Im generalsanierten Priesterseminar in der Strudlhofgasse 7 leben Alumnen aus der Erzdiözese Wien, der Diözese Eisenstadt und der Diözese St. Pölten.
Was erwarten sich die drei verantwortlichen Bischöfe von der Zusammenführung der drei Priesterseminare (Erzdiözese Wien, Diözese Eisenstadt, Diözese St. Pölten)?
Tatzreiter: Auf diese Frage können nur die drei Bischöfe antworten, an die sie gerichtet ist. Die drei Regenten, die mit der Zusammenführung der diözesanen Priesterseminare befasst sind, haben die bischöfliche Entscheidung grundsätzlich befürwortet. Die Erfahrung zeigt: Eine numerisch größere Gemeinschaft unter einem Dach bietet mehr Möglichkeiten, die berechtigter Weise eine Qualitätssicherung und sogar eine Qualitätssteigerung in der Priesterausbildung erwarten lassen.
Wird es ein Seminar-Leitungsteam pro Diözese geben? Wie sieht die personelle Zusammensetzung aus?
Tatzreiter: Die Eigenständigkeit der drei Seminare und deren Zusammengehörigkeit erfordern in diesem ersten Jahr ein kollegiales Leitungstriumvirat. Wir drei Regenten bleiben die Leiter der uns jeweils anvertrauten Ausbildungsgemeinschaft.
In diesem Team trage ich als Wiener Regens neben meiner Tätigkeit als Pfarrer in Wien 21 zugleich die Letztverantwortung für das Haus in der Strudlhofgasse in Wien 9. Ich bin daher dankbar, in meinem Dienst von Subregens Markus Muth, den Begleitpfarrern und vielen Mitarbeitern tatkräftig unterstützt zu werden. Auch die beiden Spirituale P. Peter Paul Gangl SJ (Wien) und Peter Miscik (Eisenstadt/St. Pölten) gehören zum Ausbildungsteam. Wie es mit dieser bewährten Konstellation im kommenden Arbeitsjahr 2013/14 weitergeht, werden die drei Bischöfe wohl bald zu beraten und zu entscheiden haben.
Wie viele Alumnen werden ab Oktober in der Strudlhofgasse 7 leben?
Tatzreiter: Insgesamt gehören 51 Seminaristen dem Haus an, wobei 33 davon im Priesterseminar ihren Lebensschwerpunkt haben.
In insgesamt 5 Wohngruppen bereiten sich derzeit hausintern 20 Wiener, 7 Eisenstädter und 6 St. Pöltner auf den priesterlichen Dienst vor. Die anderen 18 Seminaristen sind als Externe, Praktikanten oder Diakone dem Ausbildungsweg des Hauses in unterschiedlicher Weise verbunden.
Die nach-tridentinische Seminarerziehung war damals ein Kompetenzschub in der Ausbildung. Wie wäre solch ein Professionalisierungsschub heute zu wiederholen?
Tatzreiter: Jede Zeit hat ihre eigene, unverwechselbare Herausforderung, auch in der Priesterausbildung. Heute ist es geboten, die einzelnen Vollzüge in den vier Feldern von menschlicher Reifung, geistlicher Formung, wissenschaftlicher Ausbildung und pastoraler Befähigung differenzierter auf die jeweilige Biographie des Seminaristen anzuwenden als früher.
Individualität darf dabei nicht mit Individualismus verwechselt werden. Die Stärkung der menschlichen und kirchlichen Zusammengehörigkeit, sowie der Fähigkeit zur Zusammenarbeit gehören zu unseren Ausbildungsschwerpunkten. Wir versuchen, damit nicht nur die geltenden kirchlichen Vorgaben zu erfüllen, sondern die künftigen Priester auch auf die angekündigten Strukturveränderungen vorzubereiten.
Sorgen sich die Pfarren genug um die Alumnen? Was wünscht sich der Regens von den Pfarren?
Tatzreiter: Jene Pfarren, die mit Seminaristen der Herkunft oder dem Ausbildungsweg nach verbunden sind, können wichtige Lernorte und Schulen der erfahrenen Glaubensgemeinschaft Christi und der Einübung in den priesterlichen Dienst sein.
Seminaristen spüren aber bisweilen gerade aus den eigenen kirchlichen Reihen einen Rechtfertigungsdruck und Skepsis gegenüber ihrer Entscheidung. Ich wünsche mir als Regens vor allem gute, lebendige Beispiele priesterlichen Lebens, in den Pfarren ein Klima des klaren Wohlwollens und der Ermutigung zu diesem erfüllenden Dienst an der kirchlichen Gemeinschaft und an der Welt.
Interview: Stefan Kronthaler