Synodalität als Konzils-Erbe: Die Kirche öffnet sich für mehr Beteiligung und eine neue Kultur des Miteinanders. Aufbruch zu einer Kirche, in der alle Getauften Verantwortung tragen.
Sechzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) zeigt sich: Die Impulse des Konzils sind lebendig – und prägen heute den weltweiten Synodalen Prozess der katholischen Kirche. Das betont die Linzer Pastoraltheologin und Synoden-Expertin Prof. Klara A. Csiszar in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe des Journals ET-Studies der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie.
Ausgangspunkt ihrer Analyse ist der Abschluss der 16. Ordentlichen Bischofssynode am 26. Oktober 2024. Dieser Tag markiere „eine neue Ära der Rezeption des Konzils“, so Csiszar. Erstmals ging einer Synode ein globaler Konsultationsprozess voraus, der Laien in bisher unerreichter Weise einbezog. „Die Synode läutet mit Rückenwind des Konzils den Übergang von einer Priesterkirche hin zu einer Kirche der Getauften ein“, schreibt die Theologin.
Das Konzil habe mit seinem neuen Welt- und Missionsverständnis die Grundlage für eine Theologie des Volkes Gottes gelegt – die sogenannte Communio-Theologie. Sie prägt bis heute den Synodalen Prozess: Alle Gläubigen sollen ermutigt und befähigt werden, Verantwortung zu übernehmen und ihre Sendung wahrzunehmen. „Die Synodalität als kirchliches Prinzip stellt einen wesentlichen Fortschritt dar, indem sie die Beteiligung aller Gläubigen fördert und die Communio-Theologie konsequent weiterdenkt“, so Csiszar.
Doch der Weg ist noch nicht zu Ende. Der Übergang zu einer Kirche, „in der Laien nicht nur dürfen, sondern selbstverständlich Kirche gestalten“, werde Jahre dauern. Ziel sei eine Kirche, in der Laien nicht bloß Objekte der Pastoral sind, sondern als Getaufte aktiv mitwirken. Dazu müssten synodale Gremien tatsächlich arbeiten, die Theologie weiblicher werden und kirchliche Vernetzung global gedacht sein.
Csiszar sieht darin eine große Chance: „Die Zusammenschau von Konzil und Synode macht die Kirche fit für die Zukunft – nicht nur im deutschen Sprachraum, sondern in Europa und darüber hinaus.“ Synodalität sei kein bloßes Schlagwort, sondern Ausdruck einer Kirche, die sich als Volk Gottes versteht und gemeinsam unterwegs ist.