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22.09.2015 · Glaubenswissen · Ökumene

Das Ziel: Einheit der Menschheit - Religion der Bahá’í

Weltkugel

Den besonderen Auftrag dieser Religion bringt prägnant das Motto zum Ausdruck: „Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger.“ (Bahá’u’lláh).

Interview mit Univ.-Prof. Johann Figl über die Religion der Bahá’í

 

 

Die Bahá’í-Religion versteht sich als jüngste monotheistische Weltreligion. Welche Rolle spielt der Ein-Gott-Glaube?

 

Figl: Die Bahá’í-Religion anerkennt den einen Gott und steht damit in der Linie der monotheistischen Religionen, näherhin der abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam und versteht sich als jüngste Offenbarungsreligion.

 

Da es nur einen Gott gibt, ist letztlich für die Bahá’í auch eine Einheit der Religionen gegeben.

 

Christus und Bahá’u’lláh sind Gottesoffenbarer und die Bahá’i verehren beide hoch.

 

Die Anhänger der Bahá’í-Religion gehen von einer universalgeschichtlichen Sichtweise aus, nach der die Menschheitsgeschichte in großen Perioden verläuft, und für jeden Äon gibt es einen Gottesgesandten, und Bahá’u’lláh (ein Ehrentitel, wörtlich: Herrlichkeit Gottes), der Gründer dieser Religion (1817–1892), hat – für die Bahá’í – die Offenbarung für unser Zeitalter gebracht.

 

Was sind ihre Kernthemen?

 

Figl: Diese neue Religion ist nicht so unbekannt wie es scheint. Den besonderen Auftrag dieser Religion bringt prägnant das Motto zum Ausdruck: „Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger.“ (Bahá’u’lláh).

 

Dies ist eine Grundidee der Bahá’í-Religion. Ihr vornehmliches Ziel erblickt sie darin, die Einheit der Menschheit zu realisieren. Die Religion soll zum Fundament der Einheit der Menschen werden.

 

In Grundsätzen nennt die Bahá’í-Religion eine Reihe von Kernthemen, wie die Forderung des Weltfriedes, einer Welteinheitssprache, etc., ebenso das Prinzip der Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz, vor allem die Gleichberechtigung der Frau.

 

Wie gestalten die Mitglieder ihr geistliches Leben, ihren Bezug zur Welt?

 

Figl: Bahá’í wird man durch die Anerkennung Bahá’u’lláhs als Gottesoffenbarer für dieses Zeitalter und das Bekenntnis zu den von ihm geoffenbarten Lehren und Prinzipien; dadurch wird man in diese Religionsgemeinschaft aufgenommen. Dem geistlichen Leben kommt eine große Bedeutung zu, sowohl individuell als auch gesellschaftlich.

 

Obligatorisch sind drei Gebetszeiten (morgens, mittags und abends). Neben dem individuellen Gebetsleben finden regelmäßig die ‚Neunzehntagefeste‘ statt, an denen sich die Angehörigen der Religion zu Lesungen aus den Heiligen Schriften der monotheistischen Religionen sowie aus den Offenbarungsschriften Bahá’u’lláhs und dessen Vorläufer, dem Bab (wörtlich: „die Pforte“), treffen.

 

Angehörige aller Religionen sind in den so genannten ‚Häusern der Andacht‘ stets willkommen. Der Bezug zur Welt ergibt sich aus den genannten Prinzipien der Einheit, der Gleichberechtigung usw. Die Religionsgemeinschaft tritt weltweit durch verschiedene, besonders soziale und entwicklungsspezifische Aktivitäten hervor.

 

Der universalen Ausrichtung entspricht auch die Tatsache, dass die Religion bei der UNO Beobachterstatus hat.

 

Wie viele Bahá’í leben in Österreich, wie viele weltweit?

 

Figl: In Österreich ist die Bahá’í-Religionsgemeinschaft seit 1997 eine gesetzlich eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft und deren Mitgliederzahl beträgt nach offiziellen Angaben zur Zeit ca. 1.300 Personen, weltweit mehr als 5 Millionen (in allgemeinen Statistiken werden bis zu 7 Millionen genannt).

 

Die Bahá’í weisen darauf hin, dass ihre Religion neben dem Christentum die geographisch am weitesten verbreitete und am schnellsten wachsende ist.

erstellt von: Der Sonntag / Stefan Kronthaler
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Weitere Informationen

 

Emer. Univ.-Prof.  DDr. Johann Figl

 

 

 

Der Sonntag

 

Die Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag"

 

Der Sonntag Testabo

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