Die Erzdiözese Wien feiert die Weihe ihres neuen Bischofs und seine Amtseinführung
Dies geschieht in mehreren symbolischen Etappen in einer Feier.
Der neue Erzbischof beginnt seinen Weg beim Erzbischöflichen Palais, seinem täglichen Arbeitsplatz und Ort der Begegnung. Er macht sich nicht allein auf den Weg zum Dom – Jugendliche, die sich kirchlich engagieren, begleiten ihn. Wie es in niederösterreichischen Gemeinden Brauch ist, spielt die Blasmusik auf. Unter dem Klang der Pummerin wird der künftige Erzbischof gemeinsam mit seiner Begleitung vom Domkapitel vor dem Riesentor begrüßt und in seine Kathedrale, der Kirche mit seinem Bischofsitz – der „Kathedra“ – geführt. Vor der Ikone von Maria Pócs betet Josef Grünwidl zunächst still, wie tausende Menschen es täglich hier im Dom tun.
In der Mitte des Domes, unter dem mächtigen Lettnerkreuz steht das gläserne Taufbecken. Der Gottesdienst schlägt hier, noch vor dem eigentlichen Beginn, eine Brücke zur Taufe, in der die gemeinsame Berufung aller Getauften grundgelegt ist.
Hier, inmitten aller, wird das Ernennungsschreiben von Papst Leo durch eine Seelsorgerin aus dem Weinviertel verlesen. Vertreter:innen der anderssprachigen Gemeinden in Wien und der Vikariatsräte (Vertreter der Pfarrgemeinden) sitzen rund um das Taufbecken als Zeug:innen. Aus der gemeinsamen Berufung der Taufe heraus nimmt Josef Grünwidl seine Ernennung an. Gott wollte ihn „nicht perfekt, sondern verfügbar" – wie uns alle. Daran erinnert das Taufwasser, das nun über alle ausgesprengt wird.
Während in der Sakristei die Gewänder für den Gottesdienst angelegt werden, bereiten sich alle im Dom auf die Weiheliturgie vor. Der Dom möge mit der Kraft des Heiligen Geistes gefüllt werden. Dann können der zu Weihende gemeinsam nit Haupt- und Mitkonsekratoren feierlich zum Altar ziehen. Dass für die Bischofsweihe zumindest drei Bischöfe nötig sind, hat schon das konzil von Nicäa, das erste der großen Konzilien der Kirche im jahr 326 vorgeschrieben.
Der erste Teil der Liturgie ist vom Hören auf das Wort Gottes und seiner Auslegung geprägt.Die Bischofsweihe folgt wie die Diakonen- und Priesterweihe einem einfachen, aber eindrücklichen Rhythmus, der mit der Bitte um das Wirken des Geistes beginnt.
Während der Erwählte ausgestreckt auf dem Boden liegt, vereint sich die Kirche der Gegenwart mit der Kirche der Vergangenheit, den Heiligen, und bestürmt „litaneiartig“ den Himmel mit ihren Bitten für die Welt, die Kirche und den Erwählten. Danach legen die Bischöfe allen voran der Hauptkonsekrator, Kardinal Christoph Schönborn OP, die beiden Mit-Konsekratoren, Erzbischof Franz Lacknner ofm und der Leitmeritzer Bischof Stanislav Přibyl CSsR und danach alle anwesenden Bischöfe dem Erwählten in tiefer Stille die Hände auf, nur die Pummerin erlaubt sich mit ihrer vertrautem Klang, die Bedeutung dieses Augenblicks hervorzuheben. Das Auflegen der Hände ist das biblische Zeichen der Geistbegabung. Indem die anwesenden Bischöfe als Nachfolger der Apostel tun, was schon jene getan haben, schreiben sie die Zukunft der Kirche durch die Generationen fort. Die seit den Aposteln ungebrochene Reihe an Handauflegungen ist das Zeichen der Erwählung von Christus her. ER, der fürsorgliche Hirte seines Volkes, erwählt und ermächtigt zum Hirtendienst für die Seinen.
In einem feierlichen Weihegebet wird diese radikale Rückbindung auf Christus ausgedrückt. Während alle Bischöfe für den neuen Bischof beten, kniet er unter dem geöffneten Evangelienbuch, das von einem Priester, einem Diakon, einer Pastoralassistentin und einer Religionslehrerin gehalten wird. Das feierliche Amen aller Anwesenden bestätigt das Gebet der Bischöfe und macht es zum gemeinsamen Gebet der Kirche: „So sei es!“ Der Bischof ist „geweiht“.
Wie bei der Taufe wird nun mit Zeichen beschrieben, welche Konsequenzen sich aus der Weihe für die Art und Weise der Amts- und Lebensführung ergeben. Das Haupt des Neugeweihten wird mit Chrisam gesalbt, wie bereits auch bei seiner Taufe und Firmung. Das neue Evangeliar, das ihm überreicht wird, passt zum gläsernen Taufbecken des Beginns und enthält neben den Evangelien viele leere Seiten für die Namen jener Menschen, die mit dem Erzbischof das Evangelium lebendig werden lassen möchten. Verkündigung und Mission ist erste Aufgabe des Bischofs, aber keine einsame! Bischofsring und Mitra sind die sichtbaren Zeichen der Würde des bischöflichen Dienstes und erinnern den Träger an seinen Auftrag, zu leben, was er lehren wird.
Jetzt, nach seiner Bischofsweihe, kann Josef Grünwidl das Amt des Erzbischofs von Wien antreten. An der Kathedra mit seinem Wappen erwartet er den Bischofsstab, der von Hand zu Hand in der Mitte des Domes weitergegeben wird, bis sein Vorgänger ihm den Stab übergibt und der neue Erzbischof erstmals auf seiner Kathedra zum Sitzen kommt. Das Sitzen hat eine symbolische Bedeutung und verweist auf den sitzend lehrenden Christus bei der Bergpredigt (Mt 5,1-2). Mit diesem Akt hat die Erzdiözese Wien ihren 33. Bischof. Alle anwesenden Bischöfe reichen dem neuen Mitbruder den Friedensgruß als Zeichen weltumspannender Kollegialität.
Der neue Erzbischof bleibt aber nicht lang an seiner Kathedra. Sein erster Weg führt ihn zu seinen Mitarbeiter:innen aus den unterschiedlichen Bereichen. Damit drückt er seine Bitte um Mitarbeit aus und erfährt dankbar Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Im linken Seitenschiff begegnet er den Pastoralassistent:innen, den Diakonen und seinem Presbyterium, den Priestern. Auch die Dommusik und die Domsingschule im rechten Seitenschiff dürfen nicht fehlen.
Es ist Zeit, Gott zu danken und den großen Lobpreis über Brot und Wein unter der erstmaligen Leitung des neuen Erzbischofs zu feiern. Die Eucharistie beginnt mit der Prozession der Gaben und dem Sammeln für die Notleidenden. Nicht nur der Altar, sondern der ganze Dom wird für die Eucharistie bereitet. 150 Ministrantinnen und Ministranten zeigen zusammen mit den Priesterseminaristen im Altarraum, wie schön Teamwork und wie jung Kirche sein kann. Der eucharistische Lobpreis schließt mit dem gleichen zustimmenden Amen aller wie das Weihegebet.
Die Hostien zur Kommunion sind alle aus großen Hostien herausgebrochen, wie sie der neue Erzbischof zur Feier heute in Händen hält. Die gebrochenen Stücke verweisen auf die Teilhabe an dem einen Leib Christi, der einen Feier, der einen Kirche. Indem wir Anteil haben am Leib Christi in der Kommunion, haben wir Anteil an der Gemeinschaft. Das ist der inner(lich)e Bauplan der Kirche. Und was hier im Dom gilt, gilt jeden Sonntag für unser Netzwerk der Gemeinden, Pfarren, Klöster und Gemeinschaften unserer Diözese. Daher wird ab heute bei jeder Heiligen Messe der Name des Erzbischofs im Hochgebet genannt.
Noch bevor der neue Erzbischof erstmals das Wort an die Menschen in unserer Diözese richtet, stimmt er das Lob Gottes an und segnet sie. Das Miteinander von Gesellschaft und Kirche in Österreich findet durch die Grußworte aus Niederösterreich und Wien seinen Ausdruck. Bevor der Erzbischof aber segnet, betet die Gemeinde für ihn: Segnen und gesegnet werden – ein Zeichen wechselseitiger Obsorge und des gemeinsamen Wohlwollens – das gilt auch über die Grenzen der eigenen Konfession hinweg. Dann ist wirklich Zeit zu starten. Gemeinsam mit Bischöfen, Priestern und Diakonen macht sich Erzbischof Grünwidl auf den Weg in die Zukunft. Er freut sich auf eine Begegnung mit jedem Einzelnen, heute bei der Agape am Stephansplatz oder bei nächster Gelegenheit!
Eröffnungsgesang: GL 927
Gloria: GL 715/2
Kehrvers zum Antwortpsalm: GL 31/1
Halleluja: GL 175/3
Bitte um den Heiligen Geist: GL 342, 1.+3.+5. Strophe (2.+4.+6. Singt Chor auf Latein)
Heiligenlitanei: GL 556
Ruf zu den ausdeutenden Riten: GL 56/1
Danklied nach der Amtsübernahme: GL 405
Sanctus: GL 715/3
Te Deum: GL 380