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05.01.2018 · Aus der Diözese · Spiritualität

Psychologie der Neujahrsvorsätze

Nur wer weiß, was er falsch gemacht hat, kann es in Zukunft besser machen. Die Psychologie sieht Vorsätze aus einer tiefen Selbsterkenntnis heraus als überaus hilfreich an.

Die ersten Tage des neuen Jahres sind bereits vergangen. Viele Menschen haben sich zum Jahreswechsel vorgenommen, 2018 etwas in ihrem Leben zu ändern. Aber wie kann es gelingen, die Vorsätze auch durchzuhalten? Einige Tipps vom Experten.

 

Vorsätze sind psychisch heilsam, weil sie anerkennen, dass wir etwas besser machen sollten, als wir es in der Vergangenheit gemacht haben.

 

Das setzt eine gesunde Selbsterkenntnis voraus. Denn im Wesen des Menschen ist der Selbstbetrug tief verankert: vieles von dem, was uns das Leben schwer macht, ist unserem Bewusstsein nur erschwert zugänglich, weil die Erkenntnis schmerzhaft ist.

 

Sigmund Freud hat das „Verdrängung“ genannt. Aus genau diesem Grund ist etwa die Beichte aus der Mode gekommen: Keiner wüsste mehr, was er denn beichten sollte. Wenn wir also Vorsätze fassen wollen, so wäre eine Gewissenserforschung – im Sinne eines (selbst)kritischen Jahresrückblicks – die beste Voraussetzung dazu. Ansonsten bleiben die Vorsätze auf einer sehr oberflächlichen Ebene (etwa weniger Süßigkeiten, weniger Rauchen, mehr Sport, mehr gesunde Ernährung,...) und erreichen nicht die Tiefen der Seele.

 

Nur wer weiß, was er falsch gemacht hat, kann es in Zukunft besser machen. Das ist das Problem mit der Verdrängung: Alles wird kaschiert, und nichts ändert sich.

 

Stolz, Habsucht, Neid...

Als Gewissensspiegel könnten etwa die sieben Wurzelsünden dienen, die auch in der Psychologie zunehmend Verwendung finden: Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Unkeuschheit, Unmäßigkeit und Trägheit. Wer da nicht mindestens drei Neigungen für sich erkennt, ist der Verdrängung und dem Selbstbetrug verfallen und wird sich mit sinnvollen Vorsätzen schwer tun.


Die Psychologie sieht Vorsätze aus einer tiefen Selbsterkenntnis heraus als überaus hilfreich an. Denn während das Temperament (cholerisch, sanguinisch, melancholisch, phlegmatisch) genetisch determiniert und unveränderlich ist, ist der Charakter nach Immanuel Kant das, was wir aus uns selber machen. Und hier haben Vorsätze einen zentralen Anteil, um Tugenden zu entwickeln und Laster zu reduzieren und so das Selbst zu optimieren.

 

Wenig, dafür konkret

Ob wir einen Vorsatz zu Neujahr oder sonst wann fassen, ist eigentlich unerheblich. Das neue Jahr hat nur den psychologischen Vorteil, dass es sich quasi noch unbefleckt anfühlt. Vorsätze sollen wenige und konkret sein. Ein diffuses „Ich will ein besserer Mensch sein“ ist nett, aber ineffizient. Und eine Liste von 27 Punkten ist so unübersichtlich, dass man nach wenigen Tagen den Mut verliert. 

 

So könnten wir etwa versuchen, mit frühem Aufstehen das Laster der Trägheit zu reduzieren, und die Zeit für etwas Sinnvolles – etwa das tägliche Gebet oder den Messbesuch –zu nutzen.

 

Ein sehr heilsamer Vorsatz wäre auch die Bitte um Entschuldigung gegenüber einem Mitmenschen oder gegenüber Gott. Abschließend sollte man die Einhaltung des Vorsatzes regelmäßig (am besten täglich am Abend) überprüfen – das nennt man Gewissenserforschung.     

erstellt von: Der SONNTAG / Raphael Bonelli
05.01.2018
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Weitere Informationen:

zur Person

Raphael M. Bonelli ist Psychiater und Neurologe.

 

Er lehrt und forscht an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg sowie an der Sigmund Freud Universität Wien.


auch interessant: Nachgefragt bei kirchlichen Mitarbeitern "Ich nehme mir für 2018 vor ..."


weitere Informationen zu

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