Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 9.1.2026
Eiskalt ist es draußen. Die extreme Kälte hat Österreich fest im Griff. Gut, wer im Warmen sitzen kann und sich nicht um die ständig steigenden Heizkosten Sorgen machen muss. Viel schwieriger ist die Situation für Menschen, die auf der Straße leben. Obdachlose, die bei Minusgraden ohne Schutz vor Kälte im Freien schlafen, auf Parkbänken, in Haltestellen. Sie drohen zu erfrieren. Ein Anruf beim Kältetelefon der Caritas kann Leben retten: 01 480 45 53.
Eiskalt sind in diesen Tagen nicht nur die Temperaturen, sondern auch das politische Kalkül und Agieren. Wenn Bodenschätze mehr wert sind als Menschenleben. Wenn nur das Recht des Stärkeren zählt. Ein vierter Kriegswinter in der Ukraine. Hunderttausende Tote zählt das eiskalte Erobern im Nachbarland. Drohgesten bestimmen das politische Klima. Gegenseitiges Vertrauen wird aufs Spiel gesetzt. Verloren geht dabei das Klima des Zusammenhalts. Ohne Mitgefühl und menschliche Wärme wird die Gesellschaft frostig. Soziale Kälte wirkt oft schlimmer als eisige Temperaturen. Ein Funken Licht, Aufmerksamkeit füreinander, ein gutes Wort und ein Lächeln trotz der Kälte, das schenkt Wärme, mitten im kalten Winter.