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17.12.2014

IS- und Taliban-Morde: Abgrenzung des Islammainstreams gefordert

"Die islamischen Staaten und Autoritäten schaffen es nicht, sich gegen die gegenwärtig tagtäglich vermittelte Verknüpfung von Islam und Gewalt ausreichend zu wehren", so der Pastoraltheologe Zulehner.

Zulehner: Islamische Staaten und Autoritäten schafften es nicht, sich gegen die gegenwärtig tagtäglich vermittelte Verknüpfung von Islam und Gewalt ausreichend zu wehren.

Die Notwendigkeit einer stärkeren Abgrenzung der islamischen Mainstream-Theologie von Gewaltexzessen wie dem zuletzt durch die Taliban verübten Massaker in Peshawar ist von Religionswissenschaftlern im Westen und von Bischöfen der von jihadistischer Gewalt betroffenen Länder betont worden.

 

Der Terrorismusexperte Guido Steinberg sagte am Mittwoch 17. Dezember 2014, der brutale Anschlag der Taliban auf eine Schule hänge mit dem Ringen der Jihadisten um weltweite Aufmerksamkeit zusammen. Die Taliban stünden aktuell in Konkurrenz zu Al-Kaida und vor allem zur IS-Terrormiliz.

 

Parallelen zum Europa der Reformationszeit

Der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner erklärte es gebe Parallelen zum Europa der Reformationszeit. Die kriegerisch verlaufene Konfessionalisierung, bei der "im Namen Gottes gemordet" worden sei, habe dem Christentum in Europa "den denkbar schlechtesten Dienst erwiesen" und "Gott in Verruf gebracht haben". Der Islam ist nach dem Eindruck des Wiener Pastoraltheologen dabei, denselben historischen Fehler zu begehen.

 

Die islamischen Staaten und Autoritäten schafften es nicht, sich gegen die gegenwärtig tagtäglich vermittelte Verknüpfung von Islam und Gewalt ausreichend zu wehren. Durch den brutalen Terror islamischer Extremisten verliere der Islam derzeit weltweit an Kredit - wie das Christentum in der nachreformatorischen Zeit.

 

Kein Zweifel an großangelegten politischen Plan

Der syrisch-katholische Patriarch Ignatios Yousef III. Younan sagte laut "Pro Oriente" im Blick auf den jidhadistischen "Islamischen Staat" (IS), es stehe "außer Zweifel, dass die IS-Verbrecher nicht aus dem Nichts heraus entstanden sind". Es gebe "einen großangelegten politischen Plan, der mit zynischer Gleichgültigkeit die Schwächeren benutzt, um eigene geopolitische Ziele zu verwirklichen".

 

Skeptisch äußerte sich der Patriarch zu den US-Luftangriffen auf die Terrormiliz. Jeder "ehrliche und halbwegs einsichtige" Mensch wisse, dass diese Angriffe aus der Ferne nicht ausreichten. "Die Banditen des IS sind kein geregeltes Heer. Sie mischen sich unter die Bevölkerung. So wird es wirklich schwierig, sie zu treffen. Außerdem haben sie sich die interreligiösen und ethnischen Konflikte zu Nutzen gemacht. Deshalb können Luftangriffe ihnen zwar Schaden zufügen, sie aber weder vernichten noch ernstlich einschränken."

 

Eskalation befürchtet

Udo Steinberg von der deutschen "Stiftung Wissenschaft und Politik" fürchtet eine weitere Eskalation des konkurrierenden Terrors zwischen IS und Taliban: "Bislang haben die pakistanischen Taliban in gewisser Weise immer noch in der zweiten Liga gespielt", erläuterte er. Sie seien nur in Pakistan oder gelegentlich in Afghanistan aktiv gewesen. Jetzt wollten sie der gesamten Welt zeigen, dass sie "in der Lage sind, den pakistanischen Staat in seinen Grundfesten zu erschüttern". Darüber hinaus hätten sie auch eine "internationale Agenda", und daher sei ihnen die Aufmerksamkeit der westlichen Medien sehr wichtig.

 

Dazu komme, dass diejenigen islamistischen Organisationen besonders viel Anziehungskraft entwickelten, die "einerseits in der Lage sind, die USA und die westliche Welt zu gefährden, andererseits aber auch in den Heimatländern eine Kraft darstellen".

 

Erstaunlich findet Steinberg, dass die pakistanische Armee seit 2007 nicht in der Lage sei, das Taliban-Problem zumindest einzudämmen. Das liege vor allem an der Politik der Pakistanis in den letzten Jahren: "Sie haben nämlich die afghanischen Taliban seit 2001 und auch vorher gefördert." Das habe zu einer Talibanisierung an der pakistanisch-afghanischen Grenze und zum Entstehen einer eigenen Taliban-Bewegung in Pakistan geführt. Sie habe sich verselbstständigt und sei nun nicht mehr ein willfähriges Instrument der Armeeführung, sondern greife selber den pakistanischen Staat an. "Hier ernten die pakistanischen Militärs, was sie gesät haben."

erstellt von: red/kap
17.12.2014
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Kontakt und Information

Paul Michael Zulehner:

www.zulehner.org

 

Pro Oriente:

www.pro-oriente.at

 

Stiftung Wissenschaft und Politik:

www.swp-berlin.org

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