Weltkirchliche Begegnungen rund um die Bischofsweihe – Bischöfe sehen großes Potenzial für Partnerschaft mit der Erzdiözese Wien
Die Bischofsweihe von Erzbischof Josef Grünwidl wurde zu einem besonderen Zeichen weltkirchlicher Verbundenheit. Aus Kenia, Ecuador und den Philippinen waren jene Bischöfe nach Wien gekommen, deren Diözesen seit vielen Jahren partnerschaftlich mit der Erzdiözese Wien verbunden sind. Ihr einwöchiger Aufenthalt wurde zu einer dichten Folge persönlicher Begegnungen, intensiver Gespräche und neuer Einsichten – und zu einem lebendigen Beweis dafür, dass Kirche dort am stärksten ist, wo sie voneinander lernt.
Für John Mbinda, Bischof der Diözese Lodwar im Norden Kenias, wurde der feierliche Gottesdienst im Stephansdom unerwartet zu einer sehr persönlichen Erfahrung. Er erzählte, wie ihn die Liturgie an den Ursprung seiner eigenen Berufung erinnerte und in ihm etwas wieder freilegte, das im Alltag des Bischofsamtes leicht zu überdecken ist. In den Gesängen und Gesten der Weihefeier sei ihm bewusst geworden, wie sehr er selbst auf Gottes Ruf vertraue. Die Dankbarkeit, in Wien dabei sein zu können, war ihm anzumerken. Auch seine erste Begegnung mit Erzbischof Grünwidl prägte diesen Eindruck. Er beschrieb ihn als einen Menschen, der ohne jegliche Pose auftritt, offen, bodenständig und fest im Leben verankert. Dass der neue Erzbischof seine erste Messe mit armutsbetroffenen Menschen gefeiert hatte, bezeichnete Mbinda als ein „Zeichen, das für sich selbst spricht“. Beim gemeinsamen Mittagessen im Erzbischöflichen Palais erlebte er ein Gespräch, das – wie er sagte – „aus echter Aufmerksamkeit heraus“ geführt wurde. Erzbischof Grünwidl habe nicht nur Fragen gestellt, sondern auch zugehört. Für Mbinda war das ein Moment, der die Partnerschaft auf eine neue Ebene hob.
Sein Aufenthalt im Wiener Priesterseminar eröffnete ihm darüber hinaus einen unerwarteten Einblick in die Vielfalt der Kirche. Die internationale Gruppe der Seminaristen sei für ihn ein Bild dessen gewesen, was Katholizität heute ausmacht: eine Gemeinschaft, die in ihrer Verschiedenheit geeint ist – und gerade dadurch glaubwürdig.
Während Lodwar von Trockenheit und Armut geprägt ist, trägt die Diözese San Jacinto in Ecuador andere Lasten. Sie liegt in einem Gebiet, das besonders stark von der Gewalt krimineller Banden betroffen ist. Bischof Gustavo Rosales sprach offen darüber, wie sehr diese Realität seine tägliche Arbeit prägt und wie bedroht sich viele Familien fühlen. In dieser Situation ist die Partnerschaft mit der Erzdiözese Wien für ihn weit mehr als ein freundschaftliches Verhältnis. Sie ist ein Zeichen, das trägt.
Er beschrieb es mit einem Satz aus dem Evangelium: „Gebt ihr ihnen zu essen.“ Für ihn fasst er in wenigen Worten zusammen, was die Zusammenarbeit zwischen San Jacinto und Wien bedeutet. Die unterstützten Projekte seien nicht abstrakt, sondern eröffneten Menschen Wege aus Not und Perspektivlosigkeit. Die Reise nach Wien habe ihn zudem in einer Weise berührt, mit der er nicht gerechnet hatte. Immer wieder sei er Menschen begegnet, die ihm das Gefühl gaben, willkommen zu sein. „Ich war nicht der Fremde“, sagte er, „ich war der Bruder.“
Die längste der Partnerschaften verbindet Wiener Neustadt mit der philippinischen Prälatur Infanta. Ihr Ursprung reicht mehr als vier Jahrzehnte zurück. Der emeritierte Bischof Bernardino Cortez war in Vertretung seines Nachfolgers nach Wien gereist und sprach mit großer Wärme über die Geschichte dieser Beziehung. Was sie auszeichnet, sagte er, sei ihr Charakter als „Aktionsgemeinschaft“. Die Partnerschaft bestehe nicht aus wohlklingenden Worten, sondern aus konkreten Schritten, die Menschen stärken. Ein Beispiel dafür ist ein Bereich, der im Westen oft wenig Aufmerksamkeit erhält: das Wissen über traditionelle Heilpflanzen. In vielen philippinischen Gemeinden ist medizinische Versorgung für arme Familien kaum erreichbar. Cortez erzählte von den Frauen, die seit Generationen über ein tiefes Wissen über natürliche Heilmethoden verfügen. Die Kirche in Infanta unterstütze sie darin, diese Kenntnisse weiterzuentwickeln und weiterzugeben. In Wien stieß diese Form einer „Heilkunde aus den eigenen Wurzeln“ auf großes Interesse.
Was die drei Bischöfe in Wien verband, war nicht nur die Teilnahme an der Weihefeier, sondern auch die Gewissheit, Teil einer wachsenden Lerngemeinschaft zu sein. Christian Zettl, Weltkirche-Beauftragter der Erzdiözese, erinnerte an die gemeinsame Lernreise des vergangenen Jahres nach Lodwar. Vertreterinnen und Vertreter der vier Diözesen hatten dort erstmals über mehrere Tage hinweg intensiv miteinander gearbeitet. Was damals entstand, sei weit mehr gewesen als ein Austauschprogramm. Es sei ein „Lernlabor, das uns überrascht hat“ gewesen, so Zettl – ein Ort, an dem sich Ideen, Erfahrungen und Mut gegenseitig befruchteten.
Aus dieser Begegnung sind bereits konkrete Initiativen gewachsen: Frauen aus allen Partnerdiözesen setzten im Rahmen der Aktion „Orange the World“ kraftvolle Zeichen gegen Gewalt. Schülerinnen und Schüler aus vier Ländern bereiten einen digitalen Austausch vor. Pfarrmitglieder aus Zellerndorf treten in Kontakt mit einer Fischergemeinde am Turkana-See, um das fremd Gewordene vertrauensvoll kennenzulernen. Und erstmals wird ein junger Freiwilliger aus der Erzdiözese Wien ein Jahr in Lodwar verbringen und dort an einer Schule mitarbeiten.
Im kommenden Sommer wird eine kleine Delegation der Erzdiözese Wien nach Ecuador reisen. Die Gruppe wird jene Orte besuchen, an denen die Gewalt besonders spürbar ist – und gleichzeitig jene Schulen, in denen Friedenspädagogik wirkt und Kinder und Jugendliche schützt. Ein weiteres Projekt begleitet minderjährige Schwangere und Alleinerziehende, die Unterstützung in gleich mehreren Dimensionen benötigen: medizinisch, psychologisch, materiell und seelsorglich.
Nicole Meissner, Geschäftsführerin der St. Elisabeth-Stiftung, wird an dieser Reise teilnehmen. Sie zeigte sich tief bewegt davon, wie professionell die Partner vor Ort mit vergleichsweise wenigen Mitteln arbeiten. „Wir werden viel voneinander lernen“, sagte sie. „Und wir werden gestärkt zurückkommen.“