Stanislav Přibyl legt Josef Grünwidl die Hände auf
Stanislav Přibyl legt Josef Grünwidl die Hände auf
Papst Leo hat den Redemptoristen und Leitmeritzer Bischof Stanislav Přibyl zum Erzbischof von Prag ernannt. Noch vor gut einer Woche hat er als Co-Konsekrator von Erzbischof Josef Grünwidl fungiert.
Papst Leo hat heute, am Fest der Darstellung des Herrn den Leitmeritzer Bischof Stanislav Přibyl, C.Ss.R., zum neuen Erzbischof und Metropoliten von Prag ernannt und damit einen der profiliertesten tschechischen Kirchenmänner an die Spitze der Prager Erzdiözese berufen. Gleichzeitig nahm der Papst die Rücktrittsbitte des bisherigen Erzbischofs Jan Graubner an. Mit Přibyl übernimmt ein Geistlicher die Leitung der Erzdiözese, dessen Lebensweg von seelsorglicher Erfahrung, wissenschaftlicher Breite und langjähriger Leitungsverantwortung geprägt ist.
Stanislav Přibyl wurde am 16. November 1971 im Prager Stadtteil Strašnice geboren und wuchs als älterer von zwei Söhnen in einer Familie auf, in der Glaube, Musikalität und Verbundenheit zur Kirche selbstverständlich waren. Schon als Schüler engagierte er sich als Organist in seiner Heimatpfarrei und prägte dort früh das liturgische Leben mit. Nach seiner Ausbildung an der Prager Fachoberschule für Vermessungswesen trat er 1990 in die Ordensgemeinschaft der Redemptoristen ein, deren stark missionarisch und pastoral geprägtes Charisma ihn nachhaltig formte. Im polnischen Lubaszowa durchlief er das Noviziat und legte 1995 seine ewigen Gelübde ab.
Parallel zu seiner spirituellen Ausbildung studierte Přibyl zwischen 1991 und 1996 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Karls-Universität und bereitete sich im Prager Erzbischöflichen Seminar auf den priesterlichen Dienst vor. Am 22. Juni 1996 empfing er die Priesterweihe durch Kardinal Miloslav Vlk. Seine erste seelsorgliche Aufgabe führte ihn nach Svatá Hora bei Příbram, einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte Böhmens. Dort wirkte er zunächst als Vikar und später fast ein Jahrzehnt lang als Pfarrer. In dieser Zeit entfaltete er seine besondere Fähigkeit, spirituelle Leitung, pastorale Präsenz, musikalische Kultur und die Pflege des kirchlichen Lebens miteinander zu verbinden. Ein sichtbarer Ausdruck seines Engagements war die Errichtung neuer Orgeln für das Heiligtum, ein Projekt, das er maßgeblich vorantrieb.
Im Jahr 2002 wurde Přibyl zum Provinzial der tschechischen Redemptoristen gewählt. In dieser Verantwortung setzte er sich für eine Erneuerung des geistlichen Lebens, eine Intensivierung der missionarischen Aktivitäten und die Förderung junger Ordensleute ein. Zeitgleich übernahm er die Leitung der Caritas der Erzdiözese Prag und engagierte sich dort in sozialen und humanitären Projekten, die sowohl in Tschechien als auch international Wirkung zeigten. Besonders lag ihm die spirituelle Dimension caritativer Arbeit am Herzen.
Der damalige Bischof von Litoměřice, Jan Baxant, berief ihn 2009 zum Generalvikar. In dieser Funktion wirkte Přibyl sieben Jahre lang und verband organisatorische Verantwortung mit seelsorglicher Präsenz in der Region. 2016 wählten ihn die Bischöfe zum Generalsekretär der Tschechischen Bischofskonferenz und machten ihn damit zu einem der zentralen Repräsentanten der Kirche im öffentlichen Raum. Zugleich betreute er über ein Jahrzehnt hinweg die Pfarre Horní Police, wo er eine umfassende Restaurierung des Wallfahrtsareals leitete und zum Abschluss brachte – eines der größten denkmalpflegerischen Projekte der Diözese.
Begleitet wurde sein pastoraler Weg durch eine intensive akademische Entwicklung. Er erwarb an der Karls-Universität sowohl ein theologisches Lizenziat als auch einen Doktorgrad in Theologie und unterrichtet heute pastorale Theologie an derselben Fakultät. Ergänzend dazu studierte er Wirtschaft und Management in Ústí nad Labem und schloss dieses Studium als Ingenieur ab. Im vergangenen Jahr vollendete er zudem ein Doktoratsstudium der Kunstgeschichte mit einer Arbeit über den mittelalterlichen Prager Erzbischof Jan von Jenštejn, dessen theologisch inspirierte Visionen er in den Kontext der tschechischen Kunst- und Geistesgeschichte einordnete.
Am 23. Dezember 2023 wurde Stanislav Přibyl von Papst Franziskus zum Bischof von Litoměřice ernannt und am 2. März 2024 geweiht. Sein bischöfliches Leitwort „Pax vobis – Frieden euch“ versteht er als Programm: Er setzt auf Dialog, Versöhnung und die Überwindung gesellschaftlicher wie kirchlicher Gräben. Ein Schwerpunkt seines Wirkens liegt auf der Heilung historischer Wunden, insbesondere jener, die aus den gegenseitigen Kränkungen zwischen Tschechen und Deutschen nach 1945 herrühren. Für das Jahr 2026 rief er in seiner Diözese ein „Jahr der Versöhnung“ aus.
Als Bischof engagiert sich Přibyl für die geistliche Erneuerung der Gemeinden, für missionarische Initiativen, die Stärkung der pastoralen Dienste und die aktive Mitverantwortung der Laien. Er ist bekannt für seinen offenen Kommunikationsstil und seine Fähigkeit, kirchliche Themen verständlich und respektvoll in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zu vermitteln. Außerdem steht er der Kommission der Tschechischen Bischofskonferenz für den Schutz vor Missbrauch vor und wirkt als deren Vizepräsident.
Musik bleibt für ihn eine wesentliche Quelle geistlicher Inspiration. Seit seiner Kindheit begleitet ihn das Orgelspiel, und die liturgische Musik betrachtet er als Herzstück des geistlichen Lebens. Auch in seiner Freizeit sucht er Momente der Ruhe bei gutem Essen, Literatur, Musik oder auf Pilgerwegen, die er mit Humor, Bodenständigkeit und großer Nähe zu den Menschen verbindet.
Přibyl hat als Redemptorist sozusagen eine selbstverständliche Verbindung zu Wien.. Sein mährischer Landsmann und Mitbruder Klemens Maria Hofbauer ist bekanntlich der Stadtpatron von Wien.
Die Predigt zur Bischofsweihe von Přibyl am 2. März 2024 hielt Kardinal Christoph Schönborn, der 1945 nahe von Leitmeritz geboren wurde. Am 24. Jänner 2026 stand der neue Prager Erzbischof seinerseits bei der Weihe von Josef Grünwidl als Co-Kosekrator an der Seite von Schönborn.
Gemeinsam mit Erzbischof Grünwidl wird er wohl nun Ende Juni von Papst Leo das Pallium empfangen, das allen Metrpopoliten als besonderes Zeichen der Einheit mit dem Papst verliehen wird.