Mitra, Ring, Brustkreuz und Hirtenstab verweisen auf Auftrag, Verantwortung und geistliches Amtsverständnis des neuen Erzbischofs und sind wie sein Wahlspruch eng mit seiner persönlichen wie kirchlichen Biografie verbunden
"Möglichst einfach und schlicht." So sollen auf Wunsch des künftigen Wiener Erzbischofs seine bischöflichen Insignien sein, wie Josef Grünwidl am Mittwoch im Rahmen eines Pressetermins im Wiener Stephansdom ausführte. Ring, Hirtenstab, Mitra und Brustkreuz spielen bei der Weihe Grünwidls zum 33. Erzbischof von Wien am Samstag (24. Jänner) im Stephansdom eine zentrale Rolle. Die bischöflichen Insignien verweisen auf Auftrag, Verantwortung und geistliches Amtsverständnis des neuen Erzbischofs und sind eng mit seiner persönlichen wie kirchlichen Biografie verbunden.
Darauf geht auch das Magazin "Melodie Gottes" aus dem Medienhaus der Erzdiözese Wien ausführlich ein, das beim Pressetermin mit dem künftigen Erzbischof erstmals gezeigt wurde. Der Titel des Sonderheftes nimmt Bezug auf Grünwidls Wahlspruch "Melodiam Dei recipite" ("Nehmt Gottes Melodie in euch auf"). Gemacht wurde es von der Wiener Kirchen Zeitung "Der Sonntag" gemeinsam mit " radio klassik Stephansdom" und dem Wiener Dom-Verlag anlässlich der Bischofsweihe. Im Magazin sind auch schon Mitra, Ring, Brustkreuz und Hirtenstab abgebildet, die erstmals bei der Weiheliturgie am Samstag verwendet und real zu sehen sein werden.
Neuer, alter Hirtenstab
Der Hirtenstab (Pastorale) als Symbol des Schutzes, des Stützens und des Sammelns wird am Samstag während des Gottesdienstes durch den Stephansdom bis zur Kathedra weitergereicht werde. "Es ist eine Stabübergabe!", wie der erzbischöfliche Zeremoniär Martin Sindelar im Rahmen des Pressetermins ausführte. Mit dem anschließenden Platznehmen auf der Kathedra, dem bischöflichen Stuhl, wird der neue Erzbischof als Lehrer und Nachfolger der Apostel eingesetzt.
Grünwidl verwendet einen schlichten hölzernen Stab mit silberner Krümme, ein Werk des Seckauer Goldschmieds Br. Bernward Schmid (1920-2010). Der Stab gehörte einst Weihbischof Helmut Krätzl (1931-2023), dessen Zeremoniär Grünwidl war. Er wurde auch von Kardinal Franz König und Weihbischof Florian Kuntner verwendet. Alle drei Bischöfe stehen für die Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Wiener Erzdiözese "und haben mich in meiner Jugend sehr geprägt", wie Grünwidl bekannte. Das Domkapitel stellt den Stab dem neuen Erzbischof auf Amts- und Lebenszeit zur Verfügung. Für die neue Verwendung wurde er von der Dombauhütte und Diakon Edwin Zaloha, einem gelernten Goldschmied, restauriert.
Konzilsring und Papst-Franziskus-Brustkreuz
Der Bischofsring - der ähnlich wie dem Brautpaar bei der Trauung dem Bischof bei seiner Weihe der Ring angesteckt wird - steht für Bindung und Treue. Bei der Übergabe heißt es: "Trag diesen Ring als Zeichen deiner Treue. Denn in unverbrüchlicher Treue sollst du die Braut Christi, die heilige Kirche, vor jedem Schaden bewahren." Grünwidl entschied sich für eine silberne Nachbildung des ursprünglich goldenen Konzilsrings, den Papst Paul VI. den Vätern des Zweiten Vatikanischen Konzils schenkte. Der "schlichte und einfache Konzilsring", so Grünwidl, zeigt Christus sowie die Apostelfürsten Petrus und Paulus und steht für Gemeinschaft und ein synodales Amtsverständnis.
Die Mitra des neuen Erzbischofs wurde von Gerlinde Frank, Mitarbeiterin im erzbischöflichen Sekretariat und der Paramentik-Schneiderin Brigitte Nachbargauer entworfen. Sie musste neu gefertigt werden, weil eine Übernahme einer schon älteren Mitra eines Vorgängers "unüblich und wegen der Umarbeitung auch sehr aufwendig wäre", so der künftige Erzbischof. Schlichte Wellenlinien auf der Mitra formen sieben Flammen als Zeichen für die sieben Gaben des Heiligen Geistes - "die werde ich sicher brauchen als Erzbischof von Wien", so Grünwidl.
Das Brustkreuz (Pektorale) verweist auf die besondere Zugehörigkeit des Bischofs zu Christus. Grünwidl trägt eine Kopie des silbernen Kreuzes von Papst Franziskus, das Christus als Guten Hirten zeigt. Im Gegensatz zu den anderen Insignien wird das Pektorale nicht eigens überreicht, da es entsprechend der Tradition unter dem Messgewand getragen und daher bereits vor dem Gottesdienst angelegt wird.
Gottes Melodie aufnehmen
Grünwidl hat als Wahlspruch "Melodiam Dei recipite" ("Nehmt Gottes Melodie in euch auf") gewählt. Das Zitat stammt aus einem griechischen Brief des frühchristlichen Märtyrers Ignatius von Antiochien an die Gemeinde von Ephesus und wurde für den lateinischen Wahlspruch adaptiert. Wie die Erzdiözese erläutert, soll damit das seelsorgliche Anliegen des Erzbischofs ausgedrückt werden: die "Melodie Gottes", das Evangelium, "den Menschen ins Ohr und Herz zu pflanzen". Grünwidl hatte den Wahlspruch bereits im Vorfeld seiner Weihe als geistliche Orientierung benannt.
Das Wappen des Erzbischofs ist mit mehreren symbolischen Elementen gestaltet: Über dem Wappenschild befindet sich der traditionelle Klerushut ("Galero") mit je vier grünen Quastenreihen an den Seiten. Hinter dem Schild ist das erzbischöfliche Kreuz mit zwei Querbalken angeordnet. Ab der Verleihung durch den Papst wird unter dem Wappenschild zudem das Pallium als Zeichen des Metropoliten abgebildet.
Auf dem Schild selbst ist zweimal das Wappen der Erzdiözese Wien zu sehen, sowie das Wappen von Grünwidls Geburtsort Wullersdorf. Im vierten Feld des Wappens sind fünf Orgelpfeifen abgebildet - für Grünwidl nicht nur als Zeichen seiner Verbundenheit mit der Kirchenmusik und Ausdruck seines Wahlspruchs ("Nehmt Gottes Melodie in euch auf"). "Eine Orgel mit ihren vielen unterschiedlichen Pfeifen, den großen und kleinen, den sichtbaren und unsichtbaren, symbolisiert für mich die Kirche in ihrer Vielfalt und Einheit." So wie die Orgel den Wind brauche, um zu erklingen, brauche die Kirche das Wehen des Geistes, so der künftige Wiener Erzbischof.