Mit zwei zentralen Personalentscheidungen startet der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl in seine Amtszeit: Ab 1. Februar übernimmt Richard Kager die Leitung des Vikariats unter dem Wienerwald. Im Herbst folgt Andreas Kaiser als Generalvikar und tritt damit am 1. September die Nachfolge von Nikolaus Krasa an.
Ab 1. Februar steht das südliche Vikariat der Erzdiözese Wien unter neuer Leitung: Der Perchtoldsdorfer Pfarrer Richard Kager übernimmt die Funktion des Bischofsvikars. Er bleibt zugleich Pfarrer der Pfarren Perchtoldsdorf, Gießhübl und Kaltenleutgeben.
Erzbischof Grünwidl betont, dass die Entscheidung auf breiter Zustimmung basiert: „Bei der Befragung unter den Dechanten und den Vikariatsräten ist von sehr vielen der Name Richard Kager genannt worden. Ich schätze ihn sehr – er war mein Wunschkandidat als Pfarrer von Perchtoldsdorf und ist es auch als Bischofsvikar.“
„Ich nehme diese Aufgabe in Demut und Dankbarkeit an“
Für Kager selbst kam die Ernennung überraschend. „Das war für mich sehr unerwartet“, sagt er. „Aber ich nehme diese große Aufgabe an – in Demut und in Dankbarkeit für das große Vertrauen, das mir seitens unseres neuen Erzbischofs Josef sowie meiner Dechanten und Vikariatsräte entgegengebracht wurde.“
Wichtig ist ihm, seine pfarrliche Tätigkeit fortzuführen: „Dort schlägt mein priesterliches Herz, dort erlebe ich Kirche in ihrer Vielfalt und Lebendigkeit mitten im Alltag der Menschen.“
Kager, 57, stammt aus Tauchen am Wechsel und wuchs als jüngstes von sechs Kindern auf einem Bauernhof auf. Nach der Matura trat er ins Wiener Priesterseminar ein. Sein Theologiestudium führte ihn nach Wien, Würzburg und schließlich nach Fribourg, wo er 2004 im Fach Dogmatik promovierte. Von 2004 bis 2006 war er theologischer Berater im Stab von Kardinal Christoph Schönborn. Nach mehreren Pfarrstationen übernahm er 2023 den Seelsorgeraum Föhrenberge und wirkt dort als Dechant.
Zum 1. September tritt Andreas Kaiser die Nachfolge von Nikolaus Krasa als Generalvikar an. Die frühzeitige Bekanntgabe soll ein geordnetes Hineinwachsen in das Amt ermöglichen. Grünwidl beschreibt seinen künftigen Generalvikar als „umsichtigen und erfahrenen Seelsorger und Dechanten“, der die Erzdiözese gut kenne und vernetzt sei.
Auch Kaiser äußert sich offen zu seiner Ernennung – und mit einer kleinen Prise Humor: „Ich bin sehr gerne Pfarrer und habe erst vor nicht ganz vier Jahren den Pfarrverband Am Jakobsweg im Weinviertel übernommen. Doch komme ich der Bitte des Erzbischofs selbstverständlich nach. Ich werde es mit der kleinen jesuitischen Weisheit angehen: Wenn ich es schon tun muss, dann mach ich es gerne.“
Zugleich betont Kaiser seine Vorfreude: „Ich freue mich auf die Aufgaben und Gestaltungsmöglichkeiten, die dieses für mich neue Amt möglich machen. Vor allem aber freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit Erzbischof Josef, um ihn mit meinen Möglichkeiten in seinem Dienst unterstützen zu können.“

Kaiser wurde 1972 in Reichenau an der Rax geboren. Nach der Matura und dem Präsenzdienst studierte er zunächst Forstwirtschaft, bevor er ins Priesterseminar eintrat. 2006 empfing er die Priesterweihe, später promovierte er im Fach Liturgie. Pastoralstationen führten ihn u. a. an die Dompfarre St. Stephan und nach Ober St. Veit. Seit 2022 leitet er den Pfarrverband Am Jakobsweg-Weinviertel, seit 2025 ist er Dechant des Dekanats Stockerau. Zudem unterrichtet er katholische Religion an Volksschulen.
Bis Anfang September bleibt Nikolaus Krasa im Amt – dann endet eine der längsten Generalvikarsperioden der jüngeren Diözesangeschichte. Erzbischof Grünwidl würdigt seine Arbeit: Krasa habe „den von Kardinal Christoph Schönborn initiierten Erneuerungsprozess unserer Erzdiözese klug, konsequent, mit viel Energie und Herzblut weitergeführt“. Krasa selbst blickt mit Erleichterung auf den bevorstehenden Übergang: „Ich bin froh, in einem Alter, in dem meine Schulkollegen bereits teilweise mehrere Jahre in Pension sind, die durchaus herausfordernde Aufgabe eines Generalvikars in jüngere Hände legen zu dürfen.“ Nikolaus Kras ist mit 15 Jahren Amtszeit der längstdienende Generalvikar seit mehr als 70 Jahren (seit Franz Kamprath, der das Amt von 1929-1952 innehatte).