Sunday 25. September 2016

Bischöfe für breite gesellschaftliche Allianz gegen Missbrauch

Unabhängige Opferschutzkommission bisher mit 1.550 Fällen befasst, von denen 94 Prozent zugunsten der Opfer entschieden wurden. Kirchliche "Stiftung Opferschutz" wandte bisher rund 22 Millionen Euro für Hilfe au.


Die österreichischen Bischöfe sprechen sich für eine breite gesellschaftliche Allianz gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch aus. In einer Erklärung zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung in Linz weisen die Bischöfe auf die kirchlichen Bemühungen zur Aufarbeitung vergangener Fälle und die in Angriff genommenen Präventionsmaßnahmen hin. Zugleich seien Gewalt und sexueller Missbrauch aber nach wie vor eine leidvolle Realität in der ganzen Gesellschaft sind. "Daher muss sich eine breite gesellschaftliche Allianz bilden, um das nach wie vor verbreitete Tabu darüber aufzubrechen und Kinder noch besser zu schützen", fordern die Bischöfe wörtlich.

 

Bisherige Eckpunkte

In der Erklärung der Bischöfe werden die bisherigen Eckpunkte festgehalten: Die auf Ersuchen der Bischöfe unter dem Vorsitz von Waltraud Klasnic ins Leben gerufene Unabhängige Opferschutzkommission hat sich demnach seit 2010 mit insgesamt 1.550 Fällen befasst. Von den insgesamt 1.550 Betroffenen haben 878 angegeben, dass sie Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind. In allen anderen Fällen ging es um Formen von körperlicher bzw. psychischer Gewalt. Die meisten Vorfälle sind rechtlich verjährt: 55 Prozent haben sich vor 1970, 44 Prozent von 1970 bis 1999 und 1 Prozent seit 2000 ereignet.

Von den 1.550 Fällen wurden 1.455 (94 Prozent) zugunsten der Opfer entschieden, 49 Fälle (3 Prozent) wurden abgelehnt und 46 (3 Prozent) sind noch nicht entschieden. Die kirchliche "Stiftung Opferschutz" hat in der Folge alle Entscheidungen der Klasnic-Kommission über finanzielle Hilfen und Therapiekosten für die Opfer umgesetzt.

Insgesamt sind von der Unabhängigen Opferschutzkommission bisher Finanzhilfen in der Höhe von 17,6 Millionen Euro und 4,4 Millionen Euro für Therapien, in Summe knapp über 22 Millionen Euro, zuerkannt worden.

Wenige Monate nach der Bildung der Unabhängigen Opferschutzkommission hatte die Bischofskonferenz zudem unter dem biblischen Leitwort "Die Wahrheit wird euch frei machen" (Joh 8,32) Richtlinien gegen Missbrauch und Gewalt im kirchlichen Bereich beschlossen, die seither gelten.

 

Umgang verbessert

Am jüngsten Studientag in Linz hatte neben Waltraud Klasnic u.a. Pater Hans Zollner teilgenommen, der das Kinderschutzzentrum an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom leitet und der von Papst Franziskus eingesetzten Kommission zum Schutz von Minderjährigen angehört. Im Gespräch mit den anwesenden Experten sei laut Erklärung der Bischöfe festgestellt worden, "dass sich der kirchliche Umgang mit Missbrauchsfällen grundlegend verbessert und sich die österreichischen Richtlinien bewährt haben. Gleichzeitig gilt es, darin nicht nachzulassen." Die Hilfe für Opfer, die Vorgangsweise bei Verdachtsmomenten und die Präventionsmaßnahmen müssten konsequent weitergeführt werden und ein wichtiges Anliegen für alle sein, die Verantwortung in der Kirche tragen.

 

Österreich Vorbild

Wie die Bischöfe weiter betonen, sei die Arbeit der kirchlich initiierten Unabhängigen Opferschutzkommission inzwischen zum Vorbild für ähnliche Kommissionen des Bundes und der Bundesländer geworden. Dabei werde deutlich, "wie groß das Problem von sexuellem Missbrauch und Gewalt insgesamt ist". So sei kürzlich bekannt geworden, dass allein in den Einrichtungen der Wiener Jugendwohlfahrt bis jetzt 2.705 Fälle bearbeitet wurden. Das mache deutlich, "wie sehr Gewalt und sexueller Missbrauch eine leidvolle Realität im privaten Umfeld und in der ganzen Gesellschaft sind". Daher müsse sich "eine breite gesellschaftliche Allianz bilden, um das nach wie vor verbreitete Tabu darüber aufzubrechen und Kinder noch besser zu schützen", heißt es wörtlich in der Erklärung.

erstellt von: red/kap

"Daher muss sich eine breite gesellschaftliche Allianz bilden, um das nach wie vor verbreitete Tabu darüber aufzubrechen und Kinder noch besser zu schützen", fordern die Bischöfe.

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