Der Kurs Synodale Prozessbegleitung mit 40 Teilnehmenden im Dialog.Hotel Am Spiegeln geht in die zweite Runde. Eine down-to-earth Lern-Erfahrung, um in den kirchlichen Dienst als synodale ProzessbegleiterInnen hineinzuwachsen.
Beim zweiten Treffen des Kurses „Synodale Prozessbegleitung“ im Dialog.Hotel Am Spiegeln war sofort zu spüren: Hier geht es nicht einfach um eine Fortbildung, sondern um einen gemeinsamen Lernweg. 40 Teilnehmende kamen wieder zusammen, um eine Aufgabe einzuüben, die in kirchlichen Zusammenhängen zunehmend gefragt ist – Menschen durch komplexe Entscheidungsprozesse zu begleiten, wenn Interessen aufeinanderprallen, Emotionen hochgehen und der nächste Schritt alles andere als klar erscheint. Die Praxisfelder dafür sind zahlreich: Pfarren werden zusammengelegt, über Kürzungen oder Investitionen muss entschieden werden, Visionen wollen neu entwickelt oder geschärft werden. Gerade dort, wo alte Konflikte nachwirken oder Unsicherheiten den Blick nach vorne verstellen, braucht es Menschen, die Orientierung ermöglichen, ohne selbst die Richtung vorzugeben.
Eine prägende Stimme des Kurses ist Andrew Spiteri. Mit ruhiger Präsenz und spürbarer Erfahrung bringt er auf den Punkt, worauf es ankommt: „Wenn wir an einen Punkt kommen, an dem wir nicht weiterwissen, müssen wir dranbleiben und fragen: Wie kann ich dieser Person auch jetzt in Liebe begegnen? Dann kann ein schöpferischer Moment entstehen.“ Das klingt nicht nach Theorie – eher nach einer Haltung, die sich über viele Jahre bewährt hat.
Dass Lernen hier über den Kopf hinausgeht, zeigt schon der Beginn des Moduls. Eine kurze Stille erfüllt den Raum, dann die Frage: „Was erinnere – erINNERe – ich aus dem Auftaktmodul? Was habe ich vom letzten Mal in mein Herz aufgenommen?“ Es ist ein unspektakulärer Moment, und doch verändert er die Atmosphäre. Die Teilnehmenden kommen an – bei sich selbst, bei ihren Erfahrungen und wieder neu in dieser Lern- und Weggemeinschaft.
Überhaupt folgt der Kurs einem Rhythmus, der trägt: verstehen, ausprobieren, reflektieren. Fachliche Impulse wechseln sich mit konkreten Übungen ab, danach wird innegehalten. Denken und Fühlen dürfen zusammenfinden. Gerade diese Mischung verleiht dem Lernen Tiefe und macht vieles unmittelbar anschlussfähig für die Praxis. Inhaltlich drehte sich diesmal vieles um ethische Leitlinien und gutes Prozessdesign. Wie schafft man von Anfang an Klarheit über Auftrag und Rolle? Was braucht ein tragfähiges Mandat? Wie bleibt ein Prozess transparent? Und was hilft einer Gruppe wirklich weiter, wenn Spannungen entstehen?
Antworten darauf wurden nicht nur besprochen, sondern erlebt. Bei einem Rollenspiel zur Pfarrzusammenlegung stieg die Spannung merklich – Argumente prallten aufeinander, Positionen verhärteten sich. Als die Anstrengung im Raum beinahe greifbar wurde, meinte Spiteri trocken: „Im echten Leben ist es noch viiiel ärger …“ Das Lachen, das darauf folgte, wirkte befreiend. Humor darf sein, gerade wenn die Themen ernst sind.
Denn beschönigt wird hier nichts: Wo Menschen zusammenarbeiten, wird es herausfordernd. Doch genau darin liegt die Aufgabe guter Prozessbegleitung. Nicht schnelle Lösungen zu liefern, sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen Blockaden sich lösen können. Wenn das gelingt, verändert sich etwas Entscheidendes – eine Gruppe kommt wieder ins Gespräch, Vertrauen wächst, und plötzlich wird Bewegung möglich. Nicht von außen erzeugt, sondern aus der Gruppe selbst heraus. Viele entdecken dabei eine überraschende Entlastung. „Facilitator“ bedeutet wörtlich: jemand, der etwas leichter macht. Es geht also weniger darum, sich zusätzlich anzustrengen, sondern darum, Hindernisse ihre Macht verlieren zu lassen. Facilitation ist Handwerk und Kunst zugleich – und ja, manchmal geht auch etwas schief.
Woher also die Gelassenheit nehmen? Spiteri lächelt und sagt: „Wir werden Fehler machen. Wichtig ist, dass wir sie erkennen, offen ansprechen und daraus lernen. Wir sind nicht die einzigen Prozessbegleiter. Wir machen hier kein Management und keine Politik. Unsere Aufgabe ist es, einen Raum zu schaffen und offen zu halten, in dem der Heilige Geist wirken kann.“ Vielleicht ist es genau das, was von diesem zweiten Treffen besonders nachhallt: die Erfahrung, dass gute Prozesse dort beginnen, wo Menschen einander wirklich zuhören. Dass festgefahrene Situationen nicht das Ende sein müssen. Und dass dort, wo ein Raum für ehrliche Begegnung entsteht, überraschend oft auch Neues wachsen kann.