Er ist eine Erfolgsgeschichte, der „Oma-Dienst“, der 1973 vom Katholischen Familienverband der Erzdiözese Wien ins Leben gerufen wurde. „Er vermittelt zwischen älteren Frauen und jungen Müttern und Vätern, die jemanden zur zeitweiligen Kinderbetreuung suchen – etwa wenn ihre Arbeitszeit mit den Abholzeiten von Schule oder Kindergarten nicht vereinbar ist“, sagt die Vorsitzende des Katholischen Familienverbandes, Mechthild Lang.
Zwischen 250 und 300 Omas können vermittelt werden. Der „Oma-Dienst“ ist dabei bemüht, Familien und Omas zusammenzuführen, die gut zueinander passen, so dass ein dauerhafter Familienanschluss hergestellt wird. So kommt es durchaus auch vor, dass die „Omas“ mit den Familien gemeinsam auf Urlaub fahren. Der Oma-Dienst ist nicht auf finanziellen Gewinn ausgerichtet. Lang: „Dem Familienverband geht es vielmehr um menschlichen Gewinn für Familien und Senioren.“ Jährlich melden sich rund 1.000 Familien, die Hilfe suchen.
„Der Oma-Dienst ist auf dem Sektor der Kinderbetreuung die sicher familienähnlichste Betreuungsform und schlägt Brücken zwischen den Generationen“, sagt die Leiterin des „Oma-Dienstes“, Andrea Beer. Der Oma-Dienst hat in den Bundesländern und auch bereits im Nachbarland Tschechien mit dem „Familienzentrum und Zentrum für Sozialdienst“ in Brünn bereits Nachahmer gefunden.
„Die Vermittlung sollte auf Dauer sein und ist nicht für eine einmalige Beaufsichtigung gedacht. Angestrebt wird die regelmäßige Betreuung der Kinder einer Familie (mindestens einmal pro Woche), um möglichst gutes Kennenlernen und großes gegenseitiges Vertrauen zu gewährleisten“, sagt die langjährige Leiterin des „Oma-Dienstes“, Elisabeth Prantl. „Unsere Omas leisten Hervorragendes“, unterstreicht sie. Wenn Omas und Familie – unterschiedlichster Gesellschaftsschichten – gute Bekanntschaft geschlossen haben, wird seitens des Familienverbandes angestrebt, auch Ausnahme- oder Notfälle bewältigen zu können.
„Manchmal reden die Kinder mehr mit mir als mit den Eltern“, erzählt Erika K. aus der Wiener Pfarre Ober-St. Veit, die seit mehr als 20 Jahren beim „Oma-Dienst“ des Katholischen Familienverbandes der Erzdiözese Wien dabei ist, dem „Sonntag“. Sie arbeitete bis zu ihrer Pensionierung im Bundesdienst, und nach der Pension wollte sie „weiter aktiv sein und etwas tun“. Schon bei ihren drei eigenen Kindern und den zwei Enkelkindern konnte sie ihre Liebe zu Kindern zur Geltung bringen. Beim „Oma-Dienst“ erlebt sie „eine irrsinnige Dankbarkeit“ seitens der Kinder und Eltern. „Es ist eine erfüllte Tätigkeit“, sagt sie: „Man gibt und man bekommt viel Energie.“ Zwischen zehn und 15 Stunden in der Woche ist Erika K. beim „Oma-Dienst“ tätig.
Nicht alltägliche Erfahrungen macht Eva Lukaschek mit den ihr anvertrauten Kindern beim „Oma-Dienst“. „Bei mir sind die Kinder immer so brav“, erzählt die ausgebildete Kindergärtnerin und Uhrmacherin aus der Wiener Pfarre St. Leopold (Wien 2). Seit 16 Jahren ist sie beim „Oma-Dienst“, seit 27 Jahren betreut sie Kinder. Lukaschek hat selbst ein Kind und zwei Enkel. „Die Beschäftigung mit Kindern“ ist ihr sehr wichtig, sie „arbeitet gern mit Kindern“. Manchmal hat sie sechs Stunden Dienst in der Woche, manche Wochen auch jeden Tag. Sie tut ihren Dienst „mit Herz“, denn: „Man kann auch im Alter von den Kindern viel lernen.“
Maria Salzmann ist seit Februar 1998 beim „Oma-Dienst“ engagiert. Als alleinerziehende Mutter von drei Kindern kannte sie „die Problematik aus sehr persönlicher Sicht“ und wusste, „wie wichtig es ist, einen erstklassigen und vertrauenswürdigen Menschen für die liebevolle, aber auch konsequente Betreuung meiner Kinder zu finden“. Salzmann hatte „zwei Mal das Glück, ein neugeborenes Mädchen von der dritten Lebenswoche an bis zum Kindergarten betreuen zu dürfen, da in beiden Fällen die Mütter selbständige Unternehmerinnen waren“. Sie selbst hat 4 Kinder, von denen das Jüngste kurz nach der Geburt gestorben ist, und vier Enkelsöhne. Ihre „Leih-Oma-Kinder“ sind für sie „wie meine eigenen Enkelkinder und die Beziehung zu den Müttern ist ausnahmslos gut“. „Ich brauche keinen Psychiater, weil die Kinder mir das Leben zeigen“, sagt Salzmann. Und: „Es ist so schön, gebraucht zu werden“, betont sie: „Als Oma im Oma-Dienst erlebt man alles, was zu einem erfüllten Leben gehört.“
Stefan Kronthaler