Samstag 17. Januar 2026
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Die Habsburger als "Schutzherren des katholischen Glaubens"

(08.07.2011) Der Wiener Kirchenhistoriker Klieber zeigt die enge Verwobenheit des Hauses Habsburg mit der katholischen Kirche auf.

Wenn im Stephansdom ein Requiem für Otto von Habsburg gefeiert wird, so ist dies weder ein Rückfall in Zeiten einer heilig-unheiligen Allianz von Krone und Altar noch ein Rückfall in schwärmerische Monarchie-Romantik. Es ist der Ausdruck eines historischen Bewusstseins, das, bei allen Brechungen und Schattenseiten, auch darum weiß, was Österreich - wie es Kardinal Schönborn zum Ausdruck gebracht hat - dem Haus Habsburg verdankt.

 

Vielfach "auf die religiöse Karte" gesetzt

Folgt man dem Wiener Kirchenhistoriker Rupert Klieber, so gehört die Katholizität von Beginn an zur innersten Identität des Hauses Habsburg - mit allen Errungenschaften, aber auch historischen Irrwegen, die einer engen Verwobenheit von Kirche und weltlicher Macht entspringen. In der Geschichtsschreibung werde das Haus Habsburg auch als "die katholische Großmacht" bezeichnet, die in den Blütezeiten ihrer Macht vielfach "auf die religiöse Karte" gesetzt habe, so Klieber im Gespräch mit "Kathpress". Die betonte Katholizität war daher stets zweierlei: Familienidentität und Politikum. Noch zur Zeit der Donaumonarchie Österreich-Ungarn sollte die besondere Förderung und Begünstigung der Kirchen und Religionsgemeinschaften die Loyalität zum Herrscherhaus sichern. Nicht zuletzt das heute bewährte Kooperationsmodell zwischen Staat und Kirche in Österreich basiere auf diesem habsburgischen Erbe, so Klieber.

 

Bis ins 19. Jahrhundert hinein sollte sich diese Allianz in Privilegierungen der Kirche in der Gesetzgebung, in der Verwaltung sowie in der offenen finanziellen Förderung kirchlicher Einrichtungen niederschlagen. Für einen "exzeptionellen Höhepunkt habsburgischer Kirchlichkeit über das Durchschnittsmaß hinaus" stand laut Klieber Kaiser Karl I. (1916-1918), der Vater von Otto von Habsburg, der 2004 seliggesprochen wurde.

 

Katholisches Selbstverständnis

Historische Tiefenbohrungen zeigen dabei laut Klieber eine von Beginn an enge Verwobenheit des Hauses Habsburg mit der Kirche. Die ersten historischen Zeugnisse zur Familie, die ihren Stammsitz im heutigen Schweizer Kanton Aargau hatte, betreffen Klostergründungen in der Schweiz und im Elsass im 11. Jahrhundert. In den Jahrhunderten des folgenden Aufstiegs des Hauses zu einer der größten europäischen Herrscherdynastien sei die Allianz mit der Kirche schließlich in reicher Symbolsprache zum Ausdruck gebracht worden - etwa in der Person Rudolfs IV. (der Stifter, 1339-1365), der für die Mitglieder der Familie den Titel "Erzherzog" kreierte und die Wiener Stephanskirche prachtvoll ausgestaltete, obwohl die Stadt noch kein Bischofssitz war.

 

Sinnesfreudige katholische Frömmigkeit

In ihrem Selbstverständnis betrachteten sich die habsburgischen Herrscher als Erben der spätantiken und karolingischen Kaisertradition stets als "advocatus ecclesiae", also als "Schutzherren der Kirche", so Klieber. In besonderer Weise verdichtete sich diese Allianz schließlich durch die Verbindung des Hauses mit Spanien am Ende des 15. Jahrhunderts. Nicht zuletzt durch die Habsburger stieg Spanien zur "Supermacht Europas" auf, die zugleich ein "ganz neues Modell des Katholizismus" ausprägte: Eine Art Symbiose aus mystischen, kämpferischen - Abwehr des Protestantismus und der Osmanen - und sinnesfreudigen Elementen. Dieses Modell sollte schließlich zum "Standard" der katholischen Frömmigkeit der Neuzeit werden - und damit zum "Gegenmodell den sehr viel nüchterneren Reformationskirchen", so Klieber.

 

Schattenseite dieser betonten Katholizität

Zugleich verweist Klieber damit auch auf die "Schattenseite dieser betonten Katholizität" der Habsburger: ihre anti-reformatorische Spitze führte zu etlichen europäischen "Religionskriegen" - etwa in den Niederlanden, im eigenen Reich, in Ungarn, bis hin zu erzwungenen Transmigrationen von Protestanten des Salzkammergutes nach Siebenbürgen noch unter Maria Theresia.

Kehrtwende durch Joseph II.
 

Die entscheidende Kehrtwende in der habsburgischen Religionspolitik stellte schließlich Joseph II. dar. Ungeachtet des bleibenden "katholischen Nimbus" des Monarchen begann er gezielt auch die anderen Religionsgemeinschaften - Protestanten, Orthodoxe, Juden - zu fördern, um sie zu "nützlichen" Gliedern des Staates zu machen. Das sollte laut Klieber auch das Programm des Kaiserstaates der Habsburger im 19. Jahrhundert bleiben.

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