Designierter Erzbischof gab bei Pressegespräch im Vorfeld seiner Bischofsweihe nochmals ausführlich über sein Amtsverständnis Auskunft - "Habe im Juni 2024 erfahren, dass ich auf der Liste stehe" - Aufgabe der kirchlichen Gemeinschaft, "als Zeichen der Hoffnung in der Welt zu leben"
Als Erzbischof von Wien will Josef Grünwidl "Seelsorger, Brückenbauer, Teamplayer" sein und mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch kommen. Das hat er am Mittwoch bei einem Pressegespräch im Vorfeld der anstehenden Bischofsweihe am Samstag im Stephansdom betont. Grünwidl zitierte eingangs den hl. Augustinus und dessen Reflexionen über das Bischofsamt: "Wenn das, was ich für euch bin, mich erschreckt, gibt mir das, was ich mit euch bin, Zuversicht. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ."
Der designierte Erzbischof räumte nochmals freimütig ein, dass er anfangs sehr erschrocken gewesen sei, als er erfahren habe, ernsthaft als Erzbischof-Kandidat erwogen zu werden. - "Ich habe es im Juni 2024 erfahren, dass ich auf der Liste stehe und dass Kardinal Schönborn auch daran denkt, mich als seinen Nachfolger zu sehen." - Er habe lange gebraucht, um sich mit dieser Aufgabe auseinanderzusetzen und schließlich "Ja" zu sagen. Doch wenn sogar der hl. Augustinus vor dem Bischofsamt erschrocken sei, dann dürfe auch er vor diesem großen Amt Respekt haben. Nun komme zum Respekt aber die Zuversicht.
Er gehe dem Tag der Weihe in großer Dankbarkeit und mit Freude und Hoffnung entgegen, so Grünwidl. Er wolle die aktuellen Probleme der Kirche nicht kleinreden, aber: "Ich definiere die Kirche nicht in erster Linie über Probleme, Defizite, über Statistiken und Strukturen, sondern über die biblische Verheißung. Und die besagt: Wir sind Volk Gottes. Auch wenn sich die vertraute Gestalt der Kirchen gerade dramatisch ändert, wird es mit unserer Kirche gut weitergehen." Nachsatz: "Allerdings ganz anders als wir es gewohnt sind." Diese Hoffnung leitet ihn mehr als der Blick auf Zahlen, Statistiken und Umfragen.
Die Grundbotschaft der Kirchen laute: "Mensch, du bist geliebt, und aus dieser Zusage heraus kannst auch du Liebe weiterschenken und die Welt verändern." Diese Botschaft zu den Menschen zu bringen, sei der Auftrag der Kirche "und dazu möchte ich als neuer Erzbischof in Wien auch meinen Beitrag leisten".
Grünwidl plädierte beim Pressegespräch auch für einen verstärkten Blick auf die Weltkirche. Man sei oft sehr mit eigenen Problemen beschäftigt, insofern sei es gut, auch über diesen Horizont hinauszuschauen und sich bewusst zu machen: "Wir leben in einer Weltkirche, die sehr bunt ist, die in unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs ist und es in Teilen der Erde ganz andere Fragen und Probleme gibt als bei uns in Mitteleuropa." Die Buntheit und Vielfalt mache die Weltkirche zugleich lebendig und herausfordernd.
Vom Konzil geprägt
Grünwidl verwies auf Papst Leo XIV., der bei der Schlussansprache beim Außerordentlichen Konsistorium in Rom vor einigen Tagen das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) und seine Texte in den Mittelpunkt stellte. Der Papst wolle in diesem Jahr auch in seinen wöchentlichen Ansprachen immer wieder diese Texte und Beschlüsse des Konzils darlegen. Die Kirche als Gemeinschaft und eine synodale Leitungskultur seien dabei ganz zentrale Elemente, zu denen Leo XIV. einlade. Das brauche es in der Erzdiözese Wien wie auch auf weltkirchlicher Ebene.
Grünwidl erinnerte an Erzbischof Kardinal Franz König und die Wiener Weihbischöfe Florian Kuntner und Helmut Krätzl, die ihn sehr geprägt hätten. Er sehe sich in dieser Tradition, "die die Kirche mit dem Bild des Zweiten Vatikanischen Konzils als wanderndes Gottesvolk, als Gemeinschaft versteht". Es gehe darum, "als Zeichen der Hoffnung in der Welt zu leben". Und mitunter auch die Stimme zu erheben. Etwa wenn es um Fragen der Armut oder der Migration geht. Grünwidl: "In der jüdisch-christlichen Tradition, in der Bibel haben die Fremden, die Obdachlosen und die Hilfsbedürftigen einen ganz hohen Stellenwert, weil uns in diesen Menschen Gott selbst begegnet."
Der designierte Erzbischof nahm im Rahmen des Pressegesprächs auch einmal mehr zu den "heißen Eisen" Zölibat und Weiheamt für Frauen Stellung. Er sei dafür, den Priestern den Zölibat freizustellen. Die Beispiele von verheirateten Priestern in Geschwisterkirche und auch in den katholischen Ostkirchen zeigten, dass dies möglich sei "und hier sollten wir überlegen, ob es hier eine Änderung geben kann", so Grünwidl.
Ebenso würde er die Öffnung des Diakonats für Frauen für einen möglichen und guten Schritt halten. "Das wird zurzeit weltkirchlich auch theologisch heftig diskutiert und ich hoffe, dass es hier Änderungen gibt." Freilich: Die angesprochenen Themen seien nicht die zentralen Fragen für die Kirche. Zentral sei vielmehr: "Wie können wir die Botschaft vom biblischen Gott heute glaubwürdig den Menschen vermitteln?"