Wechsel an der Spitze der IOR-Kardinalskommission – Petrocchi folgt nach
Kardinal Christoph Schönborn hat nach rund zwölf Jahren seine Tätigkeit in der Kardinalskommission der Vatikanbank (Istituto per le Opere di Religione, IOR) beendet und den Vorsitz zurückgelegt. Der Vatikan gab am Montag den Wechsel an der Spitze des Gremiums bekannt. Im Interview mit Kathpress zog Schönborn eine positive Bilanz seiner Amtszeit und sprach von einer „grundlegenden Sanierung“ des Instituts. „Ich blicke mit großer Dankbarkeit auf die vergangenen zwölf Jahre zurück“, erklärte der Wiener Erzbischof. Es sei gelungen, „eine durch Korruption beschädigte Finanzinstitution grundlegend zu sanieren und dieser wieder Glaubwürdigkeit zu verleihen“. Die Vatikanbank sei zwar klein im Vergleich zu internationalen Großbanken, „aber sie liegt im Vatikan – und daher ist die Aufmerksamkeit besonders groß“.
Schönborn erinnerte an die schwierige Ausgangslage zu Beginn seiner Amtszeit: „Es lag wirklich sehr viel im Argen. Man kann durchaus von Korruption sprechen, und zwar auch in den eigenen Reihen.“ Erst Papst Franziskus sei es gelungen, mit großer Entschlossenheit die notwendigen Reformen einzuleiten und hochrangige Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Finanzwesen einzubinden.
Besonders hob Schönborn den langjährigen IOR-Generaldirektor Gian Franco Mammì sowie den Aufsichtsrat unter seinem Präsidenten Jean-Baptiste de Franssu hervor. Deren Arbeit habe „innerhalb der internationalen Finanzgemeinschaft große Anerkennung und Wertschätzung gefunden“.
Ein Beispiel für die erfolgreiche Neuausrichtung sei die Wiederherstellung internationaler Bankbeziehungen: 2014 habe das IOR lediglich mit der Deutschen Bank arbeiten können, während heute über 40 internationale Banken mit dem Institut kooperieren. Auch die wiederkehrenden Überprüfungen durch „Moneyval“, das Fachgremium des Europarates zur Bekämpfung von Geldwäsche, hätten stetig bessere Ergebnisse gebracht.
Trotz der erreichten Fortschritte sieht Schönborn weiterhin Reformbedarf: „Eine Institution wie das IOR muss sich stets weiterentwickeln.“ Entscheidend sei nun eine noch engere Zusammenarbeit der verschiedenen vatikanischen Einrichtungen. Er zeige sich überzeugt, dass Papst Leo XIV. den von Papst Franziskus eingeschlagenen Kurs konsequent fortsetzen werde.
Seine eigene Amtszeit sei bereits vor zwei Jahren regulär ausgelaufen, doch Papst Franziskus habe ihn nochmals verlängert. „Jetzt fällt es mir leicht, die Verantwortung weiterzugeben“, so der Kardinal.
Neuer Präsident der IOR-Kardinalskommission ist der italienische Kardinal Giuseppe Petrocchi, der dem Gremium seit 2020 angehört. Petrocchi war zuletzt Vorsitzender der zweiten päpstlichen Kommission zum Frauendiakonat und ist Mitglied im vatikanischen Wirtschaftsrat sowie im Dikasterium für den Klerus. Neu in die Kommission berufen wurde der spanische Kardinal Ángel Fernández Artime. Weitere Mitglieder sind die Kardinäle Konrad Krajewski, Luis Tagle und Emil Tscherrig.
Petrocchi erklärte in einer Aussendung des Vatikans, er habe in den vergangenen Jahren „wichtige Entwicklungen erlebt, die das Institut im Dienst des Heiligen Vaters und der Universalkirche verwirklicht hat“. Man werde den Reformweg „im Zeichen kontinuierlicher Verbesserung, synergetischer Zusammenarbeit und voller Transparenz“ fortsetzen.
Das „Institut für religiöse Werke“ ist die einzige Einrichtung im Staat der Vatikanstadt, die professionelle Finanzdienstleistungen erbringen darf. Es verwaltet Vermögenswerte in Übereinstimmung mit der katholischen Soziallehre und betreut mehr als 12.000 kirchliche Kundinnen und Kunden in über 110 Ländern. In den Jahren 2023 und 2024 erzielte das Institut jeweils Gewinne von mehr als 30 Millionen Euro, die zu einem großen Teil an den Heiligen Stuhl abgeführt wurden.