Am Donnerstagabend versammelten sich zahlreiche Menschen am Stephansplatz. Mit einem Kerzenmeer riefen die Caritas Österreich und Wiens Erzbischof Josef Grünwidl zur anhaltenden Solidarität mit der Ukraine auf.
„An Gewalt, Ungerechtigkeit und Krieg dürfen wir uns niemals gewöhnen“, mahnte Erzbischof Grünwidl vor den versammelten Unterstützerinnen und Unterstützern. Die Lichter am Stephansplatz seien mehr als Symbolik: Sie stünden für Verbundenheit mit den leidenden Menschen in der Ukraine – und für die Hoffnung, „dass das Gute stärker ist als das Böse“. Gerade in einer Zeit, in der sich der russische Angriffskrieg zum vierten Mal jährt, sei es entscheidend, die Solidarität wachzuhalten. Hoffnung bedeute nicht Passivität, sondern Haltung. Grünwidl erinnerte daran, dass jeder Beitrag zähle – auch der scheinbar kleine. Der Satz „Da kann man halt nichts machen“ habe in diesen Tagen keinen Platz.
Für Klaus Schwertner, Direktor der Wiener Caritas, sind die Kerzen ein sichtbares Versprechen: „Wir bringen tausende Kerzen zum Leuchten – als Zeichen unserer Verbundenheit. Und als Zusage, dass wir mit unserer Hilfe nicht nachlassen werden.“
Jede Spende ermögliche konkrete Unterstützung vor Ort. Je mehr Menschen sich beteiligen, desto größer könne die Wirkung sein. Der Appell ist klar: Die Nachbarinnen und Nachbarn in der Ukraine dürfen nicht im Stich gelassen werden.
Hilfe für mehr als sechs Millionen Menschen
Seit Beginn des Krieges im Februar 2022 hat das internationale Caritas-Netzwerk nach eigenen Angaben mehr als sechs Millionen Menschen in der Ukraine erreicht. Ein besonderer Fokus liegt auf Kindern, die unter permanenter Bedrohung durch Luftalarme, Vertreibung und zerstörte Infrastruktur leiden. Mehr als 100.000 Kinder konnten bislang in über 30 Projekten betreut werden. In sogenannten „Child Friendly Spaces“ schaffen Psychologinnen und Sozialarbeiter sichere Räume, in denen Kinder spielen, lernen und zumindest für kurze Zeit dem Kriegsalltag entkommen können. Es sind Orte, die Stabilität und Struktur geben – inmitten von Unsicherheit.
Vier Millionen Menschen ohne Zuhause
Wie dramatisch die Lage weiterhin ist, unterstrich Tetiana Stawnychy, Präsidentin von Caritas Ukraine, in einem Grußwort aus der Ukraine. Mehr als vier Millionen Menschen hätten durch den Krieg ihr Zuhause verloren. Neben Notunterkünften arbeite man an langfristigen Lösungen, insbesondere im sozialen Wohnbau, um Vertriebenen eine neue Perspektive zu ermöglichen. Der Dank an Österreich sei groß – doch der Bedarf bleibe immens.
Mitgetragen wurde die Solidaritätsaktion unter anderem von der ukrainischen Pfarre St. Barbara, dem Frauenchor „Barbareum“, der Opernsängerin Zoryana Kushpler sowie zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche, Diplomatie und Zivilgesellschaft. Auch Michael Landau (Caritas Europa), Ostap Yukhymovych von der ukrainischen Botschaft in Österreich und weitere Hilfsverantwortliche informierten über die aktuelle Lage. In wenigen Tagen reist Caritasdirektor Schwertner erneut in die Ukraine, um Hilfsprojekte zu besuchen und rund um den Jahrestag des Kriegsbeginns Solidarität zu zeigen.
Das Kerzenmeer am Stephansplatz war mehr als eine Gedenkveranstaltung. Es war ein öffentliches Bekenntnis: Solidarität ist keine Momentaufnahme, sondern ein dauerhafter Auftrag. Von Wien ging an diesem Abend ein sichtbares Zeichen nach Kiew – und in ein Land, das weiterhin auf Unterstützung angewiesen ist.