Donnerstag 8. Januar 2026
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Am Himmel „mitbauen“

(22.9.2013) Der dreifache Weg – zu Gott, zu den Mitmenschen und zu sich selbst. „Impulstage“ der Katholischen Frauenbewegung.

„Es liegt in der Natur des Menschen, einfühlsames Geben und Nehmen zu genießen. Irgendwann beschloss ich ein neues Lebensmotto: ,Ich will jetzt schon am Himmel mitbauen!‘ Jesus sagt ja, das Reich Gottes beginnt schon hier und jetzt“: Mit diesem Bekenntnis eröffnete die Pastoralassistentin und Familienberaterin Gertrude Stagl ihren Vortrag beim Impulstag der Katholischen Frauenbewegung (kfb) der Erzdiözese Wien am 14. September, der unter dem Motto „Einander begegnen“ stand.  


Die Pastoralassistentin präzisierte: „Es gibt einen dreifachen Beziehungssweg. Wir gehen ihn alle: den Weg zu sich selber, den Weg zu den Menschen und den Weg zu Gott“, was sich „mit dem dreifachen Liebesgebot – „den Herrn, deinen Gott, deinen Nächsten und dich selbst zu lieben“ – decke.


„Garten der Stille"

Der erste Weg  zum Personkern, in die innerste Tiefe, sei nach den Worten des Priesters und geistlichen Schriftstellers Henri Nouwen ein „Weg von der Einsamkeit in die innere Stille“.   „Es tut weh, sich dieser Einsamkeit zu stellen“, sagte Stagl, denn sie sei heutzutage eine der häufigsten Ursachen für menschliches Leid. „Gleichzeitig „wohnen dort der tiefste Personkern und unsere Kreativität und dieser tiefe Friede, des Sich-geliebt-Wissen“. Es liege an den Frauen, den Mut und den Glauben aufzubringen, in die „Wüste unserer Einsamkeit zu gehen und sie in behutsamer und beharrlicher Arbeit in einen Garten der Stille zu verwandeln“. In diesem „Garten der Stille“ können „wir dann aus unserer Mitte, aus der eigenen Persönlichkeit heraus leben und handeln“. Stagl: „In der Stille schaffen wir gewissermaßen den Raum in uns, wo Begegnung stattfinden kann. Wir brauchen als Menschen beides:  Stille – Alleinsein und Gemeinschaft. Alles Leben spielt sich in einer guten Spannung ab.“


Keine Fremden-Angst

Der zweite Weg sei jener  zu den  Mitmenschen. Anhand der biblischen  Begegnungen von Abraham mit den „drei Fremden“ in Mamre (Genesis 18, 1ff)  kläre Nouwen, was er mit Gastfreundschaft meint. Begegnung sei wiederum „einfühlsames Genießen von Geben und Nehmen“.  Andererseits sei es eine Realität des Menschen, dass alles Fremde, fremde Menschen  „recht gemischte Gefühle“ (Angst, Sorge)  bis Feindseligkeit hervorrufen.  
Stagl verwies auf „Werkzeuge, die helfen können, dabei Begegnungsräume zu eröffnen“.  Dazu gehörte u. a. das „Einander-verstehen-Lernen“, das schon der halbe Weg zur Lösung sei.


Gottes Wort hören

Der dritte Weg sei der Weg zu Gott, der Weg von der Illusion zum Gebet. Im Gebet gehe es darum, „einen Schritt zurückzutreten, die Perspektive Gottes hereinzulassen und alles, uns selber und die Menschen und Situationen und Probleme durch die Augen Gottes zu sehen versuchen, uns bewusst zu werden, dass Gott in und um uns ist“.
Gott sei „tiefster Hoffnungsgrund, auf dem wir stehen können“ – oder wie man oft sagt: „Tiefer als in Gottes Hände können wir nicht fallen“. In diesem Sinn sei Beten „keine Lebensversicherung, sondern ein alltäglicher Vertrauensakt“, sagte Stagl. Das Gebet will erlernt werden, „es ist eine Begegnung mit Gott, die kann ich nicht erzwingen“, unterstrich Stagl.  „Warten“ und „Hören“ seien die zwei Dimensionen. Es gehe darum, „das Wort Gottes in mein alltägliches Leben immer wieder zu übersetzen“. Die Familienberaterin schloss ihren Vortrag mit einem Satz von Nouwen: „Wenn wir die Illusion hinter uns lassen, wachsen wir hinüber in das Haus Gottes“ – was wieder den dreifachen Weg ergebe.


Patronin: Katharina

Die Diözesanvorsitzende der kfb, Melitta Toth, wies darauf hin, dass die kfb mit dem Zwei-Jahres-Thema „Einander begegnen“ bereit sei, „in die Dekanate und Pfarren zu kommen“. Toth: „Mit Katharina von Siena haben wir eine neue Patronin“. 2015, anlässlich „70 Jahre kfb“, sei eine Radwallfahrt geplant. Ebenso wurden die Frauen eingeladen, sich bei der österreichweiten Aktion „kfb-Gruppe trifft kfb-Gruppe“ zu engagieren. Nachdem die Mitarbeiterinnen-Schulung im Süd-Vikariat ein „Hit“ sei, werde diese auch im Nord-Vikariat angeboten.


Auf humorvolle Weise brachte die Clownin Gwendolin Grübel das „Einander begegnen“ am Nachmittag zum Ausdruck. In den Gesprächsgruppen erarbeiteten die verantwortlichen Frauen Förderliches und Hinderliches für gute Begegnungen. Getragen von der Ermutigung werden die Frauen die zahlreichen Erfahrungen und Anregungen in ihre Dekanate zurückbringen.   

 

Franz Vock

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