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01.03.2018 · Glaube · Fastenzeit & Ostern

Beim Schweigen auf Gott getroffen

Schweigeexerzitien sind ein Weg im Gebet mit Gott oder Gottes mit uns.

Im vergangenen Jahr hat Lydia Kasparova Schweigeexerzitien gemacht. 30 Tage sprach sie nur einmal am Tag mit ihrem Exerzitienbegleiter, verzichtete auf Handy, Radio, Fernsehen, Internet, Zeitung und Bücher. „Es war anstrengend und kostete mich viel Kraft und Energie“, sagt sie heute: „Bereut habe ich es trotzdem keine Sekunde.“

 

Ich stand vor einer großen Lebensentscheidung“, erzählt Lydia Kasparova im Gespräch mit dem SONNTAG: „Schon lange hatte ich darüber nachgedacht, mein Leben ganz Jesus zu weihen, meinen momentanen Beruf als Hebamme aufzugeben. Ob ich das auch wirklich so tun soll – mit dieser Frage bin ich dann sozusagen in die Exerzitien hineingegangen.“  


„Schweigeexerzitien sind mehrtägige geistliche Übungen, für die man sich an einen ruhigen Ort zurückzieht“, sagt dazu P. Josef Maureder SJ, der seit vielen Jahren als Exerzitienbegleiter tätig ist. „Sie sollen helfen, sich selbst – und Gott tiefer kennenzulernen und das eigene Leben neu auszurichten. Sie sind ein intensiver spiritueller Weg, manchmal auf eine Entscheidung zu, immer jedenfalls ein Gebetsweg und eine große Gebetsschule.“  


Keine Ablenkungen

Geschwiegen wird bei den Schweigeexerzitien tatsächlich den überwiegenden Teil des Tages. Absolute Stille nach außen also, „im Inneren aber tut sich eine Menge“, sagt Lydia Kasparova: „Ich wohnte in einem einfachen Zimmer, nahm einfaches Essen zu mir. Generell herrschte eine Atmosphäre, die es mir von Anfang an leicht machte, mich auf das zu konzentrieren, weshalb ich da war.

 

Ich weiß noch, wie wohltuend es war, in der Stille in mich hineinzuhören. Aber auch wie anstrengend es war, so intensiv ,in mir‘ zu sein“, sagt Lydia Kasparova: „Ich war nach außen hin ganz still und hielt einen inneren Dialog mit Gott. Er sprach zu mir und er wählte die Sprache. Meine Aufgabe war es hinzuhören, offen zu sein, mich darauf einzulassen.“


„Das Schweigen und die Einfachheit des Lebens bei Exerzitien soll helfen, in der Sammlung zu bleiben“, erklärt P. Maureder: „Es ist also mehr, als nicht mit den anderen zu reden. Deshalb gehören auch der Verzicht auf Zeitung, Lektüre, Fernsehen, Radio, Computer und Handy selbstverständlich dazu.“ Ablenkung werde so vermieden und die Kräfte können auf den inneren Weg hin ausgerichtet werden.

 

Ein Impuls für den Tag

Einmal am Tag wird das Schweigen für ein kurzes Gespräch mit dem Begleiter oder der Begleiterin ausgesetzt. Dabei werden die inneren Bewegungen, die Gefühle und Gedanken mitgeteilt.

 

Die Begleiterin oder der Begleiter versucht dann, mit dem Exerzitanten die Richtung zu erspüren, in die es weitergeht. „Dementsprechend wird demjenigen, der die Exerzitien macht, ein inhaltlicher Hinweis, ein biblischer Text, ein Bild oder eine zu betrachtende Lebenssituation für den nächsten Tag mitgegeben“, erklärt P. Maureder: „Die Exerzitanten meditieren mit diesem inhaltlichen Hinweis drei oder vier Stunden über den Tag verteilt. So entsteht meist auch thematisch ein Weg, der ganz auf die Person in ihrer Situation und mit ihrer Sehnsucht abgestimmt ist.“

 

Dazwischen gibt es neben den Mahlzeiten viel Raum zum Durchatmen, Spaziergengehen in der Natur und für Sport. „Ich wurde dazu angehalten, jeden Tag hinaus zu gehen“, erzählt Lydia Kasparova: „mich zu bewegen, intensiv, schnell, so dass ich auch einmal ins Schwitzen komme.“ Normalerweise wird einmal am Tag auch gemeinsam die Eucharistie gefeiert. Oft gibt es am Morgen gemeinsam ein Gebet oder Körperübungen zum Einstieg in den Tag.

 

Großer persönlicher Nutzen

Von Exerzitien spricht man gewöhnlich ab einer Dauer von wenigstens fünf oder sechs Tagen, so P. Maureder. „Normalerweise erstrecken sich solche Schweigeexerzitien über etwa acht oder zehn Tagen. Die ursprüngliche Form der ,Großen Exerzitien‘ des hl. Ignatius hat eine Länge von vier Wochen. Meine Erfahrung ist, dass Personen mit dem ehrlichen Wunsch, sich in die Stille zu begeben, aus solchen Exerzitien großen Nutzen ziehen.“

 

Wichtig dabei: eine gute geistliche Begleitung. So soll auf diesem Weg des Schweigens und Betens und der intensiven Auseinandersetzung mit sich selbst und Gott verhindert werden, dass jemand psychisch oder gedanklich in Seitengräben fällt.

 

Besonders zu empfehlen sind solche Exerzitien jenen Personen, die bereits Erfahrung mit dem Beten in einfachem Dasein oder mit Bibelstellen haben. „Gewöhnlich machen diese Exerzitien Personen, die vor einer Lebensentscheidung stehen, einen größeren Lebensabschnitt auswerten oder sich mit Gott auf eine Lebenswende vorbereiten möchten“, erklärt P. Maureder: „Auf der Suche nach Gott zu sein oder vor einer wichtigen Lebensentscheidung zu stehen, die man vor Gott treffen möchte, sind gute Voraussetzungen. “


Für Anfänger kann es sehr sinnvoll sein, zum Einstieg einmal ein Wochenende Kurzexerzitien zu machen. Nicht zu empfehlen sind die Schweigeexerzitien laut P. Josef Maureder SJ für Menschen mit einer labilen psychischen Konstitution oder einer kürzlich erlebten schweren Krise.

 

Auch Menschen, die noch keine Erfahrung mit längerem Schweigen haben, denen Gott oder Glaube nichts sagen, oder die sich aus reiner Abenteuerlust für solche Tage interessieren, muss demnach davon abgeraten werden. „Denn Schweigeexerzitien sind ein Weg im Gebet mit Gott oder Gottes mit uns.“

 

Exerzitien können zu jeder Zeit des Jahres gemacht werden – die Fastenzeit oder auch der Advent sind aber besonders beliebt „da Tage des Schweigens und der Einkehr in einer intensiven Vorbereitung auf ein großes christliches Fest oft als besonders sinnvoll und hilfreich erlebt werden“.

 

Lebenslang getragen

Für Lydia Kasparova stand am Ende ihrer Schweigeexerzitien eine Erkenntnis mit der sie tatsächlich so nicht gerechnet hatte: „Wie bei der Geburt eines Kindes wurde nach vielen Wehen etwas geboren. Ich habe mich auf diese Geburtswehen gerne eingelassen.

 

Es gab Momente des Glücks, des Friedens, der Gelassenheit und des Beschenktseins“, sagt die Hebamme: „Im Laufe der zweiten Woche der Exerzitien hat Jesus mich wissen lassen, dass er mich da braucht, wo ich bin. Das war im ersten Moment tatsächlich eine große Enttäuschung für mich. Ich glaube, ich hatte mir das so nicht erwartet.“

 

Trotzdem oder gerade deswegen ist sie überzeugt davon, dass die Schweigeexerzitien für sie der richtige Weg waren. „Ich habe viel investiert, aber mir wurde auch sehr, sehr viel geschenkt“, sagt sie, „und ich weiß, diese Erfahrung wird mich mein Leben lang tragen.“

erstellt von: Der SONNTAG / Andrea Harringer
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Weitere Informationen:

Jesuiten "Gesellschaft Jesu" (auch: Societas Jesu).

KONTAKTADRESSE

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1010 Wien,

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Kantorenkurs

Kantorale Vorbereitungen für die Karwoche

Als Vorbereitung auf die Karwoche veranstaltete Kirchenmusik Referent aus dem Vikariat Wien Nord Johannes Lenius einen Kantorenkurs in der Pfarre Gänserndorf.

Karottensuppe

Ritter-Grepl: Suppenkochen gegen Geschlechterklischees

Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung: Klischee der suppekochenden Frau ins Positive drehen. Care-Arbeit "wertvoll und unverzichtbar für Zusammenhalt". Familienfasttag als niederschwellige Form gelebter Solidarität.

Aschermittwoch

Administrator Grünwidl: Kulturchristentum ist zu wenig

Apostolischer Administrator der Erzdiözese Wien in Aschermittwoch-Predigt im Stephansdom: Wenn Kirche lebendig und glaubwürdig sein soll, braucht es mehr als Brauchtum.

Das Inzersdorfer Fastentuch

Das Inzersdorfer Fastentuch: Viele Fäden – ein Ganzes

An zwei Sonntagen nach der Messe waren viele helfende Hände damit beschäftigt Wollfäden zu sortieren, zu vermessen, aufzuknüpfen, abzuwickeln und so das Fastentuch in Inzersdorf entstehen zu lassen.

Fastenzeit und Ostern

Familienverband lädt zur achtsamen Fastenzeit

Katholischer Familienverband Österreich motiviert mittels App "Gutes Leben" und "Boomerang" sowie Aktionen zu Auszeiten vom stressigen Alltag.

KREUZWEG der Hoffnung für die ganze Schöpfung

KREUZWEG der Hoffnung für die ganze Schöpfung

Das Heilige Jahr steht im Zeichen der Hoffnung. Die Texte des Kreuzwegs sind bewusst kurz gehalten. Eine längere Zeit der Stille zwischen den Stationen hilft, die Texte und Bilder nachklingen zu lassen.

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Fastenzeit: Orden laden Interessierte zum "Innehalten und Aufbrechen"

Von Gemüse-Sushi-Fasten bis klösterliche Fastenwochen, stille Exerzitien und biblische Besinnungstage - wie Ordensgemeinschaften Menschen auf dem Weg zu innerer Einkehr und Erneuerung begleiten.

Fastenkalender 2025: Mit Gott wachsen

Fastenkalender 2025: Mit Gott wachsen

Der Steyler Fastenkalender 2025 lädt ein, in der Fastenzeit Körper, Geist und Seele wachsen zu lassen. Mit dem Spendenerlös wird ein Baumpflanzprojekt in Togo unterstützt.

Grass blossom in the morning

Dominikaner laden zur Vortragsreihe „Fasten im Jubeljahr“ ein

In der Fastenzeit dieses Jahres, das die Kirche als Jubel- oder auch „heiliges“ Jahr begeht, laden die Dominikaner an fünf Abenden, zu der Vortragsreihe „Fasten im Jubeljahr - Ökologische Gerechtigkeit als biblisches Anliegen“ ein.

San Giorgio in Velabro: Eine Kirche zwischen Legenden und Geschichte

Der zweite Tag der Fastenzeit beginnt in Rom in San Giorgio in Velabro, einer mittelalterlichen Kirche am Fuße des Palatin. Sie erzählt eine Geschichte, die tief in die Mythen und Traditionen Roms eingebettet ist. Hier verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise.

Die Stationsgottesdienste der Fastenzeit – Eine alte römische Tradition lebt weiter

 

Einzug in den Stephansdom

Feierliche Gottesdienste in der Karwoche und zu Ostern in der Wiener Innenstadt

Die Gottesdienste der drei österlichen Tage am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag, auch „Triduum paschale“ genannt, bilden den Höhepunkt des Kirchenjahres.

Kreuzweg für queere Menschen und ihre Unterstützenden: „Wounds of Love“

Die Meditation des Kreuzweges Jesu zu seiner Hinrichtungsstätte auf dem Berg Golgotha gehört zu den klassischen kirchlichen Gebetsandachten in der vorösterlichen Fastenzeit. In der Pfarre Breitenfeld wird am Montag, 11. März, ein besonderer Kreuzweg angeboten, der die Erfahrungen queerer Menschen und deren Unterstützer:innen (Allies) thematisiert.

Geige

Wiener Hofmusikkapelle: Musik und Literatur in der Mittagspause

Auch Messen und Benefizkonzerte beim Festival "Übergänge" von 24. bis 31. März.

Kreuz und Dornenkrone

Fastenzeit: "Akademie am Dom" mit Schwerpunkt zu Gott und Leid

Wiener Erwachsenenbildungseinrichtung lädt zu verschiedenen Vorträgen und Diskussionen rund um das Thema Leid. Noch bis Juni Ausstellung von Fotos des Innsbrucker Bischofs Glettler in Räumen der "Theologischen Kurse".

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