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13.12.2013 · Gedanken zum Evangelium

Trost in dunkler Stunde

"Jesus hat viele geheilt, aber nicht alle. Allen aber hat er etwas zugesagt, was wichtiger ist als alle Heilungen: das Heil!", so Kardinal Christoph Schönborn.

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am dritten Adventsonntag, 15. Dezember 2013.

Wenn es einen Gott gibt, wie kann er das zulassen? Diese Frage höre ich oft. Manchmal bewegt sie auch mich. Wenn mir jemand großes Leid anvertraut, kommt mir die Frage: Mein Gott, warum hast du das nicht verhindert? Wo warst du, als dieses Schreckliche geschehen ist? Schaut der gute Gott zu, wenn Menschen Böses widerfährt? Warum greift er nicht ein? Will er nicht? Kann er nicht?

 

Diese Fragen dürften wohl auch Johannes den Täufer bewegt haben, als er im Gefängnis des Königs Herodes war, wehrlos der Willkür dieses Tyrannen ausgeliefert. Johannes plagte noch eine weitere Frage: Habe ich mich geirrt? Hat Gott mich getäuscht? War alles, was ich getan habe, ganz verkehrt? Johannes steckt in einer tiefen Lebenskrise. Und deshalb ist es so hilfreich, sich in seine Situation hineinzudenken, weil es in jedem Menschenleben Sinnkrisen gibt, in denen alles in Frage gestellt wird, in denen nichts mehr Halt gibt.

 

Johannes hatte ganz auf Jesus gesetzt. Er war überzeugt: Jesus werde die große Wende bringen, endlich Gerechtigkeit und Recht wieder herstellen. Er werde alles Unrecht ausrotten, die heilige Ordnung Gottes aufrichten. Doch es kommt ganz anders. Jesus tritt nicht machtvoll auf. Die Mächtigen missbrauchen weiter ihre Macht. Johannes selber ist ihr Opfer. Herodes hat ihn einfach ins Gefängnis werfen lassen, nur weil er es gewagt hat, ihm zu sagen: Du hast nicht das Recht, deinem Bruder die Frau "auszuspannen" und sie zu heiraten.

 

Wo ist jetzt Gott? Wo ist Jesus? Warum kann er dieses himmelschreiende Unrecht nicht verhindern? Warum schaut er zu, wie seinem Freund, seinem "Vorläufer" Johannes solche Gewalt angetan wird? In dieser Stunde kommt dem Johannes eine quälende Frage: Und wenn ich mich getäuscht habe? Wenn Jesus gar nicht der ist, den ich erhofft, erwartet, verkündet habe? So lässt er Jesus fragen: Bist du es wirklich? Oder sollen wir auf einen anderen warten?

 

Mich erschüttert diese Frage. Es ist der schmerzende, nagende Zweifel: Habe ich mich in meinem Leben getäuscht? Habe ich die falsche Wahl getroffen? Habe ich alles auf Sand gebaut? In solchen Momenten droht das ganze Lebensgebäude wie ein Kartenhaus zusammen zu fallen. Das sind dunkle Stunden.

 

Hat Jesus dem Johannes aus seinem Zweifel heraus helfen können? Hat Jesus eine Antwort auf die Frage, warum Gott so viel Leid zulässt? Jesus sagt: "Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht!" Heilungen aller Art können sie erleben. Ja, es gibt sie auch heute. Immer wieder geschehen Wunder. Aber Johannes blieb im Gefängnis. Und bald danach wurde er enthauptet.

 

Jesus hat viele geheilt, aber nicht alle. Allen aber hat er etwas zugesagt, was wichtiger ist als alle Heilungen: das Heil! Es kommt nicht darauf an, dass dir alles Leid erspart bleibt. Wichtiger ist, dass du in guten wie in bösen Zeiten ein gerader Mensch bleibst. Das war Johannes der Täufer. Nicht einer, der sein Fähnchen nach dem Wind hängt. Nicht einer, der sich nur in Markenkleidern wohlfühlt. Ein Gerader, den kein Unrecht beugen konnte. Darauf kommt es an. Gott gibt dazu die Kraft.

13.12.2013
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Matthäusevangelium 11, 2-11

In jener Zeit hörte Johannes im Gefängnis von den Taten Christi. Da schickte er seine Jünger zu ihm und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten? Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt. Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden; er sagte: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige. Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten. Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.

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