Ein Heiliger, der die Hand reicht – auch anderen Konfessionen und Religionen, wird er doch in der Ostkirche ebenso verehrt wie im Westen.
Er ist einer der bekanntesten Heiligen der Christenheit – und zugleich einer der unbekanntesten: Nikolaus von Myra, Bischof im 4. Jahrhundert, Patron der Kinder und Schutzheiliger der Seefahrer. Am 6. Dezember bringt er traditionell das „Nikolaussackerl“. Doch wer heute noch glaubt, der Heilige komme mit erhobenem Zeigefinger und drohendem Krampus, liegt falsch – zumindest, wenn es nach der Katholischen Jungschar geht.
„Der Nikolausbesuch soll Freude und Mut machen. Angst, Sündenregister oder ein drohender Krampus haben bei uns keinen Platz“, sagt Jungschar-Referent Matthias Graf gegenüber Kathpress. Der Heilige sei „Schutzpatron der Kinder, nicht ihr Erzieher oder Mahner“. Seit 40 Jahren wirbt die Jungschar für ein Bild des Nikolaus, das Nächstenliebe und Großzügigkeit betont – und nicht moralische Kontrolle.
„Hinschauen, helfen, anpacken, beschenken – ohne Gegenleistung“, beschreibt Diözesanseelsorger Thomas Lang die Essenz des Heiligen. Nikolaus könne „als solidarisches Vorbild für Kinder, Jugendliche und Erwachsene wirken“. Jeder und jede könne handeln wie er – „mit offenen Augen, einem bereiten Herzen und Händen, die anpacken“.
Dieses Verständnis prägt auch die sogenannten Nikolausschulen, die seit den 1990er Jahren künftige Nikoläuse und Nikoläusinnen ausbilden – Frauen ausdrücklich willkommen. Dort geht es um Legenden, Kostüm und Sprache, aber auch um die Frage: „Braucht Nikolaus einen weißen Bart?“ (Antwort: nein). Und: „Wie unterscheidet er sich vom Weihnachtsmann?“ (Antwort: deutlich).
Zum Jubiläum lädt die Jungschar am 6. Dezember in den Grazer Landhaushof: Familienprogramm ab 14 Uhr, Mitmachstationen für Kinder, Nikoläuse in der Herrengasse. „Die Resonanz zeigt, wie wichtig dieser Brauch vielen Menschen ist“, sagt Graf. Diskussionen um die Abschaffung des Nikolaus-Fests sieht man gelassen: Die Nachfrage nach Schulungen und Aktionen sei hoch.
Auch entwicklungspolitische Akzente gehören dazu: Die Männerbewegung „Sei So Frei“ unterstützt mit der „Aktion Fairer Nikolaus“ Projekte in Peru – finanziert durch den Verkauf fair gehandelter Schokoladenikoläuse.
Der Brauch, den Nikolaus zu den Kindern zu schicken, stammt aus dem Mittelalter: Damals wählten Klosterschüler einen „Kinderbischof“, der für einen Tag die Herrschaft übernahm. Der Krampus, heute fixer Bestandteil des Nikolausabends, kam erst später dazu – als Schreckgestalt für die Unartigen.
Gesicherte Fakten über den Heiligen gibt es kaum. Geboren Ende des 3. Jahrhunderts, gestorben um 350 in Myra, dem heutigen Demre in der Türkei. Überliefert ist seine Teilnahme am Konzil von Nicäa. Seine Gebeine liegen seit dem 11. Jahrhundert in Bari. Der Rest: Legende.