Im Seminarhotel Am Spiegeln startete ein zweitägiger Kurs, der Haltung, Methode und Praxis synodaler Entscheidungen in der Erzdiözese stärkt.
Am 16. und 17. Jänner fand im Seminarhotel Am Spiegeln in Wien‑Mauer der Kurs zur Moderation synodaler Prozesse in der Erzdiözese Wien statt. Gut 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus unterschiedlichen Bereichen kirchlichen Lebens und aus verschiedenen Generationen kamen zusammen, um sich intensiv mit Haltung, Ablauf und Praxis synodaler Beratung auseinanderzusetzen. Der Kurs entstand aus Impulsen des Inspirationstags für eine wachsende Kirche im März 2025 und reagiert auf den wachsenden Bedarf an Menschen, die synodale Prozesse vor Ort verantwortungsvoll begleiten können. Im Zentrum der beiden Tage stand das „Gespräch im Geist“ als Kern synodalen Arbeitens. Dabei wurde deutlich, dass synodales Entscheiden nicht allein auf Methoden beruht, sondern vor allem eine eingeübte innere Haltung braucht. Diese Haltung schließt die Bereitschaft ein, aktiv zuzuhören, eigene Positionen nicht vorschnell zu verteidigen und sich auch auf Sichtweisen einzulassen, die zunächst irritieren oder herausfordern.
Prägend für den Kurs waren die Impulse von Andrew Spitieri, Mitglied der Fokolarbewegung. Er war als Mitarbeiter und Facilitator an beiden Sitzungsphasen der Bischofssynode zur Synodalität, Teilhabe und Mission in den Jahren 2023 und 2024 im Vatikan beteiligt. Aus dieser Erfahrung heraus konnte er den Teilnehmenden die Arbeitsweise der Synode sowie die Intuition und das zentrale Anliegen von Papst Franziskus nahebringen. Dabei ging es vor allem um eine Kirche, die lernt, gemeinsam zu hören, Unterschiede auszuhalten und Entscheidungen geistlich zu treffen. Diese Linie wird auch von Papst Leo weitergeführt, der das Gespräch im Geist bereits für das jüngsten Konsistorium des Kardinalskollegiums aufgegriffen hat.
Im praktischen Teil des Kurses wurde das Gespräch im Geist konkret eingeübt. Aktives Hören, gleichmäßige Redezeiten, bewusst gehaltene Stille und das Wahrnehmen innerer Regungen prägten den Ablauf. Ziel war es, gemeinsame Ergebnisse so zu formulieren, dass sie von der Gruppe getragen werden und als Grundlage für weiteres Arbeiten dienen können. Dabei wurde erfahrbar, dass das Gespräch im Geist nicht auf schnelle Lösungen abzielt, sondern auf ein tieferes gemeinsames Verstehen.
Im Verlauf der zwei Kurstage entstand unter den Teilnehmenden eine spürbare innere Verbundenheit. Viele beschrieben die Erfahrung, sich ernsthaft gehört und eingebunden zu fühlen. Gleichzeitig wuchs die Zuversicht, synodale Prozesse im eigenen Umfeld leiten und begleiten zu können, sei es in Pfarren, kirchlichen Dienststellen, Ordensgemeinschaften und neuen Bewegungen. Der Kurs setzte damit einen wichtigen Schritt, synodale Kultur in der Erzdiözese Wien konkret zu stärken.