilian Aichern wurde am 26. Dezember 1932 in Wien geboren. Nach seiner Schulzeit und der Arbeit im elterlichen Betrieb trat er 1954 in das steirische Benediktinerstift St. Lambrecht ein. Seine Studien führten ihn nach Salzburg und an die Päpstliche Hochschule Sant’Anselmo nach Rom, wo er 1959 die Priesterweihe empfing. Bereits 1964 wurde er zum Abtkoadjutor gewählt und übernahm später als Abt die Leitung von St. Lambrecht sowie das Amt des Abtpräses der österreichischen Benediktinerkongregation. Im Jahr 1981 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Linz, ein Amt, das er mit Volksnähe und Bescheidenheit ausfüllte. Er besuchte innerhalb nur eines Jahrzehnts jede einzelne Pfarre seiner Diözese persönlich.
Kardinal Christoph Schönborn hob die persönliche Verbundenheit hervor, die bereits in seiner Zeit als junger Dominikaner zum damaligen Abt Maximilian begann. Er beschrieb Aichern als einen Seelsorger der Nähe, der eine feine Sensibilität für die Sorgen der einfachen Bevölkerung besaß und diese Interessen innerhalb der Bischofskonferenz stets als ausgleichende, aber klare Stimme vertrat. Besonders betonte Schönborn das historische Verdienst Aicherns um die Seligsprechung von Franz Jägerstätter. Dass dieser Prozess zu einem guten Ende geführt werden konnte, sei maßgeblich der Beharrlichkeit und dem Einsatz des Linzer Bischofs zu verdanken gewesen.
Aicherns Engagement reichte weit über die Kirchenmauern hinaus. Er galt als Architekt wichtiger sozialer Dokumente, wie des Sozialhirtenbriefs von 1990 und des ökumenischen Sozialworts von 2003. Sein Einsatz für die „Allianz für den freien Sonntag“ sowie die Förderung von Frauen in kirchlichen Führungspositionen sicherten ihm Anerkennung über alle Parteigrenzen hinweg. Bis zu seinem Rücktritt im Jahr 2005 und weit darüber hinaus blieb er seinem Wahlspruch „In caritate servire“ treu. Mit seinem Tod verliert die Kirche einen Brückenbauer, der die christliche Soziallehre nicht nur predigte, sondern durch seine tiefe Verwurzelung in der Lebensrealität der arbeitenden Menschen auch glaubhaft verkörperte.