Er ist Patriarch und Araber: Gregorios III. (Laham), griechisch-katholischer (melkitischer) Patriarch von Antiochien "und dem ganzen Orient". Der Patriarch residiert in Damaskus, was ist sein Eindruck von der Nahost-Synode im Vatikan?
Die melkitisch-katholische Kirche ist heute weltweit verbreitet. Vor allem in Nord- und Südamerika, aber auch in Australien gibt es große melkitische Gemeinden. Auch in Wien sind die Melkiten zuhause: Jeden Sonntag gibt es um 11.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Jakob im 19. Bezirk einen melkitischen Gottesdienst. Die Eucharistiefeier wird auf arabisch gehalten, immer wieder ertönt das Wort "Allah" (arabisch: Gott), was für manche "österreichische" Gottesdienstbesucher eine Überraschung ist. Gabriela M. Mihlig befragte für "Erzdiözese-Wien.at" den Patriarchen, der in den letzten Jahrzehnten immer wieder Wien besucht hat.
Frage: Wie haben Sie sich auf die Nahost-Synode vorbereitet?
Antwort: Die beiden Vorbereitungsdokumente, die "Lineamenta" und das "Instrumentum Laboris", waren sehr wichtig. Ich habe in der Zeit der Vorbereitung für die Synode zahlreiche Briefe an die Bischöfe und an die Ordensleute geschrieben und mich mit der arabischen Welt besonders befasst. Ich möchte erwähnen, dass ich der einzige Patriarch war, der im Sommer einen ausführlichen Brief an alle Staatschefs der arabischen Länder (Könige und Präsidenten) geschrieben hat, um sie zu informieren, worum es bei der Nahost-Synode geht.
Frage: Man sagt, Sie waren daran beteiligt, dass es zur Nahost-Synode kam?
Antwort: Es war mein Wunsch als melkitischer Patriarch von Antiochien, dass es eine Nahost-Synode gibt. Der Papst hat diese Bitte aufgenommen. Wir sind Papst Benedikt XVI. von Herzen dankbar, dass er sich für uns so viel Zeit genommen hat, um unsere Bitten und Anliegen anzuhören. Mit der Schlußbotschaft der Synode sind wir gestärkt und können zuversichtlich zurückkehren, um unseren Aufgaben als Patriarchen und Bischöfe in unseren Territorien nachzukommen. Dem Motto der Synode entsprechend sollen wir wahrlich "eines Herzens und eines Sinnes" sein, um unsere Gläubigen zu stärken.
Diese Synode war nicht einfach eine Synode im herkömmlichen Sinn, die nur für uns Katholiken abgehalten worden wäre! Sie war ein "Instrument", um als katholische Christen die Botschaft an die Orthodoxen, an die Protestanten, an die Muslime, an die Juden bringen zu können.
Unser Ziel war es, dass wir als Katholiken noch tiefer verstehen, wie wir zur Gemeinschaft mit allen Menschen in der Welt gehören: Wir haben ihre Probleme auch hierher zum Papst nach Rom mitgetragen, wir fühlen uns mit ihnen verbunden. Es war wohltuend, unseren Brüdern und Schwestern mitteilen zu können, dass diese Synode nicht gegen sie gerichtet war! Im Gegenteil ging es um die Zusammenarbeit, den Dialog . Wir empfinden uns als "Brückenbauer", um wirklich dem Frieden in unserem Bereich Raum zu geben.
Frage: Ging es auch die Glaubensstärkung?
Antwort: Das Ziel der Synode war es vor allem, den Glauben zu vertiefen. Unsere Leute sind Christen, doch sie brauchen eine Vertiefung im Glaubensunterricht und in der Glaubenspraxis. Weiters ist es uns wichtig, dass sich unsere Christen in der Kirche engagieren. Wie schon Johannes Paul II. sagte, gehört es zum Wesen des Menschen, dass er "mit und für" ist. Das bedeutet in unserem Kontext, dass die Christen mit den Muslimen und mit den Juden sind. Muslime und Juden wiederum sollen verstehen, dass wir ihre Anliegen hierher nach Rom im Gebet mitgenommen haben.
Wir Christen im Nahen Osten leben den Dialog jeden Tag in unserem alltäglichen Leben. Wir haben unsere menschlichen Erfahrungen im täglichen Gespräch, im Dialog mit ihnen, schon seit vielen Jahrhunderten. Diese Erfahrung ist auch für das Europa von heute sehr wichtig, wo doch viele Muslime in Europa leben und es dort leider viele Probleme gibt. All diese Schwierigkeiten haben wir mit Gottes Hilfe schon überstanden.
Frage: Was bleibt von der Nahost-Synode?
Antwort: Was ist wesentlich? Der Friede ist wesentlich und wichig! Hier müssen wir aktiv mitarbeiten, um den Frieden für den Nahen Osten auf eine höhere Ebene zu tragen. Ohne Frieden bleibt uns Christen nur die Emigration. Deshalb ist Friede ein "Muß - für den Papst, für die Patriarchen, für den Vatikan, für alle Bischöfe und Christgläubigen und für alle Menschen. Wir brauchen dringend den Frieden! Wenn wir keinen Frieden schaffen können, sind wir Opfer von Intoleranz, Gewalt, Fundamentalismus usw.
Frage: Auch die Einheit unter den Christen war ein zentrales Thema der Synode.
Antwort: Im Hinblick auf die Einheit ist es mir ein großes Anliegen, dass es zu einer Synode aller Patriarchen und Bischöfe des Nahen Ostens - unabhängig von der Konfession - kommt. Das wäre eine schöne Möglichkeit, um für das Anliegen der Einheit unter den Christen auch konkret etwas tun zu können. Wir vertrauen dieses Anliegen auch der Jungfrau Maria an. Wir müssen mit dem Papst zusammen stark sein im Glauben an Christus !
Die Nahost-Synode kann auch im deutschsprachigen Raum eine große Wirkung entfalten. Die Stiftung "Pro Oriente" möge dazu ihren wertvollen Beitrag leisten, um all die Themen, die wir in dieser Synode hier mit Papst Benedikt XVI. besprochen haben, nochmals zu reflektieren und sie zur Vertiefung im Glauben in den einzelnen Symposien zu verwenden.
Ich denke an dieser Stelle an die vielen Juden und Muslime, die in den europäischen Ländern deutscher Sprache leben, wie etwa Österreich, Schweiz und Deutschland. Ich bete und hoffe auch, dass diese Länder, die schon so viel Unterstützung und Hilfeleistung für den Nahen Osten in der Vergangenheit gegeben haben, auch weiterhin den Anliegen ihre Unterstützung schenken, die bei der Nahost-Synode besprochen wurden. An dieser Stelle erlaube ich mir, ein sehr herzliches "Grüß Gott!" an die Katholiken, besonders in den deutschsprachigen Ländern, zu übermitteln!