Papst Leo XIV. warnt vor wachsender Kriegsbereitschaft, schwachem Multilateralismus, eingeschränkter Meinungsfreiheit, globaler Christenverfolgung und fordert stärkeren Schutz von Menschenwürde, Gewissen, Leben und Familie.
Papst Leo XIV. hat bei seiner ersten Neujahrsansprache an das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Korps deutliche Worte gefunden. Er zeigte sich besorgt über die weltpolitische Lage, die Schwäche internationaler Zusammenarbeit und eine zunehmende Einschränkung grundlegender Freiheiten – auch in westlichen Demokratien.
Der Papst kritisierte, dass die internationale Gemeinschaft immer weniger auf Dialog setzt. Stattdessen würden Staaten wieder stärker auf Machtpolitik und militärische Strategien zurückgreifen. „Krieg ist wieder in Mode gekommen“, sagte Leo XIV. und warnte vor einer gefährlichen Normalisierung von Gewalt. Er forderte eine Stärkung der Vereinten Nationen und erinnerte daran, dass das humanitäre Völkerrecht nicht von politischen Interessen abhängig gemacht werden dürfe. Angriffe auf zivile Infrastruktur seien „schwere Verstöße gegen die Menschlichkeit“.
Leo XIV. rief zu einem sofortigen Waffenstillstand in der Ukraine auf. Für den Nahen Osten bekräftigte er die Zwei‑Staaten‑Lösung als einzige tragfähige Perspektive. Auch die Lage in Venezuela sprach er an und forderte, den Willen der Bevölkerung und grundlegende Bürgerrechte zu achten.
Besonders ausführlich ging der Papst auf die weltweite Verfolgung von Christen ein. Mehr als 380 Millionen Gläubige seien in erheblichem Maß Diskriminierung oder Gewalt ausgesetzt. Er erinnerte an Anschläge und Übergriffe in Afrika, Asien und im Nahen Osten und betonte, dass Religionsfreiheit ein universelles Menschenrecht sei.
Zugleich warnte er vor subtilen Formen der Ausgrenzung in westlichen Ländern, wo christliche Positionen zunehmend aus dem öffentlichen Diskurs gedrängt würden.
Leo XIV. äußerte sich kritisch zu Entwicklungen im Westen, wo seiner Ansicht nach der Raum für echte Meinungsfreiheit kleiner werde. Er sprach von einer „neuen Sprache“, die im Namen der Inklusivität andere Positionen ausschließe.
Auch die Gewissensfreiheit sei gefährdet. Die Möglichkeit, aus moralischen Gründen bestimmte Handlungen abzulehnen – etwa Militärdienst, Abtreibung oder Euthanasie –, müsse geschützt bleiben.
Der Papst bekräftigte die kirchliche Ablehnung von Abtreibung, Leihmutterschaft und aktiver Sterbehilfe. Öffentliche Mittel sollten seiner Ansicht nach nicht in die „Vernichtung von Leben“, sondern in die Unterstützung von Familien und schwangeren Frauen fließen.
Er warnte zudem vor einer gesellschaftlichen Tendenz, die Bedeutung der Familie zu unterschätzen, und rief dazu auf, sie als grundlegende soziale Einheit zu stärken.
Schließlich erinnerte Leo XIV. daran, dass Frieden nicht nur durch politische Abkommen entsteht, sondern durch eine gemeinsame Verpflichtung zu Wahrheit, Dialog und Respekt vor der Würde jedes Menschen. Die Welt brauche „eine Sprache, die verbindet, nicht spaltet“.