Samstag 10. Januar 2026
Artikel aus dem Archiv

"Degasperis Begabung war Gottesgeschenk"

(29.07.2011) Degasperis Schaffen zeige in vielfacher Art und Weise, dass der Grafiker und Maler seine Begabung zugleich als "Auftrag und Sendung" verstand, so Weihbischof Krätzl.

Weihbischof Helmut Krätzl hat den am 17. Juli verstorbenen katholischen Künstler Ernst Degasperi als einen Menschen gewürdigt, "der seine vielfältigen Begabungen aus dem Glauben heraus als ein Geschenk Gottes angesehen hat und sie zu einer bewundernswerten Höchstentfaltung brachte". Weihbischof Krätzl stand am Freitag, 29. Juli 2011, dem Requiem für den im 85. Lebensjahr Verstorbenen in der Karl-Borromäus-Kirche auf dem Wiener Zentralfriedhof vor.

Berufungserlebnis

Degasperis Schaffen zeige in vielfacher Art und Weise, dass der aus Südtirol stammende und in Wien lebende Grafiker und Maler dieses Geschenk Gottes zugleich als "Auftrag und Sendung" verstand, so Weihbischof Krätzl. Er erinnerte an ein einschneidendes Erlebnis Degasperis 1963 bei einem Wüstenaufenthalt im Heiligen Land: "Dort hatte er wohl so etwas wie ein Berufungserlebnis, die wunderbaren Bibeltexte den Menschen visuell vor Augen zu stellen." In 30 Zyklen und insgesamt mehr als 600 Bildern habe der Künstler "die Heilige Schrift für das Auge lebendig" gemacht. Dabei habe er immer die gemeinsame Wurzel der drei großen abrahamitischen Religionen vor Augen gehabt, für deren Versöhnung er jahrzehntelang eintrat.

 

Programm seines Schaffens

Degasperis Bemühen um Brückenschläge zeigten sich für Weihbischof Krätzl darin, dass er seine Ausstellungen in der ganzen Welt immer persönlich begleitete, "weil er damit bezeugen wollte, was er dargestellt hat, vor allem aber, um das Gespräch zu suchen". Es sei Degasperi nicht um eine "verharmlosende Toleranz" zwischen Juden, Christen und Muslimen gegangen, sondern um das "Bewusstsein, dass sie gemeinsam mit ihrem Zeugnis für denselben Gott, den sie ja verehren, einer immer gottferneren Welt diesen Gott verkünden". Degasperi habe auch zeigen wollen, dass ein Frieden in der Welt den Frieden zwischen den Weltreligionen voraussetzt. 1979 habe der Verstorbene 30 Federzeichnungen zur Bergpredigt mit den acht Seligkeiten geschaffen - als "Programm seines Schaffens", wie Weihbischof Krätzl anmerkte. Degasperis persönliche Frömmigkeit habe an die Menschen mit dem reinen Herzen denken lassen, die Jesus seligpries.

Degasperi wurde im Kreise seiner Familie und im Beisein zahlreicher Anteilnehmender aus Kirche, Kultur und öffentlichem Leben zu Grabe getragen. Am Montag, 1. August, findet um 17.00 Uhr im Gedenken an den großen Künstler ein Requiem in der Wiener Innenstadtkirche Maria am Gestade statt.

 

Vom Feinmechaniker zum Diplomgrafiker

Degasperi wurde am 7. Mai 1927 in Meran geboren. 1942 kam er nach Wien und machte zunächst eine Ausbildung zum Feinmechaniker. 1944 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Später studierte er an der Akademie für Angewandte Kunst. Seit 1952 war er selbstständig als Diplomgrafiker tätig.

Werke Degasperis befinden sich heute im Besitz der Vatikanischen Museen, der Graphischen Sammlung Albertina in Wien, des Israel Museum in Jerusalem, der Jagiellonischen Universitätsbibliothek in Krakau, des Museums für Religionsgeschichte in Lwiw (Lemberg) und des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst in Wien. Sammlungen befinden sich außerdem in mehreren Kathedralen und Kirchen.

Gottesdienste
Finden Sie Gottesdienste in Ihrer Umgebung
ERZDIÖZESE WIEN
Wollzeile 2
1010 Wien
Tel.: +43 1 51552 - 0

anliegen@edw.or.at

Impressum
Datenschutzerklärung
Barrierefreiheitserklärung
Cookie-Einstellungen
https://www.erzdioezese-wien.at/
Darstellung: Desktop - Mobil