Thursday 30. June 2016

Von der sozialistischen Ideologie der DDR zum gelebten Katholizismus einer obersteirischen Landgemeinde

Im Jahr des Glaubens präsentiert die Erzdiözese Wien Geschichten "Wie ich zum Glauben kam", so auch Nadja Bachheimer.


Geboren und aufgewachsen ist Nadja Bachheimer (41) in Ostberlin, seit etwa zehn Jahren lebt sie in Wien. Sie arbeitet in der Marketingabteilung eines Beratungsunternehmens und ist seit kurzem mit einem Österreicher verheiratet. Jetzt will sie sich taufen lassen. Es war ein langer Weg, erzählt sie, er führte sie von der sozialistischen Ideologie der DDR zum gelebten Katholizismus in einer obersteirischen Landgemeinde, der Heimatgemeinde ihres Ehemannes.

 

"Ich bin im Sozialismus aufgewachsen. Meine Eltern waren in diesem System sehr verhaftet, sie sind zwar katholisch getauft, haben sich aber in ihrer Jugend vom Glauben verabschiedet und dem Sozialismus als 'Pseudoreligion' zugewandt. Ich habe in meiner Erziehung überhaupt keinen Zugang zum Glauben gehabt. Es hieß immer, der Sozialismus schaffe ein neues Menschenbild, wir hätten den Glauben überwunden. Der Glaube sei etwas Irrationales und hindere den Menschen an der Entfaltung, denn wer glaubt, schiebe die Verantwortung von sich auf ein höheres Wesen."

 

In der Schule gab es regelmäßig Appelle im Schulhof, Arbeiterkampflieder wurden gesungen, alles lief nach einem bestimmten Schema ab, aber Gott schien nicht zu fehlen, erzählt Nadja Bachheimer: "Nein, es gab für alles eine Erklärung - die Natur oder Darwin. Es war kein Vakuum, sondern es war einfach antichristlich."

 

In der Pubertät hat sie sich von der sozialistischen Ideologie zunehmend entfernt, und der Fall der Berliner Mauer 1989 war für sie der Auslöser ihre Ausbildung - eine Lehre in einer wichtigen Bank der DDR - abzubrechen. Sie schloss die Schule ab, ging nach Schottland zum Studieren und arbeitete in verschiedenen deutschen Städten. Aber Gott, Glaube oder gar die Kirche spielten weiterhin keine besondere Rolle in ihrem Leben. 2004 kam sie nach Wien. "Und da war es für mich erstmals spürbar - 'das mit dem Katholizismus' - vor allem in den Begegnungen mit den Menschen. Es hat sich immer mehr in meine Gedanken eingeschlichen, still und leise."

 

Immer wieder schaute Nadja Bachheimer gerne in eine der alten Kirchen hinein: "Es ist für mich ein Gefühl der Stille und der Erhabenheit, man merkt, da ist etwas, das größer ist als der Mensch."

Entscheidend für Nadja Bachheimers Weg zur Taufe war die Begegnung mit ihrem jetzigen Ehemann Thomas, mit seiner Familie und dem Leben in seiner Heimatgemeinde im obersteirischen Neuberg an der Mürz. "Es gibt dort eine gigantische Kirche. Es ist eine überschaubare Gemeinde, wo man sich kennt, wo man sich am Sonntag und zu den Festen in der Kirche trifft - da wird der Glaube wirklich gelebt, er ist Teil des Alltags."

 

"Der eigentliche Anstoß zur Taufe war meine Heirat", erzählt sie: "Wir haben gesagt, das soll schon katholisch sein." Im September letzten Jahres haben Nadja und Thomas im Neuberger Münster geheiratet, die Taufe - der ja im Erwachsenenalter eine längere Vorbereitungszeit vorausgeht - wird sie in der Osternacht in der Wiener Pfarre St. Johann Nepomuk empfangen.

 

Ein klassisches "Bekehrungserlebnis", das sie zur Taufe bewogen hat, gab es für Nadja Bachheimer nicht: "Es war ein Prozess, ein längerer Weg", sagt sie, auf dem sich vor allem im Vergleich zur Jugend in der DDR so manches verändert hat: "Was sich geändert hat, ist die Einstellung zum ungeborenen Leben. In Ostdeutschland war es so, dass sehr schnell abgetrieben wurde. Ich habe mich da sehr weit entfernt von einer lebensverachtenden Einstellung, die sagt 'Mein Körper gehört mir', hin zum absoluten Schutz des ungeborenen Lebens, also zu der Einstellung, dass das Leben ein Geschenk Gottes ist, egal unter welchen Umständen.

 

Der Glauben ist für Nadja Bachheimer einerseits eine sehr persönliche Sache. "Ich bin ein zurückhaltender Mensch und möchte das zwischen mir und Gott ausmachen", sagt sie. Andererseits ist auch die Gemeinschaft wichtig, etwa wenn sie mit ihrem Mann am Wochenende in die Steiermark fährt und dort zur Messe geht.

 

Für die Zukunft hofft Nadja Bachheimer, dass sie durch den Glauben auch Stärkung erfährt, "in Situationen, wenn es einmal nicht so gut geht".

 

Glaube hat für Nadja Bachheimer auch ganz stark mit Nächstenliebe zu tun. "Das bedeutet für mich, dass man sich selbst und seine Befindlichkeiten ein bisschen zurücknimmt, und dass man an den anderen denkt - nicht nur irgendwie abstrakt nach dem Motto 'In Afrika hungern die Kinder', sondern einfach die Menschen uns herum sieht und auf sie zugeht."

erstellt von: Stefanie Jeller

"Ich habe in meiner Erziehung überhaupt keinen Zugang zum Glauben gehabt. Es hieß immer, der Sozialismus schaffe ein neues Menschenbild, wir hätten den Glauben überwunden", so Nadja Bachheimer.

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