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13.05.2021 · Glaube

Petrus Canisius - leidenschaftlich und glaubwürdig

Petrus Canisius würde uns sagen: Werde mit Christus vertraut. Dann ist Er deine Kraft, wird ER durch dich wirksam!

Predigt von P. Josef Maureder beim Gottesdienst zum Gedenken an den 500. Geburtstag des Hl. Petrus Canisius im Stephansdom am 10. Mai 2021.

Hätten wir das Jahr 1554 und wäre Petrus Canisius hier Prediger, dann hätten Sie schon an der Pforte des Doms seine Leibwache gesehen. König Ferdinand tat gut daran, ihn vor Angriffen mancher Reformatoren und aus internen Kreisen zu schützen. Heute braucht es keine Leibwache mehr. So könnte Petrus Canisius erfreut sagen: da hat sich in den letzten 470 Jahren in der Diözese und zwischen den Konfessionen doch etwas zum Besseren gewandelt.

 

In den Wirren der Zeit Glaube und Kirche erneuern!

Die Not der Menschen zur Zeit des Canisius ist groß: Türkeneinfälle, Ausbeutung durch Landesfürsten, Bauernkriege, Pest. Die kirchliche Situation erschreckend: Papsttum und Kleriker verweltlicht. Macht, Besitz, wenig Bildung. Viele Klöster stehen leer. Das Volk allein gelassen, im Aberglauben, sittlich im Verfall. 1552, als Canisius hier ankommt, ist in Wien die Reformation weit fortgeschritten. Die junge Diözese mit schlechter Ausstattung: 14 Pfarren, nur drei besetzt.

 

Priesterberufungen gibt es schon seit 20 Jahren nicht mehr. Und die Universität am Boden, vor allem die Theologie. In der Diözese Wien arbeitet P.C. knapp vier Jahre. Er gibt Vorlesungen an der Universität, ist Rektor des Jesuitenkollegs, Seelsorger, Prediger, kümmert sich um Vorgänge in der Diözese. Ein Jahr lang wird er Bistumsadministrator als Kompromiss, weil er es im Sinn des Ordens abgelehnt hatte, Bischof zu werden. Petrus Canisius will den Seelen helfen, Menschen Brücken bauen zu Gott. Dafür wurde der Orden gegründet, nicht um die Katholische Kirche zu retten, wie heute noch Historiker fälschlich behaupten. Canisius reist 60.000 Kilometer, meist zu Fuß. Eine große Missionarische Leidenschaft, so wie sie Paulus seinem Schüler Timotheus wünscht: „Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht…“ Allmählich spricht es sich im Volk herum, dass da ein Priester so leidenschaftlich und glaubwürdig ist – und das bei einem Katholiken! Auch das macht die große Wirkung seiner Seelsorge und Predigt aus!

 

Während der Jahre in Wien gibt es zwei große pastorale Wendepunkte: Als er das Wiener Kolleg gründet, der Schlüssel für die Rekatholisierung Österreichs und weit darüber hinaus. Er lehrt die Jugend, vermittelt Bildung, vermittelt religiöse Haltungen im Sprachunterricht, weckt Freude an der Hl. Schrift. So wächst Glaube von unten, erfasst das Volk an der Wurzel. Thomas Prügel, Kirchenhistoriker hier am Ort, nennt es zurecht „Graswurzelarbeit“. Die zweite Wende: Als er den Katechismus verfasst. In praktisch allen Schulen, in vielen Ländern Europas werden über drei Jahrhunderte seine drei Katechismen benützt. Belustigt oder besorgt meinten Zeitgenossen: „Überall Papier gewordene Jesuiten“. Das alles bringt Petrus Canisius große Wertschätzung, bei manchen aber erbitterten Widerstand: Für deinige Reformatoren ist er der Erzfeind, obwohl er zu vermitteln versucht. Für sie und manch Kircheninterne, die ihr Leben nicht ändern wollen, ist er eine Art „Geheimwaffe Roms“. Schade: er konnte sich nicht von Hexenvorstellungen und Dämonenglauben seinerZeit befreien.

 

Kraft aus der Vertrautheit mit Christus…

Woher kommt die Kraft für sein enormes apostolisches Wirken? Petrus Canisius würde ziemlich sicher selbst mit seinen 30tägigen Exerzitien 1543 beginnen. Peter Faber begleitet ihn. Rechtsgelehrter will er werden, vielleicht auch Kartäuser. Die Exerzitien stellen sein Leben auf den Kopf. In einem Brief an einen Freund schreibt er unmittelbar danach:

„Die Geistlichen Übungen haben meine Seele ganz umgestaltet… Eine neue Kraft lebt in mir… So kann ich sagen, dass ich ein ganz neuer Mensch geworden bin.“

Wenig später, mit 22, schließt er sich dem neu gegründeten Orden der Gesellschaft Jesu an. Es ist „unser Herr und Heiland Jesus Christus“, mit dem er sich zutiefst verbunden fühlt. Kein intellektueller Glaube, sondern eine emotionale Beziehung zu Christus. Sie findet bei Canisius in einer Herz-Jesu-Verehrung ihren Ausdruck. Und sie zeigt sich in einem vertrauten Umgang mit der Hl. Schrift, in der täglichen Betrachtung des Lebens und der Botschaft Jesu. Diese persönliche Liebe zu Christus ist wohl das tiefste Geheimnis seiner Persönlichkeit und seiner Wirksamkeit. In einer seiner Schriften lesen wir:

„Ich vertraue auf Gott, meinen Herrn, der mir alles zum Besten schickt.“

Wir werden mit Gott vertraut. Dann kennen wir den Herrn und er kennt uns. Das ist der entscheidende Hinweis im Evangelium zum Fest. Jesus wiederholt ihn später im Gleichnis von den klugen und von den törichten Jungfrauen. „Herr, Herr“, zu sagen und doch die eigenen Wege zu gehen, das reicht nicht. Wir sollen IHN kennenlernen, mit IHM vertraut werden. Denn nur so tun wir dann auch, was ER möchte. Dann steht unser Leben auf festem Fundament. Das ist das Öl für die Lampe unseres Herzens, das niemand anderer mit uns teilen oder für uns besorgen kann. Petrus Canisius würde uns sagen: Werde mit Christus vertraut. Dann ist Er deine Kraft, wird ER durch dich wirksam!

 

Der Generalobere der Jesuiten Adolfo Nicholas hat dem Orden einen nicht publizierten Brief hinterlassen. Darin merkt er eine aktuelle Problematik an. In Orden und Kirche gibt es so viel Getriebe und Ablenkung. Es braucht Rückkehr zum Wesentlichen, Tiefgang, vor allem bei denen, die verkündigen. Ganz im Sinn von Petrus Canisius.

 

Denke global – handle lokal – halte durch!

Vertrautheit mit Christus ist für Petrus Canisius der Halt. Daraus kommen Haltungen. Drei will ich anführen, weil sie ganz sichtbar das pastorale Handeln des Heiligen bestimmen. Ignatius von Loyola ermutigt in den Geistlichen Übungen zu „Großmut“. „Grande Animo“ meint einen weiten Geist. Mit einem Blick für das Ganze, das wirklich Wichtige leben. Das ist so auffällig bei Petrus Canisius: Er hat die Welt, die Weltkirche, die ganze Gesellschaft, den ganzen Orden, die großen Zusammenhänge im Blick. So bleibt er selbst verfügbar für Aufgaben und Orte quer durch Europa. Über den Tellerrand der Pfarrei und eigenen Diözese, der eigenen Ideen, von persönlichen Kirchenvorstellungen hinausschauen können! Denke global, würde uns Canisius sagen. Erneuerung Ja, aber kein Sonderweg abseits der Weltkirche!

 

Gleichzeitig hat er sich stets vor Ort um die Familien, Kranken, Armen, Gefangenen gekümmert. Er hat sich bei den vielen Aufgaben mit einzelnen Personen, mit einfachen Menschen oft stundenlang abgemüht - und dann wieder um gutes Bier für seine Mitbrüder gesorgt. Vielsagend einer seiner Sprüche:

„Einem einzigen Menschen nützen…, das wiegt bei weitem mehr als die ganze Welt.“

Denke global, aber handle lokal, würde Canisius uns sagen.

Global – lokal, katholisch – evangelisch? Enorme Spannungen, die es damals gab, die es heute etwas anders in Gesellschaft und Kirche gibt. Petrus Canisius hat sich dieser Spannung nicht entzogen. Er hat sich den konkreten Fragen der Menschen vor Ort und der Lokalkirche nicht entzogen. Er hat sich aber auch nicht einfach gefangen nehmen lassen von den oft sehr begrenzten Aufgaben und Sichtweisen lokaler Gruppen und der politisch und kirchlich Mächtigen. Und er ist nicht durchgetaucht, hat die Kirchenproblematik nicht ausgesessen. Petrus Canisius hat in dieser Spannung den nächsten besseren Schritt gesucht, mit einer unglaublichen Beharrlichkeit und Treue. Schon als Student hat er sich in Großbuchstaben auf die Vorderseite seines Notizheftes geschrieben: PERSEVERA! Halte durch! Sei beharrlich! Krisen durchstehen, Widerstand aushalten, sich treu bleiben in den Werten des Evangeliums: Trotz gehässiger Beschimpfungen und der Notwendigkeit einer Leibwache hat Petrus Canisius   in den Respekt vor den Andersdenkenden nie aufgegeben.

 

Liebe Gläubige, möge uns allen Gott in den Wirren unserer Zeit eine tiefe Vertrautheit mit Christus schenken. Dass wir so wie Petrus Canisius leidenschaftlich und glaubwürdig für Menschen da sind. Global denken, lokal handeln und treu bleiben – treu bleiben der Art und Weise Jesu Christi.

erstellt von: P. Josef Maureder SJ
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Univ. Prof. Thomas Prügl zum Wirken des hl. Petrus Canisius in Wien

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Krieg als Verrat am Evangelium: Kirchen zwischen Scham, Mut und der Pflicht zum Frieden

Orthodoxe Ordensfrau und katholische Theologin prangern kirchliche Rechtfertigung von Gewalt an: Verrat am Evangelium, fehlende Friedensstrategie – Ruf nach mutiger Umkehr und Kultur des Friedens.

Krippenführungen in der Dominikanerkirche S. Maria Rotunda

In der Weihnachtszeit lädt die Dominikanerkirche S. Maria Rotunda zu drei stimmungsvollen Krippenführungen ein, bei denen Pfarrer P. Christoph J. Wekenborg OP die historische Klosterkrippe aus dem Grödnertal näher vorstellt.

Mariazeller-Feier am Stephansplatz

Herzliche Einladung zur Mariazeller-Feier mit Bischofsvikar P. Mag. Erich Bernhard COp am Freitag, dem 19. Dezember, um 18:00 Uhr in der Curhauskapelle am Stephansplatz 3 (1. Stock, Lift).

Ostkirchen: Tradition und Identität in Diaspora-Situationen bewahren

Wiener Ostkirchen-Experte Németh referierte bei internationaler Ostkirchen-Konferenz in Paris - Nachfolgetagung 2026 zum Thema liturgische Identität in Planung

Radio klassik: Programm zu Weihnachten und Epiphanie: Gottesdienste, Lebensgeschichten und soziale Perspektiven

Zu Weihnachten und Neujahr sendet Radio Klassik Stephansdom ein dichtes Programm zu Spiritualität, Engagement und Lebenswegen.

Telefonseelsorge zu Weihnachten besonders gefragt

Viele erleben Weihnachten nicht als heiles, sondern als belastendes Fest. Konflikte, Trauer und Ängste treten zu den Feiertagen besonders stark auf. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr für alle Sorgen und Nöte unter der Nummer 142 kostenlos erreichbar.

Elisabeth Birnbaum: "Wege durch den Bibelwald"

Wer die Bibel neu entdecken möchte, findet in diesem ungewöhnlichen Zugang eine Einladung, vertraute Texte mit frischen Augen zu erkunden.

Ständige Diakone: Geweihte Brückenbauer zwischen Kirche und Welt

Geweihte Männer mitten in Beruf und Familie: Ständige Diakone dienen als unverzichtbare Vermittler zwischen kirchlichem Auftrag und dem Leben der Menschen.

Feuerfest 2026: Einladung zum großen Firm -Event

Am 21. März 2026 lädt die Katholische Jugend Wien Firmlinge zum Feuerfest mit Workshops und Gottesdienst in der Votivkirche.

Neustart für Steyler Predigt- und Liturgiedienst: „Die Anregung“ ist zurück!

Nach einer Unterbrechung lassen die Steyler Missionare ihren beliebten Online-Dienst „Die Anregung“ wieder aufleben. 

Adventkranz mit zwei brennenden Kerzen.

Gottesdienste im Radio und TV zum 2. Advent und Mariä Empfängnis

Eucharistiefeiern aus dem Wiener Stephansdom, aus der Salzburger Militärpfarre und aus Niederösterreich. Hochfest am 8. Dezember feiert die Empfängnis der Jungfrau Maria.

Die Gemeinschaft Cenacolo lädt zum lebendigen Krippenspiel ein

Die Gemeinschaft Cenacolo lädt alle zu einem besonderen Krippenspiel ein  – einer lebendigen Darstellung der Geburt Jesu mit selbstgebauten Kulissen, handgefertigten Kostümen und zwei echten Eseln.

 

Festmonat Dezember: Zwischen Kirschzweigen und Konsumrausch

Advent- der Inbegriff von Spannung zwischen Sehnsucht nach Innerlichkeit und angespannter Betriebsamkeit. Heiligenfeste bieten Kontrapunkte,

mit freundlicher Genehmigung der Rumänisch-Orthodoxen Kirche in Wien

Nikolaus ohne Drohfinger – warum der Heilige mehr kann als Sackerl verteilen

Ein Heiliger, der die Hand reicht – auch anderen Konfessionen und Religionen, wird er doch in der Ostkirche ebenso verehrt wie im Westen.

Stephansdom: „Herbergssuche“ mit Segnung und Verteilung der Barbara-Zweige

 

Latinos feiern Guadalupe-Fest erstmals im Stephansdom

Erstmals Guadalupe-Fest im Stephansdom: Spanischsprachige Messe am 12. Dezember – Priester Curiel Rojas nennt Feier „zentrales Glaubensfest und Ausdruck von Identität“

ORF überträgt Gebetstreffen mit Papst Leo XIV. aus der Türkei

Ob live aus der Türkei oder aus heimischen Pfarren: Österreichs Medien laden ein, mitzufeiern – vor dem Bildschirm oder Radio. Ein Wochenende, das Brücken baut: zwischen Ost und West, Tradition und Gegenwart.

Konzil lebt weiter: Synodaler Prozess als neue Ära der Kirche

Synodalität als Konzils-Erbe: Die Kirche öffnet sich für mehr Beteiligung und eine neue Kultur des Miteinanders. Aufbruch zu einer Kirche, in der alle Getauften Verantwortung tragen.

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