Dienstag 24. Februar 2026
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Enttäuschte Hoffnung

(16.11.2011) Die Hoffnungen der koptischen Bürger auf Menschenrechte hat sich nicht erfüllt.

Nach den blutigen Unruhen in Kairo am vergangenen Sonntag haben Vertreter der koptischen Christen den ägyptischen Sicherheitskräften die Schuld am Tod von mehreren Dutzend Menschen gegeben. Wie zwei koptische Teilnehmer der Demonstration, Pfarrer Daoud und Talaat Youssef, erklärten, habe die Armee scharf zu schießen begonnen, als der Zug der Teilnehmer vor dem Sitz der TV-Gebäudes angelangt sei. Radpanzer hätten sich in Bewegung gesetzt und fünf Demonstranten überfahren.


Begonnen hatten die Ereignisse mit einer friedlichen Versammlung von mehreren tausend Kopten. Sie wollten vor dem Gebäude des staatlichen Fernsehens dagegen protestieren, dass radikale Muslime vor eineinhalb Wochen eine koptische Kirche in der Provinz Assuan teilweise zerstört hatten. Die Kopten fühlen sich von der gegenwärtigen Militärregierung nicht ausreichend vor radikalen Muslime geschützt, und sie üben Kritik an der fragwürdigen Rolle des Staatsfernsehens. Die Situation eskalierte.

Extrem gewalttätig

Die Diskriminierung der Kopten zieht sich wie ein „Krebsschaden“ durch die ägyptische Gesellschaft, die Hoffnungen der ägyptischen Revolution auf Freiheit und Menschenrechte haben sich bisher kaum erfüllt, ist der deutsche Menschenrechtsexperte Martin Lessenthin überzeugt. Lessenthin ist Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGfM). Die Vorgehensweise des Militärs habe sich gegenüber der Mubarak-Ära wenig verändert. Neu sei, dass in dem derzeitigen Schwebezustand neben den fundamentalistischen Muslimbrüdern auch extremistische Islamisten, die Salafisten, immer populärer würden. Bei ihnen bleibe es häufig nicht bei Protesten auf Plakaten und Demonstrationen vor Kirchen. Sie seien extrem gewalttätig.

Minderheiten schützen

Die Lage in Ägypten war auch Thema der EU-Außenminister bei ihrem Treffen in Luxemburg. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton betonte, das Recht auf freie Religionsausübung und Meinungsfreiheit gehörten zu den absolut grundlegenden Werten der EU. Die EU erwarte, dass Ägypten Menschen jeder Glaubensrichtung schütze und die Wahlen in einer Weise vorbereite, die niemanden ausschließe. Dies habe sie der Führung des Landes auch mehrfach mitgeteilt, so Ashton. Auch der österreichische Außenminister Michael Spindel-egger betonte, dass das Ausmaß der Gewalt „erschreckend und zutiefst beunruhigend“ sei.  Es müsse alles getan werden, um religiöse Minderheiten gegen Übergriffe und Gewalt zu schützen.

Vernichtender Schlag

„Es wird deutlich, dass man noch lange nicht von einem Frühling auch für die Kopten sprechen kann“, betont Kardinal Christoph Schönborn in einem Schreiben an Bischof Gabriel von der Koptisch-Orthodoxen Kirche in Österreich, wenn es auch als Zeichen der Hoffnung gelten könne, dass am Sonntag auch Muslime gemeinsam mit Christen demonstriert und gelitten haben: „Die Christen Ägyptens brauchen die Unterstützung nicht nur der Christen in aller Welt, sondern aller Menschen, die sich dem Prinzip der Religionsfreiheit verpflichtet fühlen.“


Der Präsident der ökumenischen Stiftung „Pro Oriente“, Hans Marte, bezeichnete die Ereignisse als einen „vernichtenden Schlag gegen die Hoffnungen, die die koptischen Bürger Ägyptens mit der Zeit nach den revolutionären Ereignissen verbunden haben“.     

kap/ aha

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