Emeritierter Wiener Erzbischof feiert Segensgottesdienst mit von Armut betroffenen Menschen im Stephansdom. Designierter Erzbischof Grünwidl bittet Anwesende um ihr Gebet und spricht Einladung für 25. Jänner aus.
Anlässlich des Welttages der Armen hat Kardinal Christoph Schönborn am Samstagnachmittag im Stephansdom einen Segensgottesdienst mit Menschen gefeiert, die von Armut betroffen sind. Die Veranstaltung, die traditionell mit dem Caritas- bzw. Elisabethsonntag zusammenfällt, stand heuer ganz im Zeichen des neuen päpstlichen Lehrschreibens „Dilexi te“ von Papst Leo XIV., welches den Kampf gegen die Armut als zentrale Aufgabe der Kirche bekräftigt.
Zu Beginn der Feier begrüßte der ernannte Erzbischof, Administrator Josef Grünwidl die Versammelten und bat sie um ihr Gebet für seinen neuen Dienst. Zugleich lud er sie zu einem besonderen Gottesdienst am Tag nach seiner Bischofsweihe ein,
Der Gottesdienst war geprägt von Symbolen der Nähe und Gemeinschaft. Der Einzug mit dem Lied „Herr, Du bist meine Hoffnung“, das in verschiedenen Sprachen gesungen wurde, unterstrich die globale Verbundenheit. In den Fürbitten wurden die Nöte der Menschen sehr konkret benannt: von Krieg und Obdachlosigkeit über das Leid traumatisierter Kinder bis hin zur Einsamkeit.
Unter dem Motto "Hoffnung" inszenierte die Gemeinschaft vom Lamm verschiedene Stellen aus dem Evangelium, die zum Anker der Hoffnung werden können.
Kardinal Schönborn betonte in seiner Ansprache, dass alle Menschen aufeinander angewiesen seien. „Alle brauchen wie einander- einer den anderen“. Allein die Tatsache, dass die beiden Angelpunkt der Existenz: Die Geburt aus einer Frau und der sichere Tod alle miteinander verbindet, ist auch der Ausgangspunkt unserer Verwiesenheit aufeinander. Auch Gott wollte seiner Menschwerdung sich von einer Frau geboren werden und hat den Tod auf sich genommen, um jeder und jedem dadurch eine Perspektive jenseits des Todes zu eröffnen: „Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen und ich gehe hin, um euch eine Wohnung zu bereiten.“
Die Gemeinde betete darum, Werkzeuge des Friedens, der Liebe und der Barmherzigkeit zu sein. Der Höhepunkt der Feier war der Einzelsegen. Nach der Segnung kleiner Gebetskistchen, der sogenannten „Prayer-Boxes“, traten die Gläubigen einzeln vor den emeritierten Wiener Erzbischof, um einen persönlichen Segen zu empfangen.
Der Gottesdienst endete symbolisch mit einem klaren Auftrag: einer Lichterprozession. Die Kerzen, die während der Feier entzündet worden waren, wurden von den Gläubigen hinaus in die Stadt getragen. Dies soll ein sichtbares Zeichen dafür sein, dass die Kirche die Botschaft der Hoffnung und Nächstenliebe mitten in die Gesellschaft trägt und die Anliegen der Armen nicht im Dom zurücklässt.