Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen und Religionen unterzeichneten Grundsatzerklärung und spendeten Blut
Im Wiener Rathaus ist am Mittwoch wieder der Wiener Religionsrat zusammengetroffen. Die Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaft unterzeichneten gemeinsam mit Bürgermeister Michael Ludwig eine Grundsatzerklärung, in der sie sich u.a. gegen religiös motivierte Gewalt, Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus aussprachen. Von den Teilnehmenden gab es im Anschluss zahlreiche positive Stellungnahmen zur Initiative.
Die Unterzeichnung der Grundsatzerklärung sei ein starkes Signal der Religionsgemeinschaften, sich gemeinsam für ein friedliches Zusammenleben in der Stadt einzusetzen, "auf der Basis humanitärer Grundwerte, die uns verbinden", so der reformierte Pfarrer Thomas Hennefeld gegenüber Kathpress. Gerade in Zeiten, "in denen Religionen instrumentalisiert werden, um Menschen gegeneinander aufzuhetzen und in einer Zeit, in der sich auch religionsfeindliche Kräfte breitmachen, die Religionen in die Privatsphäre abdrängen wollen", sei es wichtig, sichtbar zu machen, "dass Religionen ihren Platz in der Gesellschaft haben und für die Gesellschaft einen wichtigen Beitrag leisten", so Hennefeld.
Der Wiener evangelische Superintendent Matthias Geist unterstrich die Notwendigkeit, "dass wir als Religionsgemeinschaften gemeinsam gegen unqualifizierte und bösartige Stimmen auftreten und im Falle von Anfeindungen füreinander eintreten". Mit dem Religionsrat gebe es für die Kirchen und Religionsgemeinschaften in wichtigen Bereichen wie Bildung, Diakonie und Seelsorge eine Kommunikation auf Augenhöhe mit der Stadt Wien, würdigte Geist.
Lob kam auch vom methodistischen Superintendenten Stephan Schröckenfuchs. Dass sich so viele verschiedene Kirchen und Religionen sehr rasch und unkompliziert auf eine gemeinsame Grundsatzerklärung einigen konnten, sei eine sehr ermutigende Sache, so Schröckenfuchs. Die Plattform schaffe neben vielen lokalen Initiativen einen weiteren Raum für Begegnung und Austausch.
Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit
Die Grundsatzerklärung beinhaltet ein klares Bekenntnis zu humanitären Grundwerten wie Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit und der Gleichwertigkeit der Geschlechter. Gemeinsam positioniert sich der Religionsrat ausdrücklich gegen religiös motivierte Gewalt, den politischen Missbrauch von Religionen, gegen Rassismus, Antisemitismus, Antialevitismus, antimuslimische und antichristliche Tendenzen sowie generell gegen Ausgrenzung und Feindseligkeit gegenüber Religionen. Darüber hinaus enthält die Erklärung konkrete Maßnahmenvorschläge, etwa zur Bildungsarbeit gegen Vorurteile, zur Ausweitung seelsorgerischer Angebote in Krankenanstalten und Justizanstalten sowie zur Eindämmung von Hass und Radikalisierung in digitalen Medien.
Bürgermeister Ludwig hielt fest: "Die Grundsatzerklärung unterstreicht Wien als Stadt des Friedens und des Dialogs. Sie zeigt, dass interreligiöse Zusammenarbeit funktioniert und in unserer Stadt täglich gelebt wird."
Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Ümit Vural, betonte gegenüber dem ORF-Wien, "dass die Grundsatzerklärung alle Bereiche unseres Lebens sehr schön widerspiegelt, und dass wir gemeinsam uns dafür verständigt haben, unseren Beitrag zu leisten, dass insgesamt das Leben in Wien besser wird".
Er glaube, "es ist etwas Gutes, wenn man einen aktiven, praktischen Beitrag fürs Gemeinwohl setzen kann", sagte der Vorsitzende des Rats der Freikirchen in Österreich, Peter Zalud. Stefan Lorger-Rauwolf, Bereichsleiter "Kirche im Dialog" der Erzdiözese Wien, ergänzte: "Wir sind halt ein Teil auch der Stadtgesellschaft und wollen auch mitgestalten."
Der Wiener Religionsrat wurde von Bürgermeister Ludwig im Herbst 2023 nach dem Hamas-Terrorangriff auf Israel ins Leben gerufen. Da habe es ein "tolles Miteinander, ein Zusammenstehen" gegeben, so Benjamin Nägele, Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, "auch klare Äußerungen, auch von vielen Religionsgemeinschaften hier, die uns sehr, sehr viel bedeutet haben", auch weil es klare Kanten gegen Radikalität gegeben habe.
Dem Religionsrat gehören Vertreterinnen und Vertreter der gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften sowie religiösen Bekenntnisgemeinschaften an. Bei den regelmäßigen Sitzungen werden zentrale gesellschaftspolitische Themen diskutiert. Ein inhaltlicher Schwerpunkt der Beratungen am Mittwoch war etwa die Rolle von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz im urbanen Kontext.
Die Religionsgemeinschaften seien wichtige Akteure bei der Vermittlung von Orientierung, Werthaltungen und gesellschaftlichem Dialog, hieß es im Anschluss an die Sitzung in einer Aussendung der Stadt Wien. Als gemeinsamer Beitrag zum Wohl der Gesellschaft nahmen die Vertreter der Religionsgemeinschaften und Wiens Bürgermeister Ludwig zudem noch an einer Blutspendeaktion teil.