Saturday 1. October 2016

Wessen Bruder kann schon Brot in Fleisch verwandeln?

Was war mit meinem Bruder geschehen, dass er plötzlich Wein in Blut und Brot in Fleisch verwandeln konnte? Ich weiß es nicht und werde es wahrscheinlich nie verstehen können. Alles, was ich weiß ist, dass Gott auf unglaubliche Weise in sein Leben eingegriffen hat und ihn so zum Segen für uns alle gemacht hat. WOW! Mein Bruder ein Priester!


Ich erinnere mich noch gut an jene Tage unserer Kindheit, als wir mit unserer Schwester in grauem Septembernebel - der Asphalt kalt und nass - durch die Auen zogen, und unser Unwesen trieben. Das Maisfeld war uns immer Zuflucht und Versteck, wenn wir uns zurückzuziehen hatten, um einen neuen Plan auszuhecken. Wir fanden immer wieder ein Opfer, das auf der Bühne unserer Kindertage die Rolle des „Ertragenden“ spielen musste.

 

So auch an jenem Tag. Dort stand er, an einem Fenster seines Zwischenkriegszeithauses, gegenüber der alten Gaststätte und blickte in seinem Unterhemd den hie und da vorbeifahrenden Autos nach, als wüsste er nicht, dass das Leben aus mehr bestünde, als nur aus Warten. Warten auf den Tod. Die Dämmerung hatte schon eingesetzt und im Schein der gerade eingeschalteten Straßenlampen spiegelte sich das angesammelte Nass der letzten Tage. Der Plan war dieser: Einer von uns musste hinter dem Mauervorsprung hervortreten und dem Mann „Jesus liebt dich“ zurufen, um dann schnell wieder unerkannt in der Versenkung unterzutauchen.

 

…als wüsste er nicht, dass das Leben aus mehr bestünde als nur aus Warten. Warten auf den Tod.

 

Schließlich war das genau der Satz, den dieser Mann jetzt braucht, so dachten wir. Sieger ist der, der sich traut.

 

Als ich wieder untergetaucht war und ich mein Herz wild pochen spürte – ich hatte mich überwunden und gesiegt! – blickte ich auf meinen Bruder herab, der immer noch ängstlich am Boden kauerte, und flüsterte ihm zu: „So wirst du nie ein Priester werden!“ Wir liefen.

 

Fast zwanzig Jahre später blicke ich wieder auf meinen Bruder hinab, sehe ihn dort am roten Teppich liegen, in jener ehrwürdigen Basilika von Loreto in Italien, mit dem Gesicht zu Boden und alle Heiligen anflehend. Diesmal konnte ich nichts zu ihm sagen. Zu sehr hatte ich mit meinen Tränen zu kämpfen. Ich war so stolz auf ihn. Er hat sich getraut und gesiegt.

 

Nachdem er die Schule abgeschlossen hatte und ein Jahr lang Medizin studiert hatte, verspürte er den Ruf zum Priestertum und trat in die Missionsgemeinschaft „Familie Mariens der Miterlöserin“ ein. Nach einiger Zeit des Studierens, Betens, Musizierens und Kontemplierens war der große Tag der Diakonatsweihe gekommen. Aus der Hand des Bischofs Paul Maria Hnilica empfing er die Weihe und wurde so für seine Missionstätigkeit, die ihn im Sommer sogar bis nach Australien verschlagen hat, mit dem Segen Gottes bestückt. Ein halbes Jahr später, am 12. Dezember, dem Fest der Muttergottes von Guadelupe holte ich schließlich meinen besten Anzug aus dem Schrank, ein extra Spritzer Eau de Toilet Natural Spray, eine Beichte und Lederschuhe, und wurde Zeuge, wie mein eigener Bruder Priester auf ewig wurde.

 

Die Feierlichkeit begann am Vorabend des großen Festtages mit einer Heiligen Messe für alle Pilger und einer Gebetsstunde vor dem Allerheiligsten Altarsakrament. Die unglaubliche Gebetsatmosphäre in der Unterkirche der Basilika blieb wohl auch im Himmel nicht ohne Wirkung, denn einige nahmen auch die Möglichkeit zur Beichte wahr und trugen somit aktiv zur großen Gnadenverteilung bei.

 

Die unglaubliche Gebetsatmosphäre in der Unterkirche der Basilika blieb wohl auch im Himmel nicht ohne Wirkung…

 

Am Tag der Weihe - die Basilika wurde mit Videowall, Lautsprechern und Extra-Sesseln präpariert, um den Anwesenden das dreieinhalbstündige Fest so gut wie möglich auch äußerlich näher zu bringen – empfingen dann fünf junge Diakone das Sakrament der Priesterweihe. Ermuntert durch die authentischen Worte des Bischofs, seine Erzählungen aus der Zeit der Verfolgung und den klaren Wunsch, dass die Neugeweihten heilige Priester werden, durften sie das erste Mal am Altar stehen und gemeinsam mit dem Bischof die Wandlungsworte sprechen.

 

Was war in der kurzen Zeit mit meinem Bruder geschehen, dass er plötzlich Wein in Blut und Brot in Fleisch verwandeln konnte?

 

Ich weiß es nicht und werde es wahrscheinlich nie verstehen können. Alles, was ich weiß ist, dass Gott auf unglaubliche Weise in sein Leben eingegriffen hat, ihn auserwählt hat, Missionar der Liebe zu sein und ihn so zum Segen für uns alle gemacht hat. WOW! Mein Bruder ein Priester! Mein Bruder ist viel wichtiger als der Bundespräsident, der Finanzminister und Bill Gates zusammen. Er ist wichtiger als jeder Psychologe, Arzt oder Apotheker. Er ist wichtiger als Einstein, Newton und Doppler.

 

Mein Bruder ist viel wichtiger als der Bundespräsident, der Finanzminister und Bill Gates zusammen!

 

Wichtiger als all die selbsternannten Helden, unbeständigen Stars und einfältigen Idole. Er ist einer der Heil, Heilung und Heiligkeit in die Welt bringt und Ich bin überglücklich, dass ich sein Bruder sein darf.

 

Das gehört natürlich ausführlich gefeiert! Nach dem allgemeinen Primizsegen waren alle (!) zur gemeinsamen Tafel eingeladen, die sehr an die Tatsache erinnern lies, dass der Mensch nicht nur vom Brot allein lebt: Dass ich mich nicht mehr erinnern kann, wie viele Gänge dieses Festessen hatte, liegt wohl daran, das ich zu sehr mit der Frage beschäftigt war, wohin denn das alles passen sollte. Den Abschluss dieses Festes bildete dann die eucharistische Anbetung um 16.00 Uhr in der Basilika, die in die Austeilung des Einzelprimizsegens mündete. Die meisten Pilger blieben diese Nacht noch in Loreto, um am nächsten Morgen nach einer kurzen Abschlussmesse die Heimreise anzutreten.

 

Die Tage vergingen und der ganz normale „Weihnachtsalltag“ kehrte wieder ein. Ganz normal? Von wegen! Seit dem ich auf der Welt bin, war das die erste Adventzeit, in der meine Mutter nicht tagelange Kekse backend in der Küche stand, um zu Weihnachten die hungrigen Mäuler ihrer drei Kinder mit Weihnachtsbäckerei voll stopfen zu können. Außer Lebkuchen buk sie heuer nichts! Weihnachten ohne Weihnachtskekse ist wie Weihnachten ohne Weihnachtskekse. Oder Schnee. (Was gibt es schöneres für ein Kind, als im Advent schon heimlich die gut versteckten Weihnachtskekse zu naschen, ohne dass die Mutter es bemerkt?)

 

Weihnachten ohne Weihnachtskekse ist wie Weihnachten ohne Weihnachtskekse. Oder Schnee.

 

Die ganze Zeit nach der Priesterweihe fiel also dem Organisieren der Heimatprimiz zum Opfer, was auch meiner Mutter keine Zeit lies, sich auch noch um Weihnachtskekse zu kümmern. Okay, Weihnachtsbäckerei aßen wir letztlich trotzdem, aber was viel wichtiger war: Wir hatten am 4. Januar „die schönste Primiz, die ich je erlebt habe“, so eine Schwester der Gemeinschaft.

Gemeinsam mit 80 Priestern, Brüdern und Schwestern der Gemeinschaft und der gesamten Pfarrgemeinde Graz-Straßgang feierte mein Bruder Maximilian (neuer Name!) die erste heilige Messe in seiner Heimat.

 

Zum Abschluss bleibt mir nur noch Gott aus tiefstem Herzen zu danken, dass er uns das Geschenk gemacht hat, dass Markus Priester geworden ist. Wir können es nicht in Worte fassen, nur staunend bekennen: „denn der Mächtige hat Großes an mir getan.“ An ihm und an uns!

erstellt von: David Schwarzbauer

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