„Abschied von der Pfarre? – Gegenwärtige Herausforderungen an eine „seit ewig“ gewohnte Form der Kirche“ heißt der Abend zur Orientierung für alle, die nach Leitbildern für angemessene Formen der Seelsorge in der Zukunft suchen, bei dem am 22. Jänner (ab 18 Uhr) im Wiener Don Bosco-Haus Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller Jagenteufel und der Wiener Pastoraltheologe Johann Pock sprechen werden.
„Papst Franziskus bescheinigt der Pfarre, ,keine hinfällige Struktur‘ zu sein, weil sie sich stets als enorm wandelbar erwiesen hat im Blick auf den Auftrag der Evangelisierung“, sagt Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller-Jagenteufel zum „Sonntag“: „Als Raum, in dem sich verschiedene Formen von Gemeinden und Gemeinschaften, Bewegungen und Einrichtungen vernetzen, um einander dabei zu unterstützen, missionarisch in der Welt zu wirken, hat die Pfarre auch bei uns zweifellos Zukunft und Bedeutung.“ Die Stärke einer Pfarre sei „die konkrete Verortung gläubigen Engagements. Doch egal in welcher Struktur: Entscheidend bleibt, dass Getaufte gemeinsam ihren Glauben leben und die Freude am Christsein anderen weitergeben. Der Diözesane Entwicklungsprozess APG 2.1 will genau das fördern.“
„Das Leben und Glauben in Gemeinschaft gehört von Anfang an zentral zum Christsein. Die Herausforderung heute sehe ich darin, das individuelle Glauben mit dem gemeinschaftlichen Glauben zu verbinden“, sagt der Pastoraltheologe Johann Pock im Gespräch mit dem „Sonntag“. Die Pfarre biete hier „einen niederschwelligen Zugang, der wichtig ist: Auch wenn ich nur ein Mal im Jahr zu einer Feier komme, gehöre ich dazu. Und sie stellt mit ihren Gemeinden, Gruppen und Gemeinschaften die Möglichkeit dar, auch bewusster als Christ zu leben."
Pock: „Die Problemfelder, die es zu diskutieren gilt, lauten: Was ist Identität und Aufgabe eines Priesters in dieser heutigen Zeit? Was können, dürfen und sollen alle Christen tun? Und wie können wir Räume schaffen, dass auch Gott selbst bei all unserer eigenen Aktivität zum Handeln kommen kann?“ Wenn das oberste Prinzip laute, das die pastoralen Strukturen dem „Heil der Seelen“ dienen sollen – „dann bedarf es immer wieder einer Überprüfung dieser Strukturen: Was und wer dient dem Mensch-Werden und Heil-Werden der Christen? Strukturen, Ämter, Pfarren – all das steht im Dienst des Evangeliums, im Dienst Christi, und zwar in unserer heutigen Lebenswelt und Zeit, und nicht gegen sie“, betont Pock.
Kronthaler