Für Erzbischof Grünwidl sind Rainers Kreuzbilder mehr als Kunst: Sie weisen den Weg zu Aufmerksamkeit, Hoffnung und innerer Wandlung.
Mit einer eindrucksvollen Feier im bis auf den letzten Platz gefüllten Stephansdom ist am Dienstagabend die Ausstellung „Das Kreuz als Zeichen, das bleibt“ eröffnet worden. Bis 7. Juni zeigt der Dom erstmals die wichtigsten Kreuzarbeiten des im Dezember verstorbenen Ausnahmekünstlers Arnulf Rainer – sieben monumentale Kreuzformen auf Holz sowie 70 Kaltnadelradierungen aus sechs Jahrzehnten seines Schaffens.
Im Mittelpunkt der Eröffnung standen die Worte von Erzbischof Josef Grünwidl, der Rainers Werk mit bemerkenswerter Deutlichkeit würdigte. Trotz der bekannten Distanz des Künstlers zu religiösen Festlegungen sei der Stephansdom „genau der richtige Ort“ für diese Arbeiten. Grünwidl formulierte es unmissverständlich: „Wir brauchen seine Kreuzbilder, denn sie haben uns viel zu sagen.“ Rainers Kreuze hätten die Kraft, Besucher zu verändern – „nachdenklicher, wachsamer für Leid und Tod, gestärkt in der Solidarität mit Leidenden und gefestigt in österlicher Hoffnung“. Kunst wirke letztlich durch die Veränderung ihrer Betrachter, erinnerte der Erzbischof an ein Wort Robert Musils. Das passe besonders zur Fastenzeit, die ebenfalls ein Raum der inneren Wandlung sei.
In seiner Rede zeichnete Grünwidl auch ein persönliches Bild Rainers, den er als „Nichts- und Allesgläubigen“ beschrieb – einen Suchenden, der sich keinem theologischen System unterordnen wollte. Gerade diese Offenheit sei fruchtbarer Boden für Rainers Kreuzmotive, die das Kreuz als „Gerüst, Schema und strengen Rahmen“ nutzten. Berührend war Grünwidls Verweis auf ein Interview Rainers aus 1980, in dem dieser scherzhaft sagte, er werde Gott gegenüber keine Worte verlieren, wenn dieser auf ihnen bestehe. Grünwidl dazu: „Gott ist nicht kleinlich. Er hat sich wortlos mit dem Künstler gut verständigt.“ Heute sehe Rainer das zuvor oft dunkel übermalte Kreuz „leuchtend – im Licht von Ostern“.
Bundeskanzler Christian Stocker eröffnete die Schau offiziell und hob die Vieldeutigkeit des Kreuzes als kulturelles und religiöses Zeichen hervor. Dompfarrer Toni Faber sowie Sammler Werner Trenker betonten die Offenheit der Ausstellung und ihren Anspruch, herauszufordern statt zu gefallen. Die Präsentation im Stephansdom lädt bis Juni dazu ein, Rainers Kreuzdarstellungen neu zu entdecken – als künstlerischen und spirituellen Raum, der sich im Dialog mit den Betrachtern öffnet.