Der SONNTAG hat im Vorfeld mit dem Pfarrmoderator und künftigen Pfarrer Pawel Marniak, den beiden stellvertretenden Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Peter Haubenberger (Baumgarten) und Georg Pliwa (Oberbaumgarten) sowie mit den Leiterinnen der Öffentlichkeitsausschüsse, Christina Völk (Oberbaumgarten) und Gabi Moritz (Baumgarten) über den Prozess des Zusammenwachsens gesprochen.
„Ich freue mich sehr auf die neue Pfarre, und das nicht nur aus praktischen Gründen“, sagt Pawel Marniak, der schon bisher als Pfarrmoderator für die beiden Pfarren Baumgarten und Oberbaumgarten zuständig war: „Wir haben einen langen Weg hinter uns. Ich freue mich daher auf den 23. Juni, weil dies der Start für die neue Pfarre ist.“
Für Christina Völk ist der 23. Juni „ein historisches Ereignis, das wir feiern werden“. „Es ist ja nicht so, dass wir noch gar nichts miteinander zu tun hatten“, meint sie: „Wir haben schon einiges gemeinsam getan und ich freue mich sehr, dass nun diese zwei Familien zu einer großen Familie zusammenwachsen.“
Auch bei Peter Haubenberger ist die Freude groß: „Seit 2012 arbeiten wir schon an diesem Prozess des Zusammenwachsens. Sehr intensiv ist dieser Prozess im letzten Jahr geworden, als der konkrete Auftrag unseres Kardinals gekommen ist, eine Pfarre mit Teilgemeinde zu gründen. Wir arbeiten jetzt intensiv daran und freuen uns, dass wir zu einem positiven Abschluss kommen. Wir haben schon in den beiden Pfarrgemeinderäten alle Beschlüsse gefasst, die die Grundlage für die neue Pfarre bilden. Der 23. Juni ist einerseits ein schöner Abschluss dieses Prozesses, andererseits der Beginn einer neuen Geschichte der beiden Pfarren, die dann zu einer Pfarre zusammenwachsen.“
Für Gabi Moritz bietet die neue Pfarre die Möglichkeit, „in den jeweiligen Teilgemeinden einen Zwischenstopp einzulegen und eventuell manches neu zu beginnen, weil wir vieles, aber nicht alles zusammenlegen.“ Moritz: „Da ist also überall irgendwie ein Neustart, verbunden mit dem sprichwörtlichen Zauber, der jedem Anfang innewohnt.“
Für Georg Pliwa ist die neue Pfarre „eine größere Familie“. „Das ist schon in den Pfarrgemeinderäten spürbar und das strahlt in die Gemeinden weiter. Ich betrachte das als eine große Chance, dass wir voneinander lernen können, dass wir gemeinsam Kirche leben und mitgestalten können“, sagt er.
Ob es auch Hürden gab auf dem Weg des Zusammenwachsens?
„Anfänglich gab es schon Hürden und da war auch konkret ein gewisses Misstrauen auf beiden Seiten“, räumt Peter Haubenberger ein: „Wahrscheinlich ist das auch naturgegeben, weil hier zwei unterschiedliche Gemeinden zusammenkommen.Das latente Misstrauen hat sich bis zur gemeinsamen Pfarrgemeinderatsklausur, die wir im vergangenen Herbst gehabt haben, gezogen. Diese Klausur hat das Eis gebrochen, wir sind wirklich zu einem konstruktiven Zusammenwachsen gekommen.“ Auch die Wahl des neuen Pfarr-Namens – Heilige Mutter Teresa – dauerte. „Es gab beispielsweise siebzig verschiedene Vorschläge, wir hatten unzählige Wahlgänge“, erzählt Haubenberger: „Aber es hat sich dann doch rasch der Name „Heilige Mutter Teresa“ durchgesetzt.“
Für Gabi Moritz ist das jetzige Arbeitsjahr eine sehr große Herausforderung. „Nicht nur, weil es zeitlich sehr intensiv ist, sondern weil sämtliche Strukturen zusammenwachsen oder zumindest zusammenfinden sollen, und die beiden Pfarren sind von ihren Traditionen und Gewohnheiten doch recht unterschiedlich“, sagt sie. Denn: „Es ist nicht immer ganz einfach, mit dem Gegenüber aus der anderen Teilgemeinde einen Konsens zu finden, wie es dann gemeinsam weitergehen soll. Das geht im einen Bereich leichter, im anderen nicht so leicht. Aber es funktioniert.“
Pfarrmoderator Pawel Marniak ist schon zehn Jahr hier, zuerst als Kaplan, dann als Pfarrprovisor und jetzt als Pfarrmoderator und ab 23. Juni als Pfarrer. „Manchmal wäre es hilfreich gewesen, wenn wir genau wüssten, ob die Pfarrgemeinderäte oder die Diözesanleitung für die unterschiedlichen Entscheidungen oder Beschlüsse zuständig ist“, unterstreicht er. „Die Leute wollen einfach wissen, warum dies und jenes gemacht wird“, erläutert er: „Wenn man beispielsweise alles gut erklärt, wie etwa bei der Namensgebung, dann lassen sich die Menschen gerne darauf ein. Ansonsten herrscht Unsicherheit.“
„Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten und Missverständnisse aus dem Weg räumen, nicht nur im PGR, sondern auch in den Pfarrgemeinden selbst, weil die Leute oft vieles falsch verstanden haben“, ergänzt Christina Völk.
Georg Pliwa erinnert daran, „dass die größte Hürde für die Menschen die Angst war, etwas aufgeben zu müssen“. Seine Erfahrung: „Wenn man hingegen alles erklärt und den Sinn dahinter klarlegt, dann haben die Menschen Einsicht und freuen sich auch.“
Wo sie die Chancen der künftigen Zusammenarbeit sehen?
„Wir schöpfen künftig aus einem größeren Pool an Charismen“, betont Peter Haubenberger: „In verschiedenen Bereichen intensiviert sich die Zusammenarbeit, denn es gibt mehr Menschen, die sich für Dienste melden können. Etwa in der Firmvorbereitung, die wir schon seit einigen Jahren gemeinsam machen, aber auch im Bereich der Musik gibt es mehr Kontakte, auch in der Caritasarbeit.“ Selbst die Wochentags-Messen seien jetzt abgestimmt: „Hier gibt es viele Chancen, wo man intensiver zusammenarbeiten und auch zusammen beten und zusammen feiern kann. Wir feiern auch Fronleichnam gemeinsam, das wird dann zu einem schöneren Fest, wenn mehr Leute mitfeiern.“
„In letzter Zeit fiel in einem Bereich, wo wir viel zusammenarbeiten, das Motto: Gemeinsam sind wir mehr“, erinnert sich Gabi Moritz: „Und das sagt viel aus, weil die Pfarre Heilige Mutter Teresa sicher mehr sein wird, als die Summe der beiden Teilgemeinden.“
Pfarrmoderator Pawel Marniak sieht die Unterschiedlichkeit der beiden Pfarren hautnah: „In vielen Bereichen sind die beiden Pfarren anders, ich bemerke das, weil ich oft an einem Tag zuerst die Heilige Messe in Baumgarten und dann in Oberbaumgarten feiere. Da sehe ich innerhalb von drei, vier Stunden viele Unterschiede, aber ich sehe diese positiv. Wir haben in Baumgarten viele Angebote, die es in Oberbaumgarten nicht gibt und umgekehrt. Viele Menschen freuen sich, dass sie auch etwas Neues entdecken können.“
Christina Völk sieht die Chancen zukünftiger Zusammenarbeit auch darin, „dass man aus einem größeren Pool engagierter Menschen schöpfen und diese Synergien auch nutzen kann. Es ist einfach schöner, wenn mehr Menschen miteinander Gottesdienst feiern als nur ein paar wenige.“
Auch Georg Pliwa nennt „die vielen Angebote, die beide Teilgemeinden bieten. Damit sind jetzt für die Gesamtheit der neuen Pfarre mehr Möglichkeiten da“.
Worauf diese gelungene Zusammenarbeit zurückzuführen ist?
„Wir haben mit der Zusammenarbeit begonnen, bevor konkrete Pläne auf dem Tisch gelegen sind“, sagt Gabi Moritz: „Weil wir geahnt haben, dass dieses Thema einmal auf uns zukommen wird. Seit drei Jahren machen wir etwa eine gemeinsame Firmvorbereitung. Es war gut, dass wir hier gleichsam zweckfrei zusammengearbeitet haben. Wenn ein Team in einem Entwicklungsraum schon für mehrere Teilgemeinden zuständig ist, dann fällt die Überzeugungsarbeit leichter."
"Denn die erste Hürde ist immer die menschliche: Wer kommt jetzt? Mit wem haben wir zu tun? Wer wird unser Pfarrer?“, zählt Pfarrmoderator Pawel Marniak auf: „Wir bringen schon längere Zeit diese Themen auch in das Gebet vor Gott. Wir beten vor allen Sitzungen nicht nur ein schnelles Vaterunser oder ein Gegrüßet seist du Maria, sondern wir haben auch freie Fürbitten und stilles Gebet.“
Christina Völk empfiehlt den Pfarren, die auf dem Weg zu einer Pfarre mit Teilgemeinden sind, „dass die Verantwortlichen auf die Menschen zugehen und offen sprechen. Also transparent umgehen und nicht etwas unter den Tisch kehren oder geheim halten.“
Die Kommunikation ist auch Georg Pliwa ein Herzensanliegen: „Wichtig ist es, alle Stimmen anzuhören. Auch wenn man es dann nicht allen recht machen kann. Wenn man sich dann auf den Weg geeinigt hat, ist es wichtig, dies für alle sichtbar zu machen und zu kommunizieren.“
Für Peter Haubenberger sind zusätzlich zum Gebet „zwei Themen ganz besonders wichtig“: „Das eine ist die Kommunikation: Man muss möglichst viel kommunizieren, möglichst viel miteinander reden, auch nach den Gottesdiensten. Damit sich nicht falsche Gerüchte verbreiten. Das andere ist eine gute Vorbereitung - aller Sitzungen und jener Anliegen, die man kommuniziert.“ Haubenberger verweist auch darauf, „dass ein Pastoralkonzept entweder überarbeitet oder neu erstellt wird“. „Wir haben es neu erarbeitet, weil das letzte Pastoralkonzept aus dem Jahr 1992 stammte“, erzählt er: „Das hat uns auch geholfen, die eigenen Angebote nochmals zu reflektieren: Um zu schauen, wo wir was haben und wo uns eventuell etwas fehlt. Und wo können wir uns Ziele setzen?“ „Dieses Pastoralkonzept wird uns in der nächsten Zeit als Pfarre mit Teilgemeinden als Begleiter und als Wegweiser dienen“, ist er überzeugt.