Weihbischof Stephan Turnovszky bat alle Pfarrgemeinderatsmitglieder des Nord-Vikariats bis Ende 2013 um das „Bibel-Teilen".
In der Pfarre Groß-Schweinbarth (Dekanat Mistelbach-Pirawarth) kamen am 28. Dezember die PGR-Mitglieder beim Pfarrer, Dechant Bernhard Messer, zusammen. Gelesen wurde die Bibelstelle aus dem Lukasevangelium, Kapitel 9, Verse 1 bis 6 (die Aussendung der Zwölf).
„Uns wurde klar, dass die Sendung der Apostel jeden auf seine Weise angeht und wir versuchen, unsere Sendung als einzelne oder als Pfarrgemeinderat zu entdecken“, berichtet Messer von den Erfahrungen der „Bibel-Teilenden“: „Kein Wanderstab, kein Geld, kein zweites Hemd ... Uns hindert als Ballast für die Verkündigung heute: Bequemlichkeit, Luxus, falsche Sprache, unser (vermeintliches) Unvermögen, Stress, Feigheit, zu den Menschen zu gehen, Sorge, nicht willkommen zu sein, die viele Energie, die wir in Feste und andere Aktivitäten investieren, ohne uns zu fragen, ob das alles wirklich der Verkündigung dient, die pfarrliche Gemütlichkeit eben, die uns zu einem abgeschlossenen Ganzen macht.“
Den Teilnehmenden ging auf, so Messer, „dass Kirche, wie die Apostel damals, in die Häuser gehen muss, dass wir uns nicht auf Kirchenbau und Pfarrzentrum beschränken dürfen“. Messer: „Ein bisserl schreckt uns auf, dass Jesus und die Apostel immer auf irgendeinem Weg sind. Die Apostel wandern auf Jesu Sendung hin von Dorf zu Dorf. Pfarrhöfe zu bauen und sich behaglich einzurichten: Davon finden wir im Evangelium nichts."
„Die Apostelgeschichte oder die Genesis sind jene Teile der Bibel, in denen ich immer wieder gerne lese“, sagt die stv. PGR-Vorsitzende Traude Unger: „Meine Lieblingsgestalten sind für mich ganz eindeutig Jesus und Maria.“ Das Bibel-Teilen in Groß-Schweinbarth sollte „nicht das einzige Mal in unserer Pfarre gewesen sein“. Es sei „ganz wichtig, auch innerhalb der Gruppe des Pfarrgemeinderates über die Bibel und unseren daraus resultierenden Glauben zu sprechen“, sagt Unger.
„Was ich öfters wahrnehme, sind die Termine der Bibelrunde in unserer Gemeinde, wo wir (ca. 10 Personen) gemeinsam einen Text aus der Bibel lesen und darüber sprechen“, sagt Erika Marko aus der Pfarre Groß-Schweinbarth: „Das ist für mich noch etwas mehr erfüllend als die Bibel allein zu lesen.“ Marko beeindruckt die biblische Gestalt des Johannes des Täufers. Das Bibel-Teilen hat ihr „sehr gefallen“. Marko: „Außerdem tat es zur Abwechslung gut, einmal mit dem PGR nicht nur über Termine und Arbeit zu reden, sondern auch über das ,Wesentliche‘, was die Kirche eigentlich ausmacht.“ Ihr gefiel auch, „dass jeder ganz andere Auslegungen“ zum Bibeltext beigesteuert hat.
„Bibel-Teilen“ gab es auch in der Pfarre Loidesthal (Dekant Zistersdorf): „Das Bibel-Teilen war eine neue Erfahrung, die zwar nicht ganz einfach war, aber eine gute Anregung, doch vielleicht öfter in der Bibel zu lesen und auch vielleicht etwas mutiger zu werden, auch mit anderen über den Glauben zu sprechen“, sagt PGR-Mitglied Karl Becher.
Stefan Kronthaler