Rund 3000 Menschen feierten die Bischofsweihe und Amtseinführung von Josef Grünwidl im Stephansdom als ein großes Fest der Freude. Die Pummerin verbreitete die gute Nachricht über den frisch geweihten Bischof der Erzdiözese Wien.
Die Freude über den neuen Erzbischof Josef Grünwidl war im ganzen Dom während der dreistündigen Feier deutlich zu sehen. An vielen Stellen gab es spontanen Applaus, an anderen spürbare Ergriffenheit und auch humorvolle Momente.
Ernennungsdekret von Papst Leo XIV.: Verkünde das Evangelium!
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Am Beginn der Feier wurde das Ernennungsdekret von Papst Leo XIV. in deutscher Übersetzung verlesen. Der Papst bittet den neuen Bischof, sich „in allem als Brückenbauer, Seelsorger und Teamplayer (lateinisch: socios in laboribus) zu erweisen. Denn Christus der Herr wollte und berief die Hirten seiner Herde nicht, weil sie die besten und vollkommen in allen Tugenden waren, sondern vielmehr, weil sie bereit waren, das Evangelium Gottes zu verkünden.“ Abschließend ermuntert Papst Leo: „…dass Du wie ein Musikkenner in Deinem persönlichen Leben die Melodie des Herrn aufnimmst und mit Deiner Stimme und Deiner Lebensführung das Evangelium Christi recht, getreu und sanft dem Volk Gottes und allen Menschen guten Willens verkündest.“
Kardinal Schönborn gab Josef Grünwidl in seiner Predigt mit: „Ein hörendes Herz hört auf dreierlei: auf Gott, auf das eigene Gewissen, auf die Menschen.“ Zwei Ratschläge hatte Schönborn für Grünwidl: „Habe ein hörendes Herz für die so genannten ‚einfachen Menschen‘. Höre auf die Menschen, die dir ehrlich die unangenehmen Dinge sagen!“
„Dass du den Weg gegangen bist, der dein Lebensweg geworden ist, hat damit zu tun, dass du ein hörendes Herz hattest“, so Schönborn weiter.
Schönborn zitierte aus dem Evangelium: „‚Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt‘. - Diese Bitte Jesu machen wir heute zur Bitte für dich.“
Die Weihe wurde durch Kardinal Christoph Schönborn, den Salzburger Erzbischof Franz Lackner und den Bischof von Leitmeritz, Stanislav Přibyl, vorgenommen. Besonders berührende Momente der Bischofsweihe waren die Handauflegung aller anwesenden katholischen Bischöfe, die Salbung des Hauptes von Josef Grünwidl mit dem Chrisam (einem besonderen Öl) und die Übergabe des Bischofsstabs durch Kardinal Schönborn an den neuen Erzbischof. Bei dieser brach spontaner Applaus unter den Mitfeiernden aus. Der Stab wurde davor durch den Dom unter den Mitfeiernden nach vorne gereicht, um den gemeinsamen Weg der Diözese mit ihrem Erzbischof zu unterstreichen. Als sich Josef Grünwidl erstmals auf die Kathedra (seinen Bischofssitz) setzte, übernahm er damit die Leitung der Diözese.
In seinen Worten am Ende des Gottesdienstes sprach Josef Grünwidl seinen großen Dank allen Mitfeiernden, besonders seiner Familie, den Vertreterinnen und Vertretern der anderen Religionsgemeinschaften und des öffentlichen Lebens aus. Auch bei Papst Leo bedankte sich Josef Grünwidl für die Ernennung.
Grünwidl zitierte den heiligen Augustinus, der ihm Mut mache: „‘Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ!‘"
Seinen Dienst als Erzbischof sehe Grünwidl darin „Gottes Melodie, die Partitur des Evangeliums, im eigenen Leben und in vielen anderen Menschen zum Klingen bringen, und zwar inspiriert und begeistert durch unseren Dirigenten den Heiligen Geist.“
Diese Melodie soll im „unerschütterlichen Vertrauen" verankert sein: „Schon bevor ich an Gott glaube, glaubt Gott an mich! Denn der Grundton des Christentums, auf dem alles andere aufbaut, lautet: Mensch, Welt, Schöpfung - du bist von Gott geliebt!"
Grünwidl betonte: „Jede und jeder Einzelne ist ein tragender, wichtiger Ton, und gemeinsam bringen wir die Melodie Gottes, sein Liebeslied, sein Protestlied und sein österliches Hoffnungslied zum Klingen.“
In Ihren Grußworten hielt Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner fest: „Der christliche Glaube ist für uns keine Folklore und kein Relikt der Vergangenheit, sondern unser Kompass und unsere Richtschnur – wenn wir Verantwortung übernehmen für unsere Familien und Kinder, für die Schwächsten in unserer Gesellschaft und für ein solidarisches Miteinander.“
„Ich wünsche dir für diese große Aufgabe und Verantwortung viel Kraft und den Mut immer nahe bei den Sorgen und Ängsten der Menschen zu sein", sagte Sie abschließend.
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig bezog sich in seinen Worten auf die Bibelstelle ‚Die Stillung des Sturms‘, in der Jesus die verängstigten Menschen beruhigt und den Sturmwind zum Verebben bringt. „Daraus können wir lernen, dass wir nicht furchtsam sein sollen, sondern die großen Herausforderungen unserer Zeit – nach dem Vorbild Jesu – souverän meistern müssen.“
Bürgermeister Ludwig habe Josef Grünwidl „im Rahmen unserer bisherigen Zusammenarbeit als klugen, besonnenen und weltoffenen Seelsorger kennengelernt“ und er blickte mit Freude auf die zukünftige Zusammenarbeit: „Gemeinsam werden wir den einen oder anderen 'Sturm' – nach dem Vorbild der Bibelstelle - mit kühlem Kopf zu 'stillen' wissen.“
Am Ende des Gottesdienstes spendeten zunächst Vertreterinnen und Vertreter der christlichen Konfessionen einen biblischen Segen für den neuen Erzbischof. Anschließend segneten alle im Stephansdom Versammelten Josef Grünwidl. Dieser sprach danach seinen ersten bischöflichen Segen für die Mitfeiernden.
Für Lacher sorgte der neue Erzbischof vor dem Segen: „Wir haben heute alle in Österreich ein bewegendes Erlebnis mitfeiern dürfen, das sogar international Beachtung gefunden hat. Ich meine natürlich die Abfahrt in Kitzbühel, die Streif. Und da ist es ja darum gegangen: Wer ist der Schnellste? Wer ist der Erste? Und wer steht am Schluss auf dem Stockerl? Ich stehe hier jetzt auch auf einem Podest. Aber deshalb bin ich nicht der Wichtigste in der Erzdiözese Wien. Denn in der Kirche geht es nicht darum, wer vorne steht und oben steht, sondern es geht darum, wer groß ist in der Liebe."
Mit der Bischofsweihe und Amtseinführung hat für die Erzdiözese Wien eine neue Ära begonnen. Erzbischof Josef Grünwidl übernimmt eine Diözese mit mehr als einer Million Gläubigen, rund 600 Pfarren und über 2000 Klerikern und Angestellten.
Grünwidl wird mit seinem Team in den nächsten Monaten beraten, wie er den gemeinsamen Weg in der Diözese gestalten möchte. Denn, wie er in seinen Dankesworten erwähnte, verändere sich die religiöse Landschaft und die vertraute Kirchengestalt.
Die erste Personalentscheidung wird für kommende Woche erwartet, wenn er einen Nachfolger als Bischofsvikar für das Vikariat Süd ernennen wird.
Auch erste Antrittsbesuche, etwa bei Bundeskanzler Christian Stocker, der evangelischen Bischöfin Cornelia Richter, der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) und der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) stehen auf dem Programm der nächsten Tage.
Seine erste Messe als Erzbischof mit einem anschließendem Mittagessen, wird Josef Grünwidl am Sonntag, 25.1.2026 mit Armutsbetroffenen feiern. „In diesen Menschen begegnet uns Gott selber“, so Grünwidl.
Livestream von der Bischofsweihe: