Kirche und Medien tragen gemeinsam Verantwortung für Wahrheit, betonte der designierte Wiener Erzbischof Josef Grünwidl bei der Adventbegegnung mit ORF-Mitarbeitern.
Kirche und Medien haben ein gemeinsames Fundament: die Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit. Darauf wies der designierte Wiener Erzbischof Josef Grünwidl am Dienstagabend bei der Adventbegegnung mit ORF-Mitarbeitern im Wiener Priesterseminar hin. „Wenn Information über Tatsachen nicht mehr garantiert ist, wird Meinungsfreiheit zur Farce“, zitierte er Papst Leo XIV. und betonte: Information sei ein öffentliches Gut.
Vor rund 150 Journalistinnen und Journalisten sprach Grünwidl von „Allianzen für das Gute“, die auch Medien einschließen müssten. „Ich bin dankbar, dass Pressefreiheit, öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Qualitätsjournalismus in Österreich einen guten Stand haben“, sagte der Apostolische Administrator, dessen Bischofsweihe am 24. Jänner bevorsteht. Kritik an der Kirche sei willkommen, „wenn sie auf solider Recherche beruht“. Von „übertriebener kirchlicher Wehleidigkeit“ halte er nichts. Interviews wird es vorerst keine geben: „Ich war medial genug präsent und habe keine Neuigkeiten.“
ORF-Generaldirektor Roland Weißmann hob die hohe Resonanz kirchlicher Übertragungen im Jahr der Umbrüche hervor – vom Abschied Schönborns über das Begräbnis von Papst Franziskus bis zur Wahl von Papst Leo XIV. und Grünwidls Ernennung. „Wir werden Sie weiterhin intensiv begleiten“, sagte Weißmann.
Zum Auftakt der Begegnung rief Grünwidl in einer Adventandacht zur inneren Sammlung auf: „Die wichtigste Straße ist die zu mir selbst – und die bleibt oft eine selten genutzte Nebenstraße.“ Wer sich Zeit für Stille nehme, begegne auch Gott, „der nicht mit leeren Händen kommt“. Zum Schluss spielte der ausgebildete Konzertorganist ein Präludium von Schiedermayr.