Wednesday 20. October 2021
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Kardinal Schönborn überreichte Innitzerpreise 2011

(12.12.2011) "Die Betonung der Einheit des Menschengeschlechts ist nichts bloß Akademisches", so der Hauptpreisträger, der Historiker Herwig Wolfram.

Seit 50 Jahren vergibt die Kirche an österreichische Wissenschaftler und Wissenschafts-Publizisten die Kardinal-Innitzer-Preise, und das ist "ein Zeichen einer engen Verbindung", hat Kardinal Christoph Schönborn betont. Der nach Kardinal Theodor Innitzer (1875-1955) benannte Wissenschaftspreis ist eine der angesehensten Auszeichnungen dieser Art in Österreich. Die Liste der Innitzer-Preisträger sei mittlerweile "wie ein 'Who is Who' der österreichischen Wissenschaft", sagte der Wiener Erzbischof beim Festakt im Erzbischöflichen Palais, am Samstag, 10. Dezember 2011.

 

Gemeinsamkeiten der Völker Europas

Hauptpreisträger ist heuer der Historiker Herwig Wolfram. Er lehrte von 1971 bis zu seiner Emeritierung 2002 als Universitätsprofessor für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Wien. International gilt er als Begründer der "Wiener Schule" der Frühmittelalterforschung, die sich vor allem mit der Frage nach der Entstehung und Nationsbildung der nachantiken europäischen Völker beschäftigt.

 

Wolfram wies in seiner Dankansprache auf die Bedeutung einer kritischen Geschichtswissenschaft auch zur Betonung der Gemeinsamkeiten der Völker Europas hin. Dies erfolge nicht zuletzt im Blick auf Tendenzen zu übersteigerten Nationalismen seit dem Ende des Kommunismus.

 

Menschsein und Friede im Mittelalter

Die Frage nach dem "Gemeinsamen" aller Menschen sei bereits im frühen Mittelalter gestellt und in hervorragend klarer Weise beantwortet worden, sagte der Historiker. Er verwies auf ein vom Bremer Bischof Rimbert (830-888) in Auftrag gegebenes theologisches Gutachten, ob denn auch jene Heiden in Skandinavien, die angeblich Köpfe haben sollen, "die jenen von Hunden ähneln", Menschen seien. Die Antwort sei ein Katalog von Kriterien zum Wesen des Menschseins gewesen - darunter die Kriterien "Existenz von Scham" und "Sozialordnung, die durch Recht geleitet ist". Grundsätzlich sei jedoch das Menschsein auch der "Hundsköpfigen" bejaht worden.

Die Betonung der "Einheit des Menschengeschlechts" sei jedenfalls nichts bloß Akademisches, so Wolfram. Im Tiefsten gehe es dabei um den Frieden. Im Denken des Mittelalters sei Friede "nur durch Frömmigkeit" zu erzielen gewesen, "modern gesagt würde das heißen: durch Achtung der Menschenrechte".

 

Würdigungspreise

Neben dem Großen Preis für das Lebenswerk an Herwig Wolfram, ging der Innitzer-Würdigungspreis im Bereich Naturwissenschaft an den Biologen Nikolaus Romani. Er forscht an der Innsbrucker Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie und hat auch mit dem nordamerikanischen Forscher Ralph Steinman zusammengearbeitet, der heuer posthum mit dem Medizinnobelpreis geehrt wurde. Im Bereich Geisteswissenschaft wurde die Vorständin des Instituts für Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluation an der psychologischen Fakultät der Universität Wien, Christiane Spiel, ausgezeichnet. Den Würdigungspreis für seine Verdienste im Bereich wissenschaftlich fundierter Publizistik erhielt der ORF-Hörfunk-Journalist Franz Tomandl. Sechs junge Wissenschaftler werden außerdem mit Förderpreisen ausgezeichnet.

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