Donnerstag 15. Januar 2026
Artikel aus dem Archiv

Epiphanie, Dreikönig oder Weihnachten

(05.01.2011) Am 6. Jänner feiert die Kirche das Hochfest Erscheinung des Herrn. Für ein Viertel der Christen Wiens allerdings beginnt an diesem Tag Weihnachten.

Epiphanie bedeutet Erscheinung, gemeint ist die Erscheinung oder Offenbarung Gottes in Jesus Christus. Erkannt haben dies zuerst, so überliefert das Matthäusevangelium, die Weisen aus dem Morgenland, die später die Heiligen Drei Könige genannt werden: Sie "sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar", so heißt es im Evangelium vom 6. Jänner. Der Gottesdienst bildet traditionellerweise auch den Abschluss der Sternsingeraktion der Katholischen Jungschar - die Buben und Mädchen, die seit Tagen in den Pfarren unterwegs sind, nehmen am Gottesdienst teil. Im Stephansdom wird Kardinal Christoph Schönborn das Pontifikalamt zum Hochfest Erscheinung des Herrn leiten (Beginn 10.15 Uhr).

 

Geburt und Taufe Jesu

Das Fest Epiphanie war in älterer Zeit das Geburtfest Christi, denn die Menschwerdung Gottes ist die eigentliche "Erscheinung Gottes". So feierte man im Heiligen Land am 6. Jänner die Geburt Jesu mit einem Nachtgottesdienst in Bethlehem und einer Prozession von dort nach Jerusalem. Das änderte sich erst als im 4. Jahrhundert von der westlichen Kirche ausgehend der 25. Dezember der Weihnachtstag wurde.

 

Im Westen wurde dann der 6. Jänner immer mehr zum Dreikönigstag, in der östlichen Kirchen dagegen wird ein anderes Motiv wichtiger: die Taufe Jesu. Denn auch die biblischen Erzählungen von der Taufe haben den Charakter der Epiphanie: Der Geist Gottes steigt auf Jesus herab und eine himmlische Stimme offenbart ihm "Du bist mein geliebter Sohn".

 

Orthodoxe Wasserweihe am Donaukanal

So gedenken am 6. Jänner auch die orthodoxen Christen in Wien besonders der Taufe des Herrn. Höhepunkt des Festes ist die Große Wasserweihe am Donaukanal. Nach der feierlichen orthodoxen Liturgie in der griechischen Kathedrale am Fleischmarkt geht die griechisch-orthodoxe Gemeinde zusammen mit Metropolit Michael Staikos sowie Gläubigen der rumänisch-orthodoxen Kirche zum Schwedenplatz. Von der Schwedenbrücke aus taucht der Metropolit drei Mal ein Kreuz ins Wasser. Die Wasserweihe ist eine der eindrucksvollsten Feiern der orthodoxen Kirche, sie erinnert nicht nur an die Taufe Jesu im Jordan, sondern gilt als symbolische Weihe der gesamten Natur und Schöpfung. Zugleich wird damit an die Verpflichtung jedes Christen erinnert, sich für den Schutz der Umwelt einzusetzen.

 

In der westlichen Kirche wird übrigens am Sonntag nach Epiphanie das Fest der Taufe des Herrn begangen.

 

Wenn am 6. Jänner Weihnachten beginnt

Warum viele Christen am 6. Jänner weder Dreikönige noch Taufe des Herrn, sondern das Geburtsfest Jesu feiern, hat mit der Kalenderreform von Papst Gregor XIII. zu tun, die einige orthodoxe Patriarchate nicht mitgemacht haben. Sie orientieren sich am Julianischen Kalender und feiern am 6. Jänner den Heiligen Abend, am 7. Jänner den Christtag. In Wien sind das rund ein Viertel der etwas mehr als eine Million Christen: In der russisch-orthodoxen Nikolauskathedrale im 3. Bezirk beginnt das Weihnachtsfest mit der "Nachtwache des Heiligen Abends" am Donnerstagnachmittag. Dazu werden viele Touristen aus Russland und den anderen GUS-Staaten erwartet. Die serbisch-orthodoxen Christen feiern in der im Jahr 2002 geweihten Auferstehungskirche in Wien-Leopoldstadt.

 

Auch für die armenisch-apostolische, die äthiopisch-orthodoxe, die koptische und die syrisch-orthodoxe Kirche - sie stellen in Wien große Gemeinden mit jeweils mehreren Tausend Mitgliedern - beginnt am Donnerstag Weihnachten.

 

Die etwa 3.000 Kopten von Wien feiern mit dem in Wien residierenden Mitteleuropa-Bischof Gabriel eine Mitternachtsmesse in der Kirche der Heiligen Jungfrau Maria von Zeitoun in Wien-Donaustadt.

Gottesdienste
Finden Sie Gottesdienste in Ihrer Umgebung
ERZDIÖZESE WIEN
Wollzeile 2
1010 Wien
Tel.: +43 1 51552 - 0

anliegen@edw.or.at

Impressum
Datenschutzerklärung
Barrierefreiheitserklärung
Cookie-Einstellungen
https://www.erzdioezese-wien.at/
Darstellung: Desktop - Mobil